BIRTEN. Das Hochwasser ist seit Tagen das bestimmende Gesprächsthema und die Frage nach den besten Schutzmaßnahmen für die Zukunft tritt spätestens jetzt vielerorts auf. In Birten plant der Deichverband schon länger eine 760 Meter lange Betonmauer über der Spundwand entlang der B57, was bei den Anwohnern auf Kritik stößt. Volker Markus, Vorsitzender der SPD Xanten, und Rainer Keller, Bundestagskandidat der SPD, trafen sich nun mit Hans-Peter Feldmann von der Hochwasser- und Infrastrukturschutz-Initiative am Niederrhein, um über etwaige Maßnahmen zu sprechen. Auch sie sehen die Betonmauer kritisch.

Jahrelang im Katastrophenschutz tätig, weiß Keller nicht erst seit den letzten Tagen, wie wichtig umfassende Maßnahmen sind. „Die mahnenden Worte in der Vergangenheit haben nicht unbedingt gefruchtet“, sagt er über die Versäumnisse der Politik. Vor allem in Anbetracht früherer Berechnungen erklärt er: „Die Schadenssumme ist deutlich höher als die der Investitionen.“

Maßnahmen seien in zweierlei Hinsicht nötig: Zum einen, um das 1,5 Grad Ziel einzuhalten und so die Folgen des Klimawandels abzuschwächen. Zum anderen aber auch in Hinsicht der Klimafolgeanpassungen. Gemeint sind Präventionsmaßnahmen für die schon jetzt realen Folgen des Klimawandels, die auch in Zukunft bleiben und häufiger auftreten – wie das Hochwasser. Gerade die Wichtigkeit letztgenannter Maßnahmen betont auch Feldmann.

-Anzeige-

Langfristig denken

Alle sind sich einig, dass Deichschutzmaßnahmen in Birten durchgeführt werden müssen, nachdem der Abbau von Salz seit der letzten Sanierung zu neuen Senkungen geführt hat. Nur das „wie“ steht aktuell zur Debatte.

Für Feldmann ist der Übergang vom Erddeich in eine starre bautechnische Einrichtung kritisch, da laut Deichschutzverordnungen in Erd- beziehungsweise Banndeichen keine Gebäude und selbst Bäume nicht zulässig seien. Eine Schwierigkeit sieht er zudem darin, dass man auf ein bergbaubetroffenes Gebiet eine starre Gußmauer errichten möchte, in der auf kurz oder lang Risse entstehen würden. Im Boden gebe es nämlich, wie bereits bei der letzten Absenkung, noch abbaubedingte und langanhaltende Bewegung. „In 20 Jahren, wenn eine Deicherhöhung wieder fällig wird, was möchte man dann darauf setzen? Das ist, finde ich, zu kurz gedacht.“ Man brauche einen viel länger anhaltenden Schutzgrad. „Eine Betonwand ist die billigste Lösung, um Hochwasserschutz in der Höhe zu gewinnen“, sagt Feldmann.

Ideen für Alternativen sind zum Beispiel eine Erhöhung der B57, um als Deich zu fungieren. „Aber dafür muss wiederum die Statik passen“, ergänzt Keller und das müsse man zunächst prüfen. Allgemein gelte es, regionale Gesamtkonzepte zu entwickeln. Als andere Idee hingegen sprechen Keller und Feldmann von einem Bypass, um bei Bedarf Wasser umzuleiten und abfließen zu lassen.

Wirklich Sorgen macht sich Keller übrigens nicht über die großen Flüsse. Hier seien die Konzepte angepasst worden. Die kleinen Flüsse seien dagegen lange unterschätzt worden. „Hier besteht großes Risiko.“