Kann der „Inselbrot“-Laden schon im Herbst eröffnen?

Im März soll die Genossenschaft gegründet werden, die den Bauantrag stellt

WARDT. Der „Inselbrot“-Laden war das bestimmende Thema auf der Jahreshauptversammlung des Vereins „Wardt zusammen“. Und Sprecher Oskar Haan ist nun optimistischer als je zuvor, dass der genossenschaftlich betriebene Laden noch in diesem Jahr gebaut werden kann.

So sieht der „Inselbrot“-Laden in Wardt in der Computersimulation aus.

„Wir arbeiten an der Satzung, um noch im März die Genossenschaft gründen zu können“, sagt Oskar Haan. Ein Treuhandkonto bei der Volksbank Niederrhein wurde bereits eingerichtet, Bürgermeister Thomas Görtz verkündete per Videobotschaft, dass auch die Stadt Xanten mit einer größeren Geldsumme Genosse werden wolle. „Wir brauchen für das Projekt insgesamt 80.000 Euro“, sagt Oskar Haan. „45.000 müssen durch die Genossen aufgebracht werden, 35.000 Euro werden anderweitig finanziert.“
Aktuell haben circa 200 Wardter Interesse angemeldet, mindestens einen Anteilsschein in Höhe von 50 Euro zu erwerben. „Ein Mitglied ging mit gutem Beispiel voran und überwies von seinem Handy aus noch während der Jahreshauptversammlung 500 Euro auf das Treuhandkonto“, freut sich Oskar Haan. Er hofft, dass der Bauantrag für den Laden, der am Rande des Neubaugebietes Strohweg/Am Meerend entstehen soll, in naher Zukunft gestellt werden kann: „Es wird gemunkelt, dass die Vermarktung der Grundstücke im März beginnen soll. Wenn wir unsere Genossenschaft im März gegründet haben, wollen wir sofort den Bauantrag für unseren Laden stellen. Da der Bürgermeister hinter dem Projekt steht, stehen die Chancen gut, dass wir schon im Sommer mit dem Bau beginnen und theoretisch im Herbst eröffnen können.“
Das 120 Quadratmeter große Grundstück stellt die Stadt zum symbolischen Preis von einem Euro zur Verfügung. Der geplante Neubau soll 14,5 Meter breit und 4,20 tief sein, hinzu kommt ein Außenbereich mit Tischen und Bänken. „Der Platz ist beschränkt“, gibt Oskar Haan zu. „Aber der Inselbrot-Laden dient nicht nur dem Einkauf, sondern soll vor allem ein Treffpunkt für die Wardter Bürger und Besucher sein. Wenn wir die mobilen Regale verschieben, haben wir auch Platz für Diavorträge mit bis zu 25 Besuchern.“

Klaus Hegemann von der Hochschule Rhein-Waal ermunterte die Wardter, an ihren „Inselbrot“-Plänen festzuhalten.Foto: privat

Bäcker Georg Wloch, der aktuell die Wardter mit einem Verkaufswagen montags bis samstags von sechs bis zehn Uhr mit Brötchen versorgt, wird auch den „Inselbrot“-Laden beliefern. „Die erste Fuhre am Morgen kommt frisch aus der Backstube, danach werden wir im eigenen Backofen frisch backen“, sagt Oskar Haan. Zudem soll es zweimal pro Woche einen Mittagstisch geben, für die jüngsten Besucher soll eine Spielecke eingerichtet werden.
Die künftige Genossenschaft hat ihren Businessplan bereits von einem Steuerberater und von der Volksbank Niederrhein prüfen lassen. In beiden Fällen war die Resonanz positiv. „Der Businessplan geht davon aus, dass wir auf 450-Euro-Basis eine Person für sechs Stunden pro Tag oder zwei Personen für drei Stunden pro Tag beschäftigen können und am Ende auf eine schwarze Null kommen“, sagt Oskar Haan. „Wir haben auch Zusagen von Wardtern, die ehrenamtlich im Laden arbeiten und verkaufen wollen.
Guido Lohmann, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Niederrhein, erinnerte den Verein „Wardt zusammen“ daran, dass die Dividende des genossenschaftlich betriebenen Ladens nicht in Geld zu messen sei, sondern in Form von Lebensqualität. So entstehe ein neues gesellschaftliches Zentrum im Inseldorf, in dem sich die Bürger treffen und ihre Einkäufe tätigen können.
Als Referent hatte der Verein „Wardt zusammen“ Klaus Hegemann von der Hochschule Rhein-Waal eingeladen. Der Professor und seine Studenten nehmen seit fünf Jahren mit der Fachhochschule Münster und mit Fördermitteln aus Brüssel am Projekt „Bedarfsermittlung und Marketing in Dörfern“ teil. Einige Studenten erforschen speziell den Bedarf in Wardt. Klaus Hegemann hielt es für richtig und wichtig, eine Genossenschaft zu gründen, denn ein Verein reiche nicht aus, um zu dokumentieren, dass das ganze Dorf hinter der Idee steht.
Mit dem Griether Hanselädchen stehen die Wardter schon länger in Kontakt, um aus dessen Erfahrungen zu lernen. Über die Hochschule Rhein-Waal sind nun Kontakte zu weiteren genossenschaftlich betriebenen Tante-Emma-Läden in ganz Deutschland entstanden.
Wer das „Inselbrot“-Projekt unterstützen möchte, erreicht Oskar Haan unter Telefon 02801/705018.