Jugendherberge
Das Team der Jugendherberge bringt den Betrieb wieder zum Laufen. NN-Fotos: Theo Leie

XANTEN. So etwas wie Corona und die wochenlange Schließung hat Ursula Hiepler seit Eröffnung der Xantener Jugendherberge im Jahre 2004 nicht erlebt. Teile der Einrichtung wegen eines Umbaus zu schließen, ja, das gab es. Das aber auch nur, weil die Nachfrage bereits in den Anfangszeiten sehr hoch war. Seit vergangenen Donnerstag hat die Jugendherberge wieder geöffnet – unter verschiedenen Sicherheitsmaßnahmen.

Auch wenn die Lage in Xanten für die Zukunft rosig aussieht: Hiepler hofft, dass sich der Schrecken der letzten Wochen nicht ein weiteres Mal wiederholt. „Wir denken optimistisch“, sagt sie. Nun gilt es, Schritt für Schritt den Betrieb zurück auf die Beine zu bringen. Das betrifft vor allem die Mitarbeiter: „Alle Mitarbeiter sind in Kurzarbeit und müssen Zug um Zug zurückgeholt werden, je nachdem wie die Belegungssituation ist“, erklärt Hiepler.

Schulklassen sind der vielleicht wichtigste, aber zumindest größte Kundenstamm der Einrichtung: „Innerhalb der Schulzeit war das Haus von montags bis freitags mit Schulklassen ausgebucht“, sagt Hiepler. Dieser Kundenstamm fällt nun bis zu den Sommerferien weg.

Deshalb bleibt dem Team vor allem, an Werktagen zum Beispiel auf Einzelpersonen oder Familien mit Kleinkindern zu hoffen. Auffangen werden diese Buchungen die der Schulklassen keinesfalls.

Rund 22.000 Stornierungen

Dabei sah die Situation für die Jugendherberge am Anfang des Jahres noch sehr gut aus, „sensationell“ sogar, wie Hiepler sagt: Über 50.000 Übernachtungen waren für das Jahr bereits gebucht. Mittlerweile sind es nur noch rund 28.000. Bitter für das Team der Jugendherberge: „Die Programme waren bestellt und mit den Kooperationspartnern abgesprochen. Auch die Termine standen fest“, erklärt Hiepler. All das musste aufwändig storniert und rückgängig gemacht werden. Dass es nicht die eigene Schuld ist und ganz Deutschland dasselbe Problem hat, tröstet Hiepler zumindest ein wenig.

Optimistisch in die Zukunft

Und beschweren möchte sich Hiepler schon gar nicht, denn immer schon sei die Nachfrage sehr hoch gewesen. „Wir haben mehr Vorausbuchungen als so manches Großstadthaus. Xanten ist ein attraktiver Standort. Wir haben schon Buchungen bis 2024, manche Stammgäste waren schon 20 Mal hier“, verrät sie.

Trotzdem soll das Haus in Anbetracht der immer noch schwelenden Corona-Gefahr vorerst nicht so voll werden wie früher. Mit – im Falle von Nicht-Familien – zwei Personen pro Zimmer peilt das Team eine Auslastung von 50 bis 60 Prozent an.

Jugendherberge
Ein Desinfektionsmittel im Eingangsbereich ist nur eine der Schutzmaßnahmen. Schilder machen auf Weitere aufmerksam.

Darüber hinaus müssen weiterhin wegen der Hygienestandards allgemein Abstände eingehalten werden: „Das ist nicht gerade wirtschaftlich, aber der Betrieb kommt wieder in Gang“, sagt Hiepler. Sie hofft, bis nach den Sommerferien alle Mitarbeiter aus der Kurzarbeit holen zu können.

Das Team der Jugendherberge hat Projektgruppen gebildet, die sich um bestimmte Themen kümmern. Sie erstellten bereits Checklisten zum Thema Hygiene, Kommunikation und mehr. Plexiglasscheiben, kontaktlose Essensausgabe oder die Kennzeichnung der Wege sind Beispiele für Baustellen, an denen das Team vor der Wiedereröffnung arbeitete. Viele Aspekte, die manchmal nicht ganz genau definiert sind, wie Hiepler erklärt.

In Xanten funktioniere die Kontaktvermeidung ganz gut: Wegen der Quadratform könne man rundherum laufen. „Man hat zwar längere Wege, aber man muss sich nicht unbedingt begegnen“, sagt Hiepler. Bei alledem hofft sie auf das Verständnis und die Mitarbeit der Gäste.

Mit den Sommerferien stehen als nächstes auch viele Ferienfreizeiten vor der Tür. Die Jugendherberge in Xanten wartet etwa auf Familien, die an Segel-, Tauch- und Surffreizeiten teilnehmen. In der aktuellen Zeit lässt sich so etwas nur schwer im Voraus planen, da sich die Situation und die Bestimmungen schnell wieder ändern können. Auch zum Schlechten. „Es wäre schade, wenn die Freizeiten wegen der Kontaktbeschränkung nicht stattfinden könnten“, bedauert Hiepler.