KREIS KLEVE.Es ist gute Tradition, dass die Kreisbauernschaften Kleve und Geldern kurz vor dem Erntedankfest zu einem gemeinsamen Frühstück einladen. In der Bürgerbegegnungsstätte „Zur Dorfschule“ in Keppeln kamen die Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zusammen.

Auf dem Programm der Redner standen Bilanz und Rückblick genauso wie die allgemeine Rolle der Landwirtschaft in der heutigen Zeit. Wilhelm Hellmanns, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Geldern, freute sich über ein volles Haus: „Dadurch, dass Sie unserer Einladung in so großer Zahl gefolgt sind, dokumentieren Sie, dass Ihnen die Landwirtschaft im Kreis Kleve nicht gleichgültig ist.“ Der stellvertretenden Landrätin des Kreises Kleve, Hubertina Croonenbroek, dankte er für die enge Zusammenarbeit des Kreises mit der Landwirtschaft.

Die stellvertretende Landrätin Hubertina Croonenbroek, unterstrich, wie sehr die Landwirtschaft den Kreis Kleve geprägt hat.
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Croonenbroek, die die Grüße des Landrats überbrachte, bekannte: „Ich als Bauernkind habe die Vertretung sehr, sehr gerne übernommen.“ Denn kein anderer Bereich habe den Kreis Kleve mehr geprägt als die Landwirtschaft. Diese leiste ihren Beitrag zur niederrheinischen Kulturlandschaft – und trage damit auch zur wachsenden Attraktivität des Niederrheins als touristisches Ziel bei. Das Erntedankfest sei modern und zeitgerecht: „Es ruft uns dazu auf, uns immer aufs Neue und überall für den Schutz der Natur und den Erhalt der Lebensgrundlagen einzusetzen.“

Ein Aspekt, den auch Uedems Bürgermeister Rainer Weber aufgriff. Aber er mahnte: „Wir dürfen uns nichts schönreden; die Natur zeigt uns in den letzten Jahren immer öfter, dass eine gute Ernte keine Selbstverständlichkeit ist.“ Die Sorgen und Nöte der Landwirtschaft kämen nicht mehr in der Gesellschaft an: „Das tägliche Brot wird als Selbstverständlichkeit angesehen.“ Weite Teile der Bevölkerung wüssten nicht mehr, wo die Produkte herkämen. Den Kindern müsse man wieder mehr Wissen über Klima und Landwirtschaft vermitteln. Apropos Klima: „Fridays for Future sorgt aber auch dafür, dass die Landwirtschaft gegen eine Meinung in der Bevölkerung ankämpfen muss“, stellte Weber fest. Viele Landwirte resignierten, hätten das Gefühl, für alles verantwortlich gemacht zu werden. „Das muss sich ändern“, so Rainer Weber, „jetzt ist die Zeit, gemeinsam an einem Strang zu ziehen.“

Uedems Bürgermeister Rainer Weber berichtete, dass viele Landwirte das Gefühl hätten, für alles verantwortlich gemacht zu werden.
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Josef Peters, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Kleve, fand da – wie gewohnt – noch schärfere Worte: „Die Klimarettung hat inzwischen den Status einer Heilslehre mit religiösen Zügen angenommen, dazu kommt der Kult um Greta Thunberg, der einer Art Heiligenverehrung gleicht“, machte er seine Meinung mehr als deutlich. Jedem dürfte bewusst sein, dass die Landwirte die Veränderung des Klimas und dessen Auswirkungen am stärks­ten spüren, so Peters: „Wir sind uns daher sicher alle einig, dass der Klimawandel bedrohliche Züge angenommen hat und wir einen weiteren Temperaturanstieg unbedingt verhindern müssen.“ Hier komme es aber auf kühlen Kopf und Sachverstand an. „Die gemeinsam mit dem deutschen Bauernverband entwickelte Klimaschutzstrategie zeigt den richtigen Weg auf“, betonte Peters. „Hauruck-Antworten“ und populistische Forderungen seien nicht gefragt: „Die Politik muss verantwortlich handeln und sich nicht weiter von den Nicht-Regierungsorganisationen treiben lassen.“

Der Vorsitzende der Kreisbauernschaft Kleve, Josef Peters, fand gewohnt deutliche Worte.NN-Foto: CDS

Verantwortliches Handeln der Politik vermisst Josef Peters allerdings beim Mercosur-Abkommen, dem Handelsabkommen mit den südamerikanischen Staaten. Die Öffnung von bislang verschlossenen Märkten für die deutsche Automobilindustrie bringe der hiesigen Landwirtschaft keinerlei Vorteile, ganz im Gegenteil. Zum Beispiel importiertes Fleisch: Es werde oft unter fragwürdigen Bedingungen produziert; ein unfairer Wettbewerb beim Umwelt- und Klimaschutz sowie den Sozialstandards gefährde hierzulande bäuerliche Familienbetriebe und sei das Gegenteil einer nachhaltigen Landwirtschaftspolitik.

„Wir fühlen uns von der Politik schon länger nicht mehr ernst genommen“, konstatierte Josef Peters mit Blick auf eine „steigende Auflagenflut, überzogene Bürokratie und übertriebenen Naturschutz auf Kosten der Natur“. Er beklagte zudem den „Flächenfraß“ der durch den Landesentwicklungsplan nicht eingedämmt werde. Hier verwies er auf den geplanten Bau der B67 n in Uedem. Die Bauern wollten sich aktiv in die Bewältigung der anstehenden Aufgaben beim Klima-, Umwelt- und Naturschutz einbringen, aber kooperativ und auf Augenhöhe: „Wir fordern Respekt und Anerkennung für das, was wir Landwirte Tag für Tag für die Gesellschaft leisten.“ Denn, so Peters, der ländliche Raum, vor allem im Kreis Kleve, biete Entwicklungsperspektiven für die Landwirtschaft. Nun gelte es, gemeinsam Chancen zu ergreifen.