NIAG informiert die Presse, nicht aber die Anwohner

Orsoyer sorgen sich über Auswirkungen giftiger Abfälle, die im Hafen lagerten

ORSOY. Rückstände aus der Schwerölvergasung der Shell Rheinland-Raffinerie wurden in vier nordrhein-westfälischen Kraftwerken als „Petrolkoks“ verbrannt. Inzwischen (seit Juli 2019) werden sie vom Umweltministerium als gefährlicher Abfall eingestuft, der nur auf zugelassenen Deponien entsorgt werden darf. Diese hochgiftigen „Petrolkoks“ wurden auch von 2016 bis 2019 im Hafen Orsoy

Gute Nachbarschaft mit der NIAG stellen sich Robert Schneiders, Sabine Kleinholdermann und Dankward Bender (v.l.) anders vor. NN-Foto: Lorelies Christian

Sie haben sich seit 2018 zur „Interessengemeinschaft Hafengeschädigter in Rheinberg-Orsoy“ zusammengefunden, um sich gegen die Staub- und Lärmbelästigung zu wehren (die NN berichteten). Im Nachhinein werden ihre Sorgen noch größer. Sabine Kleinholdermann gibt zu bedenken: „Ich habe immer schon den Gesundheitsaspekt gesehen. Jetzt muss ich befürchten, dass die große Verschmutzung 2018, die einen nicht mehr zu reinigenden Ölfilm hinterließ, giftig war. Ich weiß zwar, dass die NIAG als Betreiber des Hafens seinerzeit nicht wissen konnte, was die Shell entsorgt. Doch es gibt doch auch den Kreis als Aufsichtsbehörde. Ich bin immer davon ausgegangen, dass Proben genommen werden, um zu überprüfen, womit der Staub belastet ist, der auch nach wie vor immer mal wieder auf unsere Grundstücke weht.“
Immer wieder hatte die Interessengemeinschaft darum gebeten, dass Prüfungen stattfinden sollten, schließlich sind die Grundstücke der Anwohner gerade mal 100 Meter vom Hafen entfernt. Ein Privatmann entnahm selbst eine Bodenprobe in seinem Garten und erhielt die Bestätigung, dass eine erhöhte Konzentration an Schwermetallen vorliege. Diese Probe wird aber nicht als „Beweis“ anerkannt. Warum führt die NIAG oder der Kreis als Aufsichtsbehörde nicht selbst Proben durch, fragen sich auch Dankward Bender und Robert Schneiders von der Interessengemeinschaft (IG).
Sie haben den Verdacht, dass die NIAG doch schon länger wissen konnte, welche gefährlichen Stoffe sie am Hafen Orsoy lagert. Denn die immer wieder versprochenen Sicherheitsarbeitsblätter, die darüber Auskunft geben, wurde der IG erst überlassen, seitdem in der Presse bekannt wurde, was Shell verladen ließ. Und der Kreis ist ja an der NIAG mit 42 Prozent beteiligt, also gleichzeitig Eigentümer und Aufsichtsbehörde. Da stellen die Orsoyer die Neutralität in Frage.
Überhaupt sind sie enttäuscht von der Informationspolitik der NIAG. „Wir hatten sechs Zusammenkünfte mit Vertretern der NIAG, der Stadt und des Kreises, aber erfahren wichtige Dinge, wie zum Beispiel diese Tatsache im Nachhinein aus der Presse“ kritisiert Bender. Er wolle nicht nur meckern, etwas sei auch erreicht worden. So gebe es inzwischen mehr Berregnungsanlagen und nach Verschmutzungen würden auf Kosten der NIAG die Fenster bei den Leuten geputzt, die sich bei der NIAG melden.
Doch die Beregnungsanlagen stehen nur auf dem Hafengelände, zum Beispiel nicht direkt am Rhein bei der Verladung, weil dies nicht mehr Grundstück der NIAG sei. Auch die (merkwürdigerweise einfahrenden) Züge sind oft so hoch beladen, dass der Wind leichtes Spiel hat, den Kohlestaub auf die anliegenden Grundstücke zu verteilen.
Die nächste Zusammenkunft des sogenannten Arbeitskreises ist am 4. März. Das Vertrauen auf Besserung ist bei Dankward Bender, Sabine Kleinholdermann und Robert Schneiders erschüttert. Daher haben sie sich in einem Schreiben vom 27. Januar an Umweltministerin Ursula Heinen Esser gewandt. Sie wollen auch im nachhinein wissen, welche Gesundheitsgefahr von den Stäuben des gefährlichen Abfalls ausgehen. Sie fragen nach Auflagen und Zuständigkeiten. Berichten von der privat veranlassten Bodenprobe und fordern eine Verifizierung durch das Umweltministerium. Ganz klar formulieren sie: „Würden Sie bei einem Betrieb, der die Auflage hat, ,Staub­abwehungen sicher zu verhindern‘ einen strafrechtlich relevanten Tatbestand in Betracht ziehen, wenn es nachweislich zu Staubabwehungen von diesem Betrieb kommt?“
Bisher gab es noch keine Antwort aus dem Ministerium. Doch trotz aller Enttäuschung stellt die IG klar: „Der Hafen gehört zu Orsoy, wir wollen ein gutes Miteinander, bei dem unsere Bedenken ernst genommen werden und Schutz unserer Gesundheit“

INFO
Orsoyer, deren Häuser durch Abwehungen vom NIAG Hafen verschmutzt werden, können Reinigung einfordern bei Antonius von Hebel, Telefon 0151 2347 2001 . und Meldung machen bei der Unteren Emissionsschutzbehörde beim Kreis Wesel, Telefon 0281 207 2508