Von den ersten Anfängen bis in die Neuzeit schildert Autor Hans-Joachim Koepp die Entwicklung der Weberei und des Tuchhandels in Goch. NN-Repro: CDS

GOCH (CDS). Mit der langen Geschichte der Weberei und des Tuchhandels – dem ältes­ten Gocher Hauptgewerbe – beschäftigt sich die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift „An Niers und Kendel“ (Nr. 64), herausgegeben vom Historischen Arbeitskreis im Heimatverein Goch. Autor Hans-Joachim Koepp beleuchtet darin ausführlich die Entwicklung, die Goch auch den heute noch geläufigen Beinamen „Weberstadt“ einbrachte.

Vor wohl über 1.000 Jahren gelangte die Kunst des Webens an den Niederrhein; in den Herzogtümern Kleve und Geldern war die Tuchweberei die erste Industrie. Hans-Joachim Koepp vermutet, dass die Wollweberei unter Umständen sogar die Voraussetzung zur Stadtbildung lieferte, die dann 1261 erfolgreich abgeschlossen war. Entstanden seien in der Folge Berufsgruppen wie Weber, Färber, Schneider, Scherer und Händler und die damit verbundenen sozialen Schichten sowie die entsprechenden Gilden.

„Wüllenamt“

Großen Einfluss erlangte die Webergilde – „Wüllenamt“ genannt, die streng darauf achtete, dass das alleinige Recht auf Tuchweberei innerhalb des Amtes Goch eingehalten wurde. Koepp geht auf viele einzelne Aspekte der Tuchproduktion ein; unter anderem auch auf die Statuten der Webergilde, die in einer Abschrift aus dem 15. Jahrhundert erhalten sind. So war es beispielsweise untersagt, nachts zu weben, beziehungsweise bei Kerzen- und Lampenlicht und Kinderarbeit war verboten. Koepp widmet sich auch den anderen Gilden, ihrer Entwicklung und den sozialen Aufgaben, die sie in der aufstrebenden Stadt übernahmen, wie zum Beispiel Armenfürsorge.

Das Titelbild der 64. Ausgabe: Tuchballen werden für den Handel verschnürt. NN-Repro: CDS

Wirtschaftliche Blüte in Sachen Tuchhandel brachte der Stadt die Verbindungen zur Hanse. Vermutlich bis 1588 war Goch als Beistadt Hanse-Mitglied. Allerdings änderten sich die Zeiten, als die Konkurrenz der englischen Wollindustrie ab 1478 für sinkende Nachfrage nach Gocher Tuch sorgte. 1535 erfolgte dann ein schlagartiger Einbruch, weil überseeische Importe preiswerter waren. Die Gocher Tuchfabrikation befand sich in den folgenden Jahrhunderten im Niedergang. Auch der Leinenweberei, die sich als Ersatz für die Wollweberei ab dem 15. Jahrhundert entwickelte, ist ein Kapitel gewidmet. Schließlich schlägt Hans-Joachim Koepp den Bogen zur Neuzeit.

Industrielle Revolution

Mit heimischer Wolle, die durch veredelte Schafzucht besser geworden war, wurde Anfang des 18. Jahrhunderts die Wollverarbeitung wieder aufgenommen. Welche Folgen die industrielle Revolution mit ihren mechanischen Webstühlen für die traditionellen Handwerksbetriebe hatte, schildert Koepp ebenso, wie die Entstehung von Gocher Tuch- und Textilfabriken nach dem Zweiten Welkrieg. Noch 1977 waren in der Gocher Textilindustrie 1.000 Arbeiter tätig, 1982 waren es in vier Spinnereien noch 600. Heute gibt es in Goch keine Webereien mehr. Der Brunnen vor dem Hauptgebäude der Sparkasse erinnert an die Weber-Geschichte, ebenso wie der Geschichtsbrunnen am Steintor.

Nachruf auf Franz Gommans

Das Heft schließt mit dem Nachruf von Heinz van de Linde auf Franz Gommans, der über 40 Jahre lang die Arbeitsgruppe „An Niers und Kendel“ begleitet hat – als Autor, Vortragender und Ideengeber. Im Alter von 92 Jahren ist er verstorben; zur Beerdigung wünschte er sich keine Kranzspenden, sondern Spenden für „An Niers und Kendel“. So konnte diese umfangreichere 64. Ausgabe durch gespendete Gelder mitfinanziert werden.