ORSOY. Mit Fassungslosigkeit hat Markus Jansen, Leiter der Zentralen Unterbringseinheit (ZUE) in Orsoy, die Publizierung zur  Absage des Orsoyer Rosenmontagsumzuges aufgenommen (NN berichteten). Er prangert an, dass ein Zusammenhang der Absage mit Angst vor den Flüchtlingen in Orsoy hergestellt wurde. Nun seien die Bewohner der ZUE im ehemaligen Marienhospital verunsichert.  

Markus Jansen, Leiter der Zentralen Unterbringungseinrichtungen in Orsoy und Stenden, sieht sich in der Verantwortung, die Flüchtlinge, die hier leben, zu schützen. NN-Foto: L. Christian
Markus Jansen, Leiter der Zentralen Unterbringungseinrichtungen in Orsoy und Stenden, sieht sich in der Verantwortung, die Flüchtlinge, die hier leben, zu schützen.
NN-Foto: L. Christian

Markus Jansen ist erst seit kurzem Leiter der Rheinberger Einrichtung und ist auch noch verantwortlich für die  Unterkunft in Kerken-Stenden. Zuvor war er Lehrer am Berufskolleg. Er bewarb sich bei der Bezirksregierung in Ansberg, die bisher für die Flüchtlingsunterbringung zuständig ist, demnächst wird sie von Düsseldorf aus gesteuert. Für ein Jahr lang ist nun sein Einsatzort in Orsoy, um hier Aufbauarbeit zu leisten. Keine einfache Aufgabe. Als die ersten Flüchtlinge im ehemaligen Krankenhaus gerade eingezogen waren, kam es zu Beanstandungen der Brandschutzmaßnahmen. „Für ein Hospital gelten andere Bestimmungen als für eine Flüchtlingsunterkunft, daher musste noch einmal nachgerüstet werden“, erklärt Jansen. Die ZUE musste geräumt werden, erst zum 5. Januar erfolgte eine Wiederbelebung mit knapp 200 Flüchtlingen im ehemaligen Schwesternwohnheim, weitere 300 Menschen werden im Februar im Haupthaus untergebracht.  Bisher sind es hauptsächlich Syrer, die hier leben, auch Afghanen und Iraker sowie Nordafrikaner (sechs Prozent).  Sie kommen mit Familie oder sind Alleinreisende und erhalten mit vier bis sechs Personen ein  Zimmer. „Alle sind überprüft und registriert“, erklärt Jansen und schließt Doppelidentitäten aus, wie sie in Notunterkünften festgestellt wurden. In Orsoy erhalten sie medizinische Versorgung, Impfschutz und Röntgenaufnahmen, auch um ansteckende Krankheiten auszuschließen. Nach sieben bis zehn Tagen werden sie von Arnsberg aus den unterschiedlichen Kommunen zugewiesen. „Hier legen wir den ersten Grundstein zur Integration“, beschreibt Jansen den Umgang mit den geflüchteten Menschen.  Eine Willkommensansprache gehört dazu und natürlich die Vermittlung von Verhaltensregeln und Besonderheiten. Als kleines Beispiel nennt er unsere „typisch deutsche“ Pfandregelung. „Jeden Dienstag gibt es Taschengeld, für Alleinstehende macht das 34 Euro aus. Sie können sich davon in Orsoy selbst etwas kaufen. Da sie unser Pfandsystem nicht kennen, wundern sie sich natürlich, wenn sie beim Bezahlen einer Getränkeflasche mehr zahlen müssen als eigentlich drauf steht. Damit sie sich nicht betrogen fühlen, weisen wir auf die 25 Cent extra pro Flasche hin.“
Jansen hat Verständnis dafür, dass die fremden Gesichter im  4.000 Seelen-Ort auffallen. Doch er wünscht sich bei Begegnungen ein Lächeln, ein Hallo als Zeichen der Wertschätzung und ersten Kontaktaufnahme. Er freut sich darüber, dass sich schon ein großer Kreis von über 50 Ehrenamtlichen gefunden hat, der sich für die Flüchtlinge engagieren will. „Die Aufgabenverteilung erfordert Koordination und viele Absprachen“, erläutert er. Diese seien schon auf den Weg gebracht in Gesprächen mit Pfarrer Uwe Klein, Pastoralreferent Werner Koschinski und Rheinbergs Ex-Bürgermeister Hans-Theo Mennicken.
Besichtigungstouren in der ZUE soll es nicht geben. „Wir sind ja nicht im Zoo“, schmunzelt Jansen und verweist auf die Privatsphäre der geflüchteten Menschen. Er denkt daran, im zweiten Halbjahr ein Bürgerfest zu organisieren, bei dem auch die Arbeit vorgestellt werden kann.
Wichtig sei ihm der Dialog mit den Bürgern, betont Jansen. „Wer sich einbringen möchte oder konkrete Beschwerden hat, kann sich jederzeit an uns wenden“, fordert er auf. Am einfachsten ist dies mit einer E-mail möglich an die  Adresse:asyl.rheinberg@bra.nrw.de