Unbekümmert, lustig, aktiv

Als ob man‘s nicht geahnt hätte: Japaner sind unbekümmert, lustig, aktiv und kommen ursprünglich aus … Frankreich. Besondere Kennzeichen: bunte Schecken, Streifen und Abzeichen. Wie bitte?
Kaninchen-Liebhaber wissen längst Bescheid. Beim „Japaner“ handelt es sich – natürlich – um eine Kaninchenrasse. Warum die Japaner Japaner heißen? Nicht Genaues weiß man nicht. Erstmals gezüchtet wurden sie anscheinend in Frankreich.

Wo ein Rammler ist …

Auch im Klever Tiergarten gibt es eine „Japaner-Population“: Zwei Häsinnen, ein Rammler. Merke: Wo ein Rammler ist, gibt‘s – Häsinnen gehören natürlich auch dazu – Nachwuchs. Zwei Würfe hat es gegeben: Am 10. Februar brachte Häsin Eins vier Jungtiere zur Welt, am 21. Februar folgte Häsin Zwei mit einem achtköpfigen Nachwuchs-Ensemble.
Und warum ist das berichtenwert? Martin Polotzek, Chef im Klever Tiergarten: „Die ‚Japaner‘ gehören laut Gesellschaft für die Erhaltung bedrohter Haustierrassen (GEH) zu den bedrohten Arten. Von vier möglichen Stufen (Stufe eins entspräche der schlimmstmöglichen Bedrohung) rangieren die Japaner auf Stufe drei. „In Deutschland gibt es derzeit sieben zoologische Einrichtungen, die sich um die Erhaltung der ‘Japaner‘ kümmern“, erklärt Polotzek. Der Klever Tiergarten gehört dazu.

Besuch im Kindergarten

Jasmin Kedzierski kümmert sich im Tiergarten (unter anderem) um die Japaner. Kedzierski ist gelernte Tierpflegerin, hat im Zoo Dresden gelernt und arbeitet in Kleve im Rahmen eines Mini-Jobs. Seit November studiert sie nämlich Biowissenschaft an der Hochschule Rhein-Waal. Wie lange sind Kaninchen eigentlich trächtig? „Das können bis zu 33 Tage sein. In der Regel werden die Tiere circa acht Jahre alt. Ich habe allerdings auch schon erlebt, dass welche über 15 Jahre alt geworden ist, aber das ist dann eine absolute Ausnahme.“
Fest steht allerdings, dass Tiere in Zoos eine – meist deutlich – höhere Lebenserwartung haben als in der freien Wildbahn. Das liegt auf der Hand, denn im Zoo läuft alles optimal. Futtersorgen gibt es nicht und ein Tierarzt ist immer „in Reichweite“.
Zurück zum Klever Japaner-Nachwuchs: Was passiert mit den Jungtieren? Martin Polotzek: „Die meisten – vielleicht sogar alle – werden den Tiergarten wieder verlassen. Natürlich wollen wir zur Erhaltung der Art beitragen, aber dazu gehört auch, dass wir Inzucht vermeiden.“ Und noch was: Wenn es ums Bleiben geht, haben die Häsinnen deutlich bessere Chancen als die Rammler. Zwei Häsinnen – da kann man sich nicht mehr als einen Rammler leisten. Sonst gibt es – zumindest, wenn alle Tiere im selben Gehege sind – Stress.

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Kein Pokal

Der Kaninchennachwuchs wird Kleve also verlassen. Polotzek: „Die Tiere gehen entweder an andere Zoos oder an interessierte Züchter.“ Apropos Zucht: Für einen Züchter geht es in erster Linie um die Rassemerkmale. Polotzek: „Mit unseren Japanern würde man wahrscheinlich erst mal keinen Pokal gewinnen.“ Merke: Im ersten Schritt geht Erhaltung vor Schönheit. Andererseits gehört zur Erhaltung der ‘Rasse-Japaner’ eben auch, die Merkmale zu erhalten. Polotzek: „Bei unserem Nachwuchs ist ein Tier, das – wenn Sie sich die Zeichnung am Kopf ansehen – schon ziemlich nahe am Optimum ist.“

Ein Prachtexemplar. NN-Foto: Rüdiger Dehnen

Farbfelder

Kurzer Blick ins Internet. Wikipedia spricht: „Die Farbe der Japanerkaninchen besteht aus gelben und schwarzen Farbfeldern. Angestrebt wird heute eine Verteilung der Farben in möglichst reine Farbfelder, die nicht mit andersfarbigen Haaren durchsetzt sein sollen. Der ganze Körper soll mit nicht zu großen Farbfeldern bedeckt sein, dabei wird eine auf den beiden Körperhälften jeweils versetzte Streifenzeichnung gewünscht. Für die Kopfzeichnung wird eine Kreuzzeichnung angestrebt, das heißt eine Seite des Kopfes soll schwarz, die andere gelb sein, mit jeweils entgegensetzt gefärbten Ohren. Der Name Japaner scheint ein Phantasieprodukt der französischen Züchter zu sein. Mit einer Herkunft aus Japan hat er nichts zu tun.“

Herzensbrecher

Japaner sind – jung oder alt – Herzensbrecher. Das wird spätestens beim Shooting klar, als die Herrschaften ihren Charme spielen lassen. Übrigens: In Kleve wird – so viel scheint festzustehen – ein neuer Rammler gesucht. Woher kommt eigentlich der Spruch von der kaninchenhaften Vermehrung? Polotzek: „Kaninchen können rein theoretisch bis zu elf Mal im Jahr Nachwuchs bekommen. Wir reduzieren das allerdings im Sinne des Tierwohls auf zwei Schwangerschaften.“ Bekommen die Häsinnen dann die Pille? Polotzek: „Es geht auch einfacher: Wir nehmen den Rammler raus.“ Merke: Jungs haben schlechte Karten. Ein leidiges Los. Vielleicht wird am Ende doch ein Gleichstellungsbeauftragter gebraucht.

Häsin oder Rammler – das ist hier die Frage. NN-Foto: Rüdiger Dehnen