Gehen gemeinsam gegen die Reform vor: (v.l.n.r.) Christoph Landscheidt (Bürgermeister von Kamp-Lintfort), Thomas Ahls (Bürgermeister von Alpen), Klaus Kleinenkuhnen (Bürgermeister von Rheurdt), Josef Lübbers ( Geschäftsführer des St. Bernhard Hospital) und Frank Tatzel (Bürgermeister von Rheinberg. NN-Foto: Dickel

ALPEN/RHEINBERG/RHEURDT. Ab dem 1. April sollen Bürger aus den vier Kommunen Alpen, Kamp-Lintfort, Rheinberg und Rheurdt für eine Notfallversorgung nach Moers zur Notfallpraxis auf dem Gelände des Bethanien-Krankenhauses fahren. Die Bürgermeister sehen für ihre Bürger große Probleme und laden deshalb zu einer Podiumsdiskussion am Dienstag, 3. März, um 19 Uhr in die Stadthalle Kamp-Lintfort ein.

„Droht der Kollaps“ steht in dicken Lettern auf dem Plakat, mit dem die vier Kommunen zur Podiumsdiskussion einladen. In der Tat sehen die vier Bürgermeister der betroffenen Kommunen, Thomas Ahls (Alpen) Christoph Landscheidt (Kamp-Lintfort), Frank Tatzel (Rheinberg) und Klaus Kleinenkuhnen (Rheurdt) die Situation kritisch: „220.000 Menschen sollen ab April alle die Notfallpraxis in Moers aufsuchen. Wir möchten eine regionalere Lösung und eine Notfallpraxis am hiesigen St. Bernhard-Hospital“, stellt Landscheidt klar. Die Reform der Notfallversorgung, die von der kassenärztlichen Vereinigung (KV) auf den Weg gebracht wurde, betrifft nicht nur die Kommunen am Niederrhein, sondern auch zahlreiche andere Kommunen deutschlandweit: „Für den nicht urbanen Raum sehe ich erhebliche Probleme“, macht Landscheidt deutlich.

Eher 112 anrufen als zur Notfallpraxis fahren

Josef Lübbers, Geschäftsführer des St. Bernhard-Hospital in Kamp-Lintfort sieht in der Reform auch gravierende Mängel: „Der Grundsatz lautet ambulant vor stationär, aber wenn einige Patienten demnächst sehr lange Strecken zurücklegen müssen, um zu einer Notfallpraxis zu kommen, werden sie mit Sicherheit eher die 112 rufen oder in die Notaufnahme kommen.“ 900 Fälle habe man im St. Bernhard Hospital bereits monatlich. Das macht circa 30 Fälle am Tag, die in die Notaufnahme kommen, obwohl sie eigentlich eher in die Notfallpraxis – oder zum Hausarzt müssten, so Lübbers: „Dabei gehören in die Notaufnahme Menschen, die einen Herzinfarkt haben oder die schwer verunfallt sind“, so der Geschäftsführer des Krankenhauses, der sich weiter fragt: „Ist eine adäquate Versorgung dann überhaupt noch gewährleistet?“

Auch Thomas Ahls ist mit der Situation alles andere als zufrieden: „Hier werden reine Zahlenwerte zur Bewertung herangezogen, aber nicht geschaut, wie lang die Wege sind“, kritisiert er. Die Reform sei „meilenweit weg von der Realität“, urteilt Ahls und hofft, dass deshalb viele Bürger zur Podiumsdiskussion am kommenden Dienstag kommen. Das Gespräch mit der KV haben alle Bürgermeister gesucht – allerdings ohne Erfolg: „Wir haben keine sachliche Antwort erhalten, deswegen gehen wir jetzt an die Öffentlichkeit“, erklärt Landscheidt. Zusätzlich dazu sehen die vier Bürgermeister auch Probleme in der Kapazität der Notfallpraxis in Moers: „Die Kapazität ist dort gar nicht auf so viele Menschen ausgerichtet und vor allem nicht mit dem Hintergrund der immer älter werdenden Gesellschaft“, erläutert Klaus Kleinenkuhnen.

Stattdessen wolle man lieber eine zusätzliche Notfallpraxis am St. Bernhard Hospital, die von allen vier Kommunen angefahren werden könnte: „Die Strukturen sind bei uns geschaffen und wir könnten jederzeit starten“, erklärt Lübbers. Verstimmt sind Ahls, Landscheidt, Tatzel und Kleinenkuhnen zudem auch über die zeitliche Planung der KV: „Der Entwurf kam erst im Januar und soll schon Anfang April umgesetzt werden“, so Kleinenkunen.

Diskussion zur Notfallversorgung am 3. März

Um über all diese Probleme zu diskutieren, laden die Bürgermeister der vier Kommunen für kommenden Dienstag, 3. März, um 19 Uhr zur Podiumsdiskussion ein. Ein Impuls-Vortrag zum Thma wird durch Prof. Dr. Christopher Niehues von der Fachhochschule Münster erfolgen. An der anschließenden Podiumsdiskussion werden sowohl Niehues als auch Landscheidt (stellvertretend für seine Kollegen) sowie Dr. Conrad Middendorf, Regionalgeschäftsführer der St. Franziskus-Stftung in der Region Rheinland und Dr. Klaus Klattenbeck, Chefarzt der medizinischen Klinik II. am St. Bernhard-Hospital teilnehmen.