„Pro homine“: Ab 2020 fast doppelt so viele Pflege-Azubis

Die Krankenhausgesellschaft richtete die dritte Pflegefachtagung aus

EMMERICH/WESEL. Der Jahreswechsel bringt 2020 eine Reform in der Pflege-Ausbildung mit sich. Die Ausbildungen zum Kranken- und Gesundheitspfleger, Altenpfleger und Kinderkrankenpfleger werden zum Pflegefachmann beziehungsweise Pflegefachfrau zusammengefasst. Um sich auf die Umstellung vorzubereiten, lud die Krankenhausgesellschaft „pro homine“, zu der unter anderem das St. Willibrord-Spital in Emmerich und das Marien-Hospital in Wesel gehören, zur dritten Pflegefachtagung mit dem Thema „selbstbestimmtes Handeln“ in die Senioreneinrichtung St. Augustinus in Emmerich ein.

Pro homine Pflegefachtagung
Experten beim Thema Pflege: Michael Isfort, Wolfgang Stratenschulte, Sylvia Guth-Winterink und Andreas Bock (v.l.) NN-Foto: SP

Neben einer Podiumsdiskussion gab es mehrere Fachvorträge, unter anderem zur Einarbeitung von Führungskräften oder zur Mangelernährung im Krankenhaus. Zentrales Thema war aber die neue generalisierte Pflege-Ausbildung, die im Januar startet und nun zum Pflegefachmann beziehungsweise Pflegefachfrau ausbildet. „Diese neue Berufsgruppe übernimmt die Versorgung der Patienten in allen Lebensbereichen – von der Geburt bis zum Lebensende“, sagt Andreas Bock, Leiter des Bildungszentrums Niederrhein Wesel.

100-prozentige Job-Garantie

Für alle Interessenten an der Ausbildung gibt es dabei gute Nachrichten: „Pro homine“ hat die Anzahl der Ausbildungsplätze für 2020 um 43 Prozent – von derzeit 294 auf 420 Stellen – erhöht. „In der Pflege gibt es zudem eine 100-prozentige Job-Garantie. Es gibt praktisch keine Arbeitslosen in diesem Bereich“, sagt Michael Isfort vom Deutschen Institut für angewandte Pflegeforschung. Die Ausbildung werde zudem – anders als vorher – in Europa anerkannt. Zudem bestehe die Möglichkeit, neben der Ausbildung auch noch ein Studium zu absolvieren und einen Bachelor- oder Master-Abschluss zu erwerben.

„Wegen des Ärztemangels muss die Gesundheitsversorgung in Zukunft immer mehr über die Pflege geleistet werden“

Eine gute Ausbildung von Fachkräften werde in der Gesundheitsversorgung in Zukunft immer wichtiger. „Wegen des Ärztemangels muss die Gesundheitsversorgung in Zukunft immer mehr über die Pflege geleistet werden“, sagt Sylvia Guth-Winterink. Mit der Erhebung und Feststellung des Pflegebedarfs, der Organisation, Gestaltung und Steuerung des Pflegeprozesses sowie der Entwicklung der Qualität der Pflege ergebe sich ein eigenes Berufsbild, dass die neuen Pflegefachmänner und -frauen erfüllen sollen. „Es geht dabei um das Einschätzen und Einplanen von Pflege, nicht um die Durchführung. Pflege soll auch weiterhin zuhause von Angehörigen übernommen werden können“, erklärt Isfort.

Zahl der Pflegebedürftigten steigt

Vor allem am Niederrhein werde dieses Feld bedingt durch den demografischen Wandel immer wichtiger. „25 bis 30 Prozent mehr Menschen werden in den nächsten Jahren über 75 Jahre alt sein. Da ist Pflege ein wichtiges Thema“, sagt Isfort. Zurzeit seien im Kreis Kleve 4,1 Prozent der Menschen pflegedürftig – Tendenz steigend.