Der Blick über den Hafen auf das zerstörte Emmerich. Foto: Geschichtsverein Emmerich

EMMERICH. Nur noch 421 Einwohner zählte die Stadt Emmerich am Rhein nachdem am 7. Oktober 1944 die Bomber der Royal Air Force die Stadt zu 97 Prozent zerstört hatten – zuvor waren es rund 20.000 Menschen, die in Emmerich lebten. In diesem Jahr jährt sich das traurige Ereignis zum 75. Mal. Die Stadt Emmerich möchte mit mehreren Veranstaltungen bis in den Sommer nächsten Jahres hinein unter dem Motto „75 Jahre Freiheit“ an die Bombardements und das Ende des zweiten Weltkrieges erinnern.

Bisher gab es jährlich lediglich einen Gedenkgottesdienst. „Da sich das Ereignis nun zum 75. Mal jährt, haben wir uns gedacht, dass wir dazu eine ganze Reihe von Veranstaltungen organisieren. Denn das Ende der Bombardements war auch der Startpunkt für 75 Jahre Frieden und Freiheit – und wir wollen zeigen, dass es heute keinen Platz mehr für rechte Tendenzen gibt“, sagt Emmerichs Bürgermeister Peter Hinze. Dazu hat die Stadt eine ganze Reihe von Akteuren zusammengetrommelt, die ein Programm erstellt haben. Der Geschichtsverein Emmerich, TIK im Schlösschen Borghees und ProKultur unterstützen das Vorhaben.

Gedenkkonzert in der St. Aldegundis Kirche

Der Pesthof und die Ruine des Konvikts zum Kleinen Löwen. Foto: Geschichtsverein Emmerich

Den Anfang macht nächste Woche Samstag, 5. Oktober, um 19 Uhr ein Gedenkkonzert der Städtischen Singgemeinde Kleve in der St. Aldegundis Kirche in Emmerich. Einen Tag später, am Sonntag, 6. Oktober, geben die „German Tenors“ ein Konzert im Stadttheater Emmerich. Die Kulturbetriebe Emmerich schenken dabei allen Menschen, die älter als 75 Jahre sind, den Eintritt.

Am eigentlichen Gedenktag, dem 7. Oktober, findet ab 18.30 Uhr ein ökumenisches Friedensgebet in der Emmericher Christuskriche mit anschließendem Empfang im Rathaus statt. Bereits vormittags pflanzen deutsche und niederländische Schüler in Erinnerung an die Kriegstoten gemeinsam 1000 Blumenzwiebeln vor der Emmericher Christuskirche. „Die Blumen werden später in blau und gelb – den Farben Europas – erstrahlen und damit für Frieden und Freiheit seit 75 Jahren stehen“, sagt Hinze. Ihm sei es dabei wichtig gewesen, dass auch die niederländische Seite in die Gedenkveranstaltungen miteinbezogen wird.

Zwei Ausstellungen im Rheinmuseum

„Es ist erstaunlich, wie wenig Niederländer über die letzten Kriegstage in Emmerich und das Ausmaß der Zerstörung wissen. Umgekehrt ist es allerdings genauso“, sagt Herbert Kleipaß vom Geschichtsverein. Er hat deshalb neben den Ausstellungen „Kriegsende in Emmerich“, die am 1. März 2020 im Rheinmuseum eröffnet wird, und „Kinder des Friedens“ (ab dem 19. April 2020 im Rheinmuseum), auch die Teilnahme an einem Nachbarschaftsfrühstück am 29. März im niederländischen Suderwick/Dinxperlo organisiert. Dort möchte er über die Geschichte Emmerichs informieren.

Der Große Wall mit Blickrichtung zum Steintor. Im Hintergrund befinden sich die Evangelische Kirche und die St. Martini-Kirche. Foto: Geschichtsverein Emmerich

Das Tik wird an diesem Tag auf niederländischer Seite das Theaterstück „Begegnung – Ontmoeting“ vorstellen, das bereits am 9. November im Schlösschen Borghees Premiere feiert. In dem Theaterstück, das Jugendliche unter der Leitung der Theaterpädagoginnen Judith Hoymann und Sandra Heinzel vom Tik einstudieren, geht es um das Mädchen Karla. Dieses verliebt sich in Kriegszeiten gegen den Willen ihres Vaters – ein überzeugter Nazi – in einen Niederländer. Das Mädchen lehnt sich gegen ihren Vater jedoch auf. Als alte Dame blickt sie in dem Stück später nochmal auf diese Zeit zurück. Ein weiteres Theaterstück bringt das Tik am 19. Juni 2020 mit „Ein deutsches Mädel“ auf die Bühne des Stadttheaters Emmerich. Mitte Juni 2020 organisiert der Förderverein Schlösschen Borghees außerdem den „Day for Peace“.

Stolpersteinaktion und Gedenkfeier

„ProKultur“ hat zum 75. Jahrestag der Zerstörung Emmerichs ebenfalls einiges auf die Beine gestellt. So lädt der Verein am 9. November zu einer Stolpersteinaktion und einer Gedenkfeier zur Reichsprogromnacht um 18 Uhr ins PAN Kunstforum ein. Michael Rubinsteins, Geschäftsführer des jüdischen Landesverbandes NRW, wird zudem am 14. November von 19 bis 21 Uhr ebenfalls im PAN Kunstforum in einem Vortrag erläutern, was es bedeutet, heute als Jude in Deutschland zu leben.

Am 27. Januar, 11 Uhr, gestaltet „ProKultur“ zudem gemeinsam mit den weiterführenden Schulen eine Gedenkveranstaltung für die Opfer des Holocausts auf dem Städtischen Friedhof an der Friedensstraße. Spannend könnte zudem eine Diskussionsveranstaltung zum Thema „75 Jahre Friede und Freiheit – gelebte Geschichte im Grenzland“ werden, die ProKultur im März oder April im PAN durchführen möchte. „Wir hoffen, dass auch Zeitzeugen teilnehmen, die uns das Kriegsgeschehen in Emmerich schildern können“, sagt Norbert Kohnen von „ProKultur“