World House
SPD-Bundestagsabgeordnete Barbara Hendricks gemeinsam mit Professor Rainer Elschen (l.) und Franz-Josef Schraven (beide Vorstandsmitglieder EGN) im World House. NN-Foto: Thomas Langer

WETTEN. Eine Photovoltaik­anlage und ein Blockheizkraftwerk (BHKW) kümmern sich seit August im World House, einem 2014 von Thera van Osch in Wetten eröffneten Hotel, um Stromerzeugung und Heizung. Ergänzt wird die neue Ausstattung durch einen Batteriespeicher. Finanziert und realisiert hat das Projekt die Energiegenossenschaft Nieder­rhein (EGN), das World House zahlt für die Anlage eine Pacht. Ziel ist, einen Beitrag zu leisten, den Niederrhein CO2-frei zu machen.

Nicht nur für die CO2-Bilanz ist nachhaltige Strom- und Energieerzeugung ein Segen: Im Falle des Hotels World House fällt die jetzige Miete für die neue Anlage geringer aus als die Kosten zuvor. „Es ist für alle Seiten eine Win-Win-Situation“, betont Thera van Osch, Inhaberin des World Houses.

Während herkömmliche Großkraftwerke circa 40 Prozent des Brennstoffs nutzen, sind es für das mit Gas arbeitende BHKW über 96 Prozent. Die aus der Stromerzeugung des BHKW gewonnene Abwärme wird als Heizwärme und für die Warmwasserbereitung genutzt. Das Zusammenspiel mit Photovoltaik und Batteriespeicher soll so eine Selbstversorgung von über 95 Prozent sicherstellen, selbst bei Stromausfall. Die Batterie der Anlage im World House ist derzeit voll, weshalb rund drei Viertel des Stromgewinns in das Netz eingespeist werden kann. Das Energiekonzept wurde individuell auf das World House zugeschnitten. „Es richtet sich nach örtlichen Gegebenheiten, was verbaut wird“, erklärt Professor Rainer Elschen, Vorstandmitglied von EGN. Auch er ist sich der Wichtigkeit solcher Maßnahmen bewusst. „Was wir hier haben ist ein Musterbeispiel, wenn man dem Klimawandel ein Schnippchen schlagen will.“

Der Vertrag zwischen World House und EGN läuft über 15 Jahre. Die EGN hat sich dem wirtschaftlichen Erfolg und der Verantwortung für Gesellschaft und Natur verschrieben. Laut der Kreis Klever SPD-Bundestagsabgeordneten Barbara Hendricks, die sich vor Ort von dem neuen Energiekonzept überzeugte, sind die Voraussetzungen da, auch alte Gebäude klimaneutral zu gestalten, wie das Beispiel World House als ehemaliges Kloster beweise. Möglich sei dies somit auch für Privateigentümer. Knapp 50 Prozent der Deutschen würden laut Hendricks im Eigentum wohnen, am Niederrhein sogar noch mehr.

Dem World House liegt ein nachhaltiges Konzept zu Grunde. „Wir wollen zum Wohlbefinden des Planeten und der Menschen beitragen. Wir wollen ein Hotel sein, in dem alle Menschen sich wohlfühlen“, erklärt van Osch. So gibt es zum Beispiel im Restaurant Bio- beziehungsweise vegetarische Kost mit Gemüse aus dem hauseigenen Biogarten.

Der Kreis Kleve sticht besonders hervor, was Photovoltaik angeht: Er hat so viel installierte Photovotaik-Leistung, wie viele große Städte des Ruhrgebiets zusammen – bei teils geringerer Einwohnerzahl. Zum Vergleich (Stand bis 2018): Köln hat bei 1.089.984 Einwohnern eine Leistung von 60,6 Megawatt, Oberhausen bei 210.829 Einwohnern 29,1 Megawatt und der Kreis Kleve bei 310.974 Einwohnern 260,7 Megawatt.