ISSUM. Vielen Issumern wird mittlerweile der Schrank auf dem Platz an de Pomp aufgefallen sein: An diesem offenen Bücherschrank können sich die Bürger bedienen und eigene Bücher hineinstellen, Platz gibt es für rund 180 Bücher. Gestiftet wurde der Schrank von Innogy-Westenergie, nachdem die Politik einen entsprechenden Wunsch geäußert hatte.

„Es ist eine gute Möglichkeit, nach neuem Lesestoff zu suchen und sich dabei zu treffen. Lesen ist ein schönes Hobby, mit dem man gar nicht früh genug anfangen kann“, erklärte Bürgermeister Clemens Brüx. Er hofft, dass viele Bürger in den Schrank schauen, Bücher tauschen und auch einmal länger verweilen. Der Platz an de Pomp eigne sich dafür besonders gut, da er gewissermaßen das Zentrum Issums sei.
Den einladenden Charakter des Platzes bestätigt auch Innogy-Kommunalbetreuer Frithjof Gerstner. Mit dem 207. von Innogy gestifteten offenen Bücherschrank ist er sich sicher, dass er den Platz noch mehr zu einem Ort des Austauschs  machen wird. „Und er soll auch nicht der letzte Schrank sein“, erklärte Gerstner. Für das Frühjahr 2021 ist ein weiterer in Sevelen geplant. Aufgestellt werden soll er auf dem Kirchplatz.
Sowohl Gerstner als auch Hans-Jürgen Greve, der Architekt von mehr als 600 Schränken, wissen aus Erfahrung, dass sich nur selten jemand an den Schränken vergreift. Und wenn doch, könnte es schlimmer sein: Er besteht nämlich aus wetterfestem Cortenstahl. Kaum jemand sprüht darauf, wie Greve weiß. Denn das Material ist leicht zu reinigen und zehn Millimeter Stahl machen ihn zusätzlich widerstandsfähig.

Bücherschrank für alle

Die Erstausstattung haben die lokalen Büchereien gestiftet. Das unterste Fach des Schranks ist für Kinder- und Jugendbücher reserviert. Andere Romane und Sachbücher kommen in die Fächer darüber. Die Bücher sollten allerdings für die Allgemeinheit geeignet sein. Magazine, übermäßige Schocker oder religiös beziehungsweise ideologisch gefärbte Hefte sind tabu. Gut und  ansehnlich sollte der Zustand auch sein.
Nach dem Rechten schauen in der Regel die Paten. Im Falle von Issum übernimmt das jedoch zunächst die Gemeinde selbst, um im Blick zu behalten, wie sich das Angebot entwickelt. In der Zukunft sollen das aber ehrenamtliche Paten fortführen. Die müssen allerdings Bücher wegwerfen können. Manche Nutzer stellen nämlich erfahrungsgemäß durchaus ihre ungeliebten oder äußerlich ziemlich mitgenommenen Bücher in den Schrank oder füllen ihn mit religiösen Heften.
Der offene Bücherschrank ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit von SPD und CDU. Als die SPD die Idee vorbrachte, unterstützte die CDU sie und nachdem der gemeinsame Antrag gestellt war, gewann die Gemeinde Innogy als Sponsor.