Wer Kontakt aufnimmt, kann nichts falsch machen

Karl Winkels und Josef Deutskens setzen sich für Flüchtlinge ein

GOCH/KEVELAER. Bevor Karl Winkels und seine Frau das Flüchtlingsheim in Kevelaer besuchten, waren die Tage für Eseias Bereket und Mehreteab Mesgina mehr als eintönig:

Die beiden jungen Männer aus Eritrea hatten schlichtweg nichts zu tun; keine Aufgabe wartete auf sie. Sie hätten gerne gearbeitet, doch wie sollten sie das anstellen? Ihre Heimat und ihre Familien mussten sie verlassen, weil sie sonst zum lebenslangen Militärdienst gezwungen worden wären. Dieser langweilige Alltag änderte sich, als sie das Ehepaar Winkels kennen lernten. Die beiden kamen vor einiger Zeit spontan zur Flüchtlingsunterkunft und stellten fest: Es hatte noch niemand die Menschen dort besucht.

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Eseias Bereket hat großen Spaß an seiner Arbeit. NN-Foto: CDS

„Die Flüchtlinge waren ganz erstaunt und wir wurden herzlich empfangen, jeder bot uns wenigstens Kaffee oder Tee an“, erzählt Karl Winkels, „diese Herzlichkeit hat uns berührt.“ Winkels, der in einem Schwimmverein tätig ist, bot in der Folgezeit einen Schwimmkurs für Flüchtlinge an, der mehr als gut besucht war. Außerdem luden die Winkels Flüchtlinge zu sich nach Hause ein; es wurde gemeinsam gekocht und die Verständigung klappte immer, zur Not auch „mit Händen und Füßen“. Schnell ergaben sich aus diesen ersten Kontakten noch andere Fragen. „Die Menschen, die ich getroffen habe, sind nach Deutschland gekommen, um zu arbeiten“; berichtet Winkels, „sie wollen nicht nur herumsitzen.“

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Eigentlich beste Voraussetzungen, wäre da nicht ein bürokratischer „Dschungel“, in dem ein einzelner Flüchtling wohl keine Chance hat. Eseias Bereket und Mehreteab Mesgina hatten aber das Glück, dass Karl Winkels über Eva Hendrix, die stellvertretende Leiterin von McDonalds in Goch, den Kontakt zu Franchisenehmer Josef Deutskens knüpfen konnte. So absolvierte Eseias Bereket einen Probetag in dem Schnellrestaurant, der bestens lief. Doch bis er im Juni dieses Jahres seinen ersten richtigen Arbeitstag hatte, gab es jede Menge Hürden zu überwinden: Gesundheitszeugnis, Anträge beim Ausländeramt und beim Jobcenter und noch vieles mehr. Ein Zeitaufwand, der für ein kleineres, mittelständisches Unternehmen viel zu hoch wäre, da ist sich Josef Deutskens sicher.

Es brauche unbedingt bessere Rahmenbedingungen und ein überschaubares System, um Arbeitgeber und Flüchtlinge zusammenzubringen. „Wir dürfen die Integration nicht nur den Regierungsstellen überlassen“, betont Deutskens, „die Flüchtlinge haben Fähigkeiten, die wir mit unseren Maßstäben nicht bewerten können.“ Es müsse unter anderem klarere Regeln und auch Möglichkeiten für „Quereinsteiger“ in Schule, Beruf und Studium geben. An dieser Stelle wünschen sich Karl Winkels und Josef Deutskens mehr Unterstützung seitens der staatlichen Stellen für ehrenamtliche „Kümmerer“, aber auch für potenzielle Arbeitgeber.

Zum Beispiel durch einfache Laufzettel, auf denen die Informationen in gebündelter Form zu finden sind – und nicht in einer unübersichtlichen Anzahl von Quellen, in die man sich mühsam einlesen muss. Die bessere Vernetzung aller beteiligten Personen sei die Basis für einen erfolgreichen strategischen Ansatz. „Versuchen Sie mal, ein Antragsformular auf Arbeitserlaubnis zu finden, das gibt es nämlich gar nicht! Das heißt Stellenbeschreibung“, macht Deutskens die Schwierigkeiten deutlich, die, so der gemeinsame Appell, aus dem Weg geräumt werden müssten, damit Integration überhaupt funktionieren könne. Eseias Bereket und Mehreteab Mesgina jedenfalls sind froh, dass es in ihrem Fall geklappt hat. „Mit Arbeit ist es viel besser, man hat keine Langweile.“

Und Karl Winkels wirbt für mehr ehrenamtliches Engagement: „Wer Kontakt aufnimmt, der kann nichts falsch machen, er hat schon alles richtig gemacht!“