Klimaschutz und Politik:
Schüler füllen den Leerstand

Emmericher Gesamtschüler zeigen ihre Arbeiten in leerstehenden Geschäften

Mit dem Klimaschutz und weiteren Themen haben sich Ediraldo, Filip, Sarah und Sultan (v. l.) in ihren Projekten beschäftigt, die sie im Schaufenster an der Hühnerstraße präsentieren. NN-Foto: MB

EMMERICH. Leerstand in der Innenstadt ist in Emmerich ein viel diskutiertes Thema. In einer neuen Kooperation nutzen die Klassen der Gesamtschule nun diese freien Flächen, um ihre Unterrichtsprojekte zu präsentieren. Zum Auftakt haben Schüler das Schaufenster in der Hühnerstraße, gegenüber von Thesing Schuhmoden, mit ihren Werken dekoriert.

Die Kooperation ist aus der Veranstaltung „Jugend trifft Verwaltung“ hervorgegangen, wie Verena van Niersen von der Emmericher Wirtschaftsförderung berichtet: „Es gab die Überlegung, wie man den Leerstand schöner gestalten kann. Und wir haben – leider – genügend Leerstand, so dass die Schüler hier ihre Projekte präsentieren können.“ Dabei traten die Schüler selbst mit ihrer Idee an die Verwaltung heran.

Elisabeth Wolbring, Geschäftsfüherin von Thesing, kam wiederum zufällig mit van Niersen ins Gespräch und sprach sie, als sie von der geplanten Kooperation erfuhr, auf den Leerstand gegenüber ihres Geschäftes als möglichen „Startpunkt“ an. „Ich schaue schon seit Jahren auf dieses leere Schaufenster“, sagt Wolbring, die dort zwischen den Arbeiten der Schüler auch einige Schuhe zeigt – natürlich aus nachhaltiger Produktion.

17 „Global Goals“

Die Schüler beschäftigen sich in ihren Projekten mit den „Global Goals“. Insgesamt gibt es 17 dieser globalen Ziele, darunter die Themen Armut, Migration und Demokratie. Im ersten Teil geht es um Klimaschutz und Europa. „Es geht um sehr abstrakte Informationen, die in den Arbeiten der Schüler anschaulicher werden“, erläutert Lehrerin Gisela Hartmann.

Zu den Themen ihrer Arbeiten haben die Schüler, überwiegend aus den Klassen 7 und 8, selbst recherchiert. Die Werke entstanden dann im Gesellschaftskunde-Unterricht, aber auch in anderen Fächern. Bei rund 800 Schüler, die in kleinen Gruppen Arbeiten zu den verschiedenen Themenkomplexen produzieren, „gibt es viel Potenzial“, wie Lehrer Sebastian Heinen weiß. „Daher war es schwer, eine erste Auswahl zu treffen.“ Eines der Bilder hat der 13-jährige Ediraldo mit einem Mitschüler gemalt. Es zeigt die Erde, die von der Sonne verbrannt wird. „Durch zu viel Rauch erhöht sich die Temperatur, das Wetter wird immer wärmer. So kam uns die Idee zu dem Motiv“, erzählt Ediraldo.

„Wollen ein wenig provozieren“

Sultan (14) und Sarah (15) haben sich neben dem Klima auch mit dem Thema Sehenswürdigkeiten beschäftigt, das sie wiederum auf die Politik erweitert haben. „Wir wollten das aktuelle politische Geschehen kritisch darstellen, mit Bezug auf Europa“, berichtet Sultan und verrät: „Wir wollen mit unseren Bild auch ein wenig provozieren.“

Um den Klimawandel, den steigenden Meeresspiegel und letztlich den „Untergang“ der Welt geht es beim großformatigen Bild, das Filip mit zwei Mitschülern entworfen hat. „Das Eis der Polkappen schmilzt, und es betrifft uns Jüngere am meisten, wenn dadurch die Welt untergeht“, sagt der 14-Jährige.

Auf dem Markt
Zusätzlich zu den Präsentationen in Leerständen ist die Gesamtschule demnächst auch mittwochs auf dem Wochenmarkt vertreten. Den Auftakt machte in dieser Woche die Schülerfirma „Glücksbäcker“, am kommenden Mittwoch ist „Rheinhaltig“ dabei. „Es ist jede Woche eine andere Schülerfirma“, sagt Lehrer Sebastian Heinen.

Dem Auftakt an der Hühnerstraße sollen weitere Ausstellungen in leerstehenden Geschäftsräumen folgen. „Es soll auch ein Aufruf an Inhaber oder Vermieter von Leerständen sein, sich bei uns zu melden“, sagt van Niersen. Wer Interesse hat, erreicht sie bei der städtischen Wirtschaftsförderung an der Rheinpromenade 27 und unter Telefon 02822/931016.