EMMERICH/REES. Als Schule für nachhaltige Entwicklung hat das Emmericher Förderzentrum Grunewald mit dem Wahrsmannshof in Rees bereits vor rund zehn Jahren einen denkbar passenden Partner gefunden. Jetzt verstetigen sie ihre Zusammenarbeit mit der Kooperationsvereinbarung „Bildungspartner NRW“. Dabei handelt es sich um ein Projekt, das Schulen mit außerschulischen Bildungsanbietern zusammenbringt.

Mit der „Agenda 2030“ hat die UN unlängst 17 Nachhaltigkeitsziele beschlossen, die die Weltgemeinschaft umsetzen soll. „Das sind sehr allgemeine Ziele, zum Beispiel Hunger beenden, Abbau von Ungleichheiten, menschenwürdige Arbeit, Naturschutz und mehr”, sagt Tuve von Bremen vom Wahrsmannshof. Da Deutschland diese Ziele unterschrieben hat, sollen auch die Schulen die Ziele bis 2030 im Schulprogramm verankert haben.
„Dazu gibt es jetzt eine Facharbeitsgruppe auf Kreisebene mit den Förderzentren in Geldern, Goch und Kleve”, sagt Förderschulrektorin Judith Greven. Von Bremen ergänzt: „Das Hauptziel, mit dem wir uns als Schule und außerschulischer Lernort beschäftigen, ist das Ziel ‚hochwertige Bildung‘.”

Schule der Zukunft

Dazu passt das Projekt „Schule der Zukunft”, das vom Schul- und Umweltministerium ins Leben gerufen wurde. Hier können sich Schulen in NRW mit nachhaltigen Projekten bewerben und dafür als „Schule der Zukunft“ ausgezeichnet werden, wie es beim Förderzentrum bereits der Fall ist. Projekte können in Bereichen wie Artenvielfalt, Mülltrennung, nachhaltiger Konsum, gesunde Ernährung oder Bewegung angesiedelt sein.
„In unserer Schule haben wir zwei Upcycling-Abteilungen. Einmal im Bereich Holz und einmal im Bereich Textil”, erzählt Greven. Im Kreis Kleve hätten sich bereits einige Schulen angemeldet. „Mit diesen haben wir das Netzwerk ‘Wir tun etwas für die Artenvielfalt’ gegründet. Dabei setzen wir gemeinsam Projekte um”, sagt von Bremen.

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So fand im letzten Oktober am Wahrsmannshof ein Streuobstwiesen-Aktionstag statt. Jede Schule hatte dabei ein eigenes Projekt vorgestellt. „Wir haben Apfelmark hergestellt”, sagt Greven. Die Kinder hatten dabei die Gelegenheit, es selbst zu produzieren, abzuschmecken und zu vergleichen, wie es sich von Apfelmus unterscheidet, was den zugesetzten Zucker angeht. „Im Apfelmark ist keiner enthalten.”

Mit der Vereinbarung möchten beide Partner ihre Kooperation jetzt noch verbindlicher machen. So legt sie etwa teils fest, welche gemeinsamen Veranstaltungen es geben soll. Dazu zählen etwa die Aktionen und Aktionstage, bei denen entweder die Klassen der Schule den Wahrsmannshof besuchen oder die Experten zu den Schülern nach Emmerich kommen. „Wir machen grundsätzlich naturkundliche Exkursionen, die häufig zum Wahrsmannshof führen, denn dort hat man sehr viele Möglichkeiten”, sagt Greven. Man könne nicht nur den Tieren im dortigen Teich und auf der Wiese näherkommen, sondern auch auf dem Boot „Wilde Gans” den Teich selbst untersuchen.

Laufen wird die Kooperationsvereinbarung vorerst über drei Jahre. Für Greven ist diese eine besondere Angelegenheit, da sie in diesem Zeitraum in Pension gehen wird. „Ich möchte, dass es nicht personenabhängig ist, welche Aktionen und Kooperationen in der Schule laufen.” Wichtig ist ihr ein guter Übergang, wenn die nächste Leitung das Ruder übernimmt, aber auch, dass die Kollegen gut eingebunden werden. Ein weiterer Pluspunkt: Mit dem Siegel „Bildungspartner NRW” eröffnen sich leichter neue Fördertöpfe.

Neue Lerninhalte

Im Rahmen dieser Zusammenarbeit führte die Didaktik der Biologie von der Universität Siegen nun auch einen Unterrichtsversuch mit neuen Lerninhalten mit Schülern der 8. Klasse des Förderzentrums durch. Es handelt sich um ein Gemeinschaftsprojekt des Wahrsmannshof mit dem Naturschutzzentrum im Kreis Kleve und der Universität unter dem Titel „Natur und Klimawandel vor Ort”. Finanziert wird es vom LVR.

Dabei werden Unterrichtsmodule für verschiedene Zielgruppen entwickelt. „Vor der Fertigstellung müssen diese Module allerdings noch getestet werden”, erläutert von Bremen. In Emmerich behandelte man zuletzt den Eichenprozessionsspinner, ein aktuelles Thema angesichts seiner zunehmenden Ausbreitung. Hochaktuell ist es auch für das Förderzentrum, schließlich hat es im letzten Sommer selbst mit den Raupen zu kämpfen gehabt. „Da musste der Schulhof für zwei Tage gesperrt werden”, erzählt Greven. Wenn dieses Projekt spätestens Ende 2023 beendet ist, möchte der Wahrsmannshof die Unterrichtseinheiten anbieten.

Weitere Informationen zum Projekt „Bildungspartner NRW“ gibt es unter www.bildungspartner.nrw.