Peter Driessen

KREIS KLEVE. Der Ausgang der Landratswahl im Kreis Kleve sorgte am Sonntagabend gleich in doppelter Hinsicht für Verwunderung. Dass Silke Gorißen (CDU) mit 48,68 Prozent nur knapp an der absoluten Mehrheit scheitern würde, war für viele bereits eine Überraschung. Dass sich Peter Driessen, unterstützt von der SPD, Bündnis 90/Die Grünen, FDP und den Freien Wählern, aber nur knapp in die Stichwahl am 27. September retten konnte, damit hatten wohl nur die wenigsten gerechnet. Driessen (24 Prozent) lag am Ende nur 1215 Stimmen und 0,91 Prozentpunkte vor dem parteilosen Kandidaten Guido Winkmann (23,09 Prozent).

Driessen brauchte einige Zeit, um dieses Ergebnis zu verarbeiten. „Am Sonntagabend und Montagmorgen habe ich mich noch wie in einer Blase gefühlt“, meinte der parteilose Kandidat, der den Montag erst einmal am Schreibtisch verbrachte, um das Ergebnis zu analysieren. Seine Erkenntnis: „Ich denke, dass es ein reines Kommunikationsproblem ist. Meine unterstützenden Parteien, die SPD, Grüne, FDP und die Freien Wähler, haben zusammen mehr als 60.000 Stimmen erhalten, ich selbst nur knapp 30.000. Ich denke, dass meine überparteiliche Philosophie nicht im ganzen Kreis Kleve angekommen ist und viele Wähler vor allem im Süden des Kreises Kleve eher in Guido Winkmann eine Alternative gesehen haben. Wir werden nun strategisch vorgehen und fleißig weiter machen.“

Gorißen: „Ergebnis ist riesige Motivation“

Auch Silke Gorißen kündigte an, ihre Wahlkampftour in den nächsten Wochen bis zur Stichwahl am 27. September intensiv fortzusetzen. Am Sonntagabend war die Erleichterung bei ihr über das erfolgreiche Zwischenergebnis aber erstmal groß. „Ich freue mich enorm über das Ergebnis, das eine riesige Motivation ist. Auch freue ich mich über die riesige Unterstützung aus dem Kreis Kleve. Natürlich fällt einem ein Stein vom Herzen, wenn die Ergebnisse so reinkommen und man weiß, dass sich der Einsatz gelohnt hat und dass man überzeugt hat im Kreis“, sagte Gorißen.

Beide Kandidaten buhlen nun natürlich vor allem um die 30.685 Stimmen, die Winkmann bei der Landratswahl am vergangenen Sonntag holte. Vor allem im Süden des Kreises Kleve war der Polizeibeamte und Bundesliga-Schiedsrichter erfolgreich. In Kerken, wo der 46-Jährige zuhause ist, konnte er sogar einen Wahlbezirk für sich entscheiden. „Wir haben mit einem kleinem Kern-Team gezeigt, dass Themen auch ohne Parteien-Unterstützung bewegt werden können. Unsere Themen sind von den Mitbewerbern adaptiert worden. Das ist gut und ich hoffe, andere Menschen werden ermutigt, nicht immer zu meckern, sondern selbst anzupacken“, resümierte Winkmann.

Driessen dominiert Kleve und Bedburg-Hau

Die genaue Betrachtung der Ergebnisse vom vergangenen Sonntag zeigt, wo Gorißen die Wahl maßgeblich für sich entscheiden konnte: Während sie im Süden des Kreises Kleve – bis auf Kerken – alle Wahlbezirke holte, dominierte Driessen alle vier Klever Wahlbezirke und jenen in Bedburg-Hau. In „seiner“ Gemeinde, die er zuletzt 16 Jahre lang als Bürgermeister führte, holte er mit 60,35 Prozent sogar knapp doppelt so viele Stimmen wie die CDU-Kandidatin.

Der CDU-Kreisvorsitzende und Landtagsabgeordnete Dr. Günther Bergmann ist sich sicher, dass Gorißen auch bei der Stichwahl am 27. September das Rennen machen wird. „Das wäre ein starkes Zeichen vom Niederrhein ins gesamte Land hinaus“, sagte Bergmann. Schließlich wäre Gorißen die erste Frau an der Spitze des Kreistages in Kleve.

Zum Abschneiden des Gegenkandidaten meinte Bergmann: „Es ist bezeichnend, dass der reine SPD-Kandidat Jürgen Franken bei der Landratswahl 2015 mit 26,6 Prozent alleine ein besseres Ergebnis erzielte als Peter Driessen jetzt als Kandidat einer Viererkoalition. Die unterschiedlichen, teilweise gegensätzlichen inhaltlichen Positionen und Profile der einzelnen Parteien, wurden für die Wähler unkenntlich und zu einem konturlosen ,Einheitsbrei‘ verrührt. Schließlich wissen die Wähler, dass sich zum Beispiel Grüne und FDP in vielen Punkten völlig konträr gegenüberstehen und wundern sich, dass sie plötzlich gemeinsame Sache machen.“ Der gemeinsame Landratskandidat habe zu einer „Selbstverzwergung“ der ihn unterstützenden Parteien, allen voran der SPD, geführt.