Unternehmensnahe Kinderbetreuung
Die Fachveranstaltung in Kamp-Lintfort besuchten (v. l.) Landrat Dr. Ansgar Müller, Monika Seibel, (Leiterin Fachstelle Frau und Beruf Kreis Wesel), Katherina Küpper-Schreiber (Kompetenzzentrum Frau und Beruf Niederrhein), Katja Sträde (Gesellschaft für innovative Beschäftigungsförderung), Professorin Sybille Stöbe-Blossey (Universität Duisburg-Essen), Moderatorin Elena de Graat (work and life) und Michael Düchting (Leiter Entwicklungsagentur Wirtschaft Kreis Wesel). Foto: privat

KREIS WESEL. „Und wer kümmert sich um die Kinder? Unternehmen machen sich stark“ war das Thema der Veranstaltung, die die Entwicklungsagentur Wirtschaft zusammen mit der Fachstelle Frau und Beruf des Kreises Wesel sowie in Kooperation mit dem Kompetenzzentrum Frau und Beruf Niederrhein in Kamp-Lintfort organisiert hatten. Ziel war es, Unternehmen eine Hilfestellung bei ihrer Planung einer unternehmensnahen Kinderbetreuung zu geben.

Es ist ein dichter Dschungel, durch den sich Unternehmen arbeiten müssen, wenn sie ihren Beschäftigten Möglichkeiten der unternehmensnahen Kinderbetreuung bieten möchten. Dass sich das lohnt – nicht nur für die Arbeitnehmer – machte die Veranstaltung allen Anwesenden deutlich.

lohnenswerte Angelegenheit

Moderatorin Elena de Graat hatte eine klare Antwort auf die Frage, ob sich das Ganze überhaupt lohne: „Ich hatte die Gelegenheit mit einigen Unternehmen das Ganze differenziert zu berechnen. Für jeden Euro, den sie eingesetzt haben, haben sie drei Euro gespart.“

Monika Seibel von der Fachstelle Frau und Beruf weiß über die Betreuung: „Es ist nicht nur ein Frauenthema.“ Mehr Betreuungsmöglichkeiten stützen die Erwerbstätigkeit, besonders bei Frauen. Das wiederum schützt Familien gegen Armut. „Die Beschäftigung beider Elternteile ist wichtig. Dafür müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden. Viele Unternehmen haben die Wichtigkeit erkannt“, erklärt Seibel.

Michael Düchting, Leiter der Entwicklungsagentur Wirtschaft, sieht in der unternehmensnahen Kinderbetreuung einen wichtigen Baustein, um die Arbeitgeberattraktivität zu fördern und Fachkräfte zu gewinnen und zu halten.

„Familienförderung ist Wirtschaftsförderung“, zitiert Landrat Doktor Ansgar Müller den Sozialforscher Harald Seehausen. „All das haben die Unternehmen im Kreis Wesel schon gut erkannt. Und die Arbeitswelt am Niederrhein verändert sich auf breiter Basis in Richtung Familienfreundlichkeit. Gemeinsam wollen wir diese Entwicklung noch weiter stärken.“

Viele Unterschiede

Einer von zwei Vorträgen war der von Professorin Sybille Stöbe-Blossey von der Universität Duisburg-Essen zum Thema „Kindertagesbetreuung in NRW − Rahmenbedingungen und Regelungen“.

„Wir haben keine Arbeitsplätze von der Stange und keine Unternehmen von der Stange, dann brauchen wir auch keine Kinderbetreuung von der Stange, sondern sehr unterschiedliche Lösungen“, fasst Stöbe-Blossey zusammen. „Es geht darum, auch die individuellen Bedürfnisse von Familien zu berücksichtigen.“

Eine wichtige Unterscheidung liege in der Bezahlung der Kinderbetreuung. Möglich ist sowohl eine private Finanzierung, als auch eine öffentliche Förderung. Bei öffentlicher Förderung müssen Unternehmen mit einem gemeinnützigen anerkannten Träger der freien Jugendhilfe zusammenarbeiten.

Ob gemeinnützig oder privat hat Einfluss auf die Finanzierungsmöglichkeiten, allerdings nicht auf die Genehmigungen seitens der Jugendämter. „Das ist auf das Thema Kindeswohl ausgerichtet und nicht zu umgehen“, betont Stöbe-Blossey.

Wissen sollte man auch: „Wenn öffentliche Förderung benutzt wird, ist die Gestaltung der Elternbeiträge nicht verhandelbar“, weiß Stöbe-Blossey. Die Beiträge sind einkommensabhängig.

Bedarf beachten

Katja Sträde von der Gesellschaft für innovative Beschäftigungsförderung hielt ihren Vortrag zum Thema „Bewährte Beispiele unternehmensnaher Kinderbetreuung“.

Interessierten Unternehmen bietet sich eine Reihe von Betreuungsmodellen. Für einen höheren Bedarf sind das neben der Betriebskita unter anderem der Belegplatz, die Großtagespflege, die Kooperation mit Tagesmüttern oder der Verbundbetriebskindergarten.

Für kurzfristigen Bedarf eignen sich unter anderem die Notfallbetreuung bei Kitaschließung zum Beispiel an Brückentagen, die Kinderkurzzeitbetreuung, die Ferienbetreuung, Bring- und Abholdienste oder die Babysitterbörse.

„Wichtig ist aus meiner Sicht, dass man ein Gespür für den Bedarf bekommen muss“, sagt Sträde. Dann solle man sich am besten an das Jugendamt wenden. „Es ist immer gut, zunächst das Jugendamt ins Boot zu holen und sich dann gemeinsam an das Landesjugendamt zu wenden. Man tritt mit der Beteiligung von verschiedenen Ämtern oft erst einmal auf die Bremse, bevor sie dann ein Gewinn sind. Ohne funktioniert es nicht.“

Dieser Veranstaltung sollen weitere folgen. „Wir werden das jährlich machen“, verrät Düchting. So soll ein Informations- und Austauschnetzwerk geschaffen werden. „Wir wollen den Betrieben dauerhaft Lösungen anbieten, im Gespräch bleiben und ihnen Hilfestellungen geben.“

Die Vorträge und Folien gibt es in den nächsten Tagen unter www.kreis-wesel.de/de/touris-mus-wirtschaft/unternehmens-nahe-kinderbetreuung-im-kreis-wesel/#download.