Im Straelener Hof mit dabei (v.l.n.r.): Harald Purath, Hans-Josef Linßen, Heinz Teeuwen, Oliver Heghmann, Hans-Josef Kuypers, Johannes Poels, Nathalie Tekath-Kochs, Stephan Kunz, Thorsten Welmans und Lutz Baumans. Foto: Kreis-WfG Kleve

STRAELEN. Das Sahnehäubchen“ für diese Veranstaltung gab es zum Ausklang, nachdem die Kreis-WfG-Moderatorin Nathalie Tekath-Kochs nach der Vollendung des Satzes „Straelen wächst, weil…“ gefragt hatte. Angeführt von Oliver Heghmann von der Megens Bau aus Straelen gab es ein Füllhorn positiver Attribute für die Blumenstadt. Von liebenswert bis abwechslungsreich war da die Rede, von sauber bis bürgerfreundlich, von verlässlich bis zukunftsorientiert.

Für Bürgermeister Hans-Josef Linßen und Wirtschaftsförderer Uwe Bons hätte der Unternehmerabend mit der Kreis-Wirtschaftsförderung kaum besser laufen können. Auch Heinz Teeuwen vom gleichnamigen Immobilien Center und Johannes Poels von Hout und Poels bliesen ins gleiche Horn – jeder auf seine Weise und zur Freude auch von Harald Purath, der als Fachbereichsleiter Stadtentwicklung und Infrastruktur der Stadt Straelen die wohl schwierigste Aufgabe des Abends zu meistern hatte.

„Wohnungsbau in Straelen: – Bedarfe – Flächen – Programme“ hatte die Wirtschaftsförderung Kreis Kleve diesen Unternehmerabend überschrieben und zum Ausdruck gebracht, dass das grenznahe Straelen nach der jüngsten Wohnungsmarktstudie des Kreis Kleve bis zum Jahr 2030 stolze 1.938 Wohnungen hinzubekommen solle. Mit Ruhe und Gelassenheit kommentierte Linßen die eingangs von Kreis-Wirtschaftsförderer Hans-Josef Kuypers geäußerten Zahlenfolgen als wolle er sagen: „Nichts wird so heiß gegessen wie gekocht.“ Und tatsächlich zeigte Harald Purath in der weiteren Abfolge, dass zu Wünschen vergleichbarer Größenordnung auch die entsprechenden, bebaubaren Grundstücke gehören. „Ein Baugebiet auf den Weg zu bringen, das dauert heute mindestens zwei Jahre“, verriet Purath und zeigte den mehr als 120 Gästen im Straelener Hof, wo sie in naher Zukunft ihre ersten Spatenstiche werden machen können.

So lenkte er die Aufmerksamkeit der vielen, sehr sachkundigen Gäste insbesondere auf Straelen selbst. Die Ortschaften Broekhuysen und Auwel-Holt werden sich nach den Vorstellungen des Landes auf die reine Innenentwicklung beschränken müssen. In Herongen seien noch ausreichend Flächen verfügbar – vielleicht mehr als nachgefragt werden. In Straelen selbst ist das Bauen an verschiedenen Standorten denkbar. Die Flächen seien zu großen Teilen im Eigentum der Stadt. Er, Purath, erwarte einen baldigen Startschuss für bauliche Aktivitäten im Baugebiet Streutgens Kamp III, wo 30 bis 35 Wohnungen in Mehrfamilienhäusern errichtet werden könnten. „Wir brauchen auch Wohnungen für Menschen mit mittleren Einkommen, für diejenigen, die uns die Haare schneiden, die Sonntagsbrötchen verkaufen oder das leckere Bier an den Tisch bringen“, betonte der Fachbereichsleiter. Als „prägend für das nächste Jahrzehnt“ sieht Purath den Bereich Gemüseplatz mit seiner hervorragenden Lage zur Altstadt. Bedenken von Anliegern seien allerdings derzeit ein Hemmnis für eine schnelle Entwicklung. Die Deckung des größten Teils des Mietwohnungsbedarfs sieht man in Straelen zwischen dem Stadtgarten und der Hans-Tenhaeff-Straße sowie entlang der „Bleiche“. Etwa sieben Hektar Fläche seien hier vorhanden – eine Größe, die der Innenstadt von Straelen gleichkommt und 100 Wohnungen und 55 Einfamilienhäuser erwarten lässt.

Dass dafür auch entsprechende Finanzmittel bereitstehen, dafür dürften Stephan Kunz von der NRW.BANK, Thorsten Welmans von der Sparkasse Rhein-Maas und Lutz Baumans von der Volksbank an der Niers sorgen können. In der Gesprächsrunde mit Nathalie Tekath-Kochs ließen sie keinen Zweifel daran, dass die niedrigen Zinsen und die steigenden Baupreise für einen baldigen Baubeginn stehen – aber nach reifen Prüfungen und Überlegungen. Der Engpass seien allerdings, so Welmans und Baumans unisono, fehlende Grundstücke und Altimmobilien. Aufhorchen ließ die Aussage der NRW.BANK, dass es bei größeren Wohnbauprojekten durchaus auch Tilgungsnachlässe von bis zu 20 Prozent geben könne – nach Fertigstellung einer Häuserzeile beispielsweise 200.000 Euro Sondertilgung vom Darlehen in Höhe von einer Million. Man dürfe davon ausgehen, dass junge Familien mit Jahreseinkommen bis zu 55.000 Euro durchaus Anspruch auf öffentliche Wohnbauförderung haben könnten, so Kunz.

Johannes Poels, dessen Hout und Poels GmbH & Co. KG jährlich bis zu 80 massive Stein-auf-Stein-Häuser allein für Viebrockhaus baut, sieht für Straelen eine deutlich wachsende Nachfrage von außerhalb und zählt den Standort fast zum „Speckgürtel der Landeshauptstadt“. Heinz Teeuwen unterstrich die Liebe der Niederländer zu freistehenden Einfamilienhäusern diesseits der Grenze und Bürgermeister Hans-Josef Linßen nutzte zum Ausklang die Gelegenheit zum Appell: „Weil Straelen eine besonders attraktive Stadt ist, wollen wir sie auch schnell wachsen lassen. Helfen Sie bitte alle dabei“, so der erste Bürger im sommerlich-schwülen Straelener Hof.