Rolf Janßen sieht in Kleve
„deutlich Luft nach oben“

Der 56-Jährige tritt als parteiloser Bürgermeisterkandidat in Kleve an

KLEVE. „Wer A sagt, muss auch B sagen.“ Rolf Janßen ist bewusst, dass Wahlkampf in Corona-Zeiten kein leichtes Unterfangen ist. „Gerade für Kandidaten, die in der Öffentlichkeit noch nicht so präsent sind“, sagt der 56-Jährige. Eigentlich stand Bürgermeister nie auf der umfangreichen To-do-Liste des Kranenburgers – Thema sei es aber durchaus schon vor den letzten Wahlen gewesen. Nun habe man ihn erneut darauf angesprochen. „Da habe ich das mit der Familie gründlich durchdacht und am Ende stand fest: Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, an dem ich bereit dafür bin.“ Allerdings kandidiert er nicht in seiner Heimatgemeinde, sondern in der Kreisstadt. „Mit Kleve fühle ich mich sehr verbunden. Ich war dort lange verantwortlich tätig. Da steckt viel Herzblut drin“, sagt Janßen.

Rolf Janßen ist ein bekennender Niederrheiner. „Meine Eltern hatten in Zyfflich ein landwirtschaftliches Lohnunternehmen“, sagt der bodenständige Familienvater, der mit seiner Frau Elke („seit 25 Jahren sind wir verheiratet“) und zwei seiner Kinder (der Älteste ist gerade ausgezogen) auch heute noch in Zyfflich zu Hause ist. In der Dorfgemeinschaft verwurzelt ist Rolf Janßen schon von Kindesbeinen an. Musikverein (er spielt die Tuba), Schützen (2002 war er König), Büttenredner und Sitzungspräsident im Karneval, Heimatverein – die Liste ist lang. „Wenn ich Zeit habe, fahre ich Motorrad. Wir gehen aber auch gern Wandern oder fahren mit dem Rad.“ Weil er es auch mag, auf Skiern zu stehen, verschlug es ihn häufig nach Süddeutschland. Die Ostsee und die neuen Bundesländer stehen noch auf der Wunschliste. Fernreisen? Nicht so sein Ding.

„Eine Entscheidung muss konsequent umgesetzt werden“

Ob er künftig noch viel Zeit zum Reisen hat, entscheiden ohnehin im September die Wähler. In Kleve sei in den letzten Jahren zu viel liegen geblieben, findet Janßen. „Wenn eine Entscheidung fällt, muss das konsequent umgesetzt werden“, sagt er. Für halbherzige Sachen sei er nicht zu haben. Das unterscheide ihn aus Sicht der Bürger vielleicht auch von den Mitbewerbern. „Die sind schon länger an den entscheidenden Stellen dabei, haben aber nicht genug bewegt. Als Bürgermeister darf man nicht zögerlich sein, man muss die Dinge anpacken und vorantreiben.“

Dass er Ideen und Visionen hat und diese dann auch umsetzt, hat er in seinem Berufsleben schon mehrfach unter Beweis gestellt. Nach einer klassischen Verwaltungsausbildung im öffentlichen Dienst und nebenberuflicher Fortbildung zum Betriebswirt, hat Janßen Anfang der 2000er Jahre an der Abnabelung und Verselbstständigung der Umweltbetriebe der Stadt Kleve (USK) als kommunale Dienstleistungsgesellschaft maßgeblich mitgearbeitet. Erst war er Betriebsleiter, später alleiniger Vorstand des Unternehmens. „Ich bin ein neugieriger Mensch“, erklärt Janßen, weshalb er stets neue Herausforderungen sucht. „In Karlsruhe stellte sich eine ähnliche Aufgabe. Da stand man aber noch ganz am Anfang“, blickt er auf sein zwölf Monate währendes Leben als Pendler zurück. Baden-Württemberg ist eben nicht der Niederrhein. Und auch nicht gleich um die Ecke. Janßen: „Als die Stelle bei der Kreis Klever Abfallwirtschaftsgesellschaft vakant wurde, musste ich nicht lang überlegen.“ Im März 2018 hat er die Geschäftsführung übernommen.

Politik und Verwaltung müssen zügiger agieren

Im September 2020 könnte er allerdings ein neues berufliches Kapitel aufschlagen. „In Kleve sehe ich deutlich Luft nach oben“, sagt der 56-Jährige, der schon genau weiß, wo er ansetzen muss. Sowohl die politischen Gremien als auch die Verwaltung müssten zügiger agieren. „Es kann nicht sein, dass es Jahre dauert, bis beschlossene Dinge umgesetzt werden – zu einem Zeitpunkt, an dem sie teilweise schon wieder überholt sind.“ Eine Stadt müsse sich, so wie jedes Unternehmen, das im Wettbewerb bestehen will, stetig weiterentwickeln. „Das ist nicht immer einfach“, räumt Janßen ein. „Gerade die Zeit nach Corona wird einiges von uns abverlangen.“ Falsch sei, zu sagen: Dann geht es eben nicht. „Man muss sich fragen: Was ist unser Ziel und wie kommen wir da hin.“

Eine moderne Verwaltung? „Für mich eine Selbstverständlichkeit“, sagt Janßen. Agiles Management sei hier gefragt. Man müsse weg von strengen Hierarchien und Fachbereichs-übergreifend arbeiten. „Das geht nicht von heute auf morgen“, weiß Janßen: „Aber irgendwann muss man damit anfangen.“

Großer Verbesserungsbedarf bei Umwelt und Klima

Umwelt und Klima? „Wichtige Themen und in Kleve besteht da sicher großer Verbesserungsbedarf. Es dürfte mittlerweile klar sein, dass man am Thema Mobilität nicht mehr vorbei kommt. Man muss sich möglichst unkompliziert und klimaneutral bewegen können – auch ältere Menschen aus den Randbereichen müssen beispielsweise jederzeit in die Innenstadt kommen können.“ Mobilitäts-Apps, die freie Parkplätze anzeigen und gleichzeitig den kompletten ÖPNV-Fahrplan bereithalten, Hotspots, an denen von Leihrädern bis zur Ladesäule alles zur Verfügung steht. „Da muss man nicht warten, bis Studien durchgeführt und ausgewertet wurden. Es hindert uns doch nichts daran, jetzt schon anzufangen. Der Fortschritt schreitet immer schneller voran. Da kann man als Stadt auch mal vorangehen.“

Die Unternehmen vor Ort und die Hochschule müssten stärker eingebunden werden. „Ökologie und Ökonomie schließen sich nicht gegenseitig aus“, betont Janßen. Als regionales Mittelzentrum müsse man Standortvorteile generieren. Janßen: „Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, dann sichert das auch Arbeitsplätze.“ Konzepte zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität in der Stadt gebe es bereits – „sie werden nur nicht umgesetzt.“

Rolf Janßen will in Kleve „über Parteigrenzen hinweg“ arbeiten

Breitbandausbau und Digitalisierung an den Schulen, ein Kulturzentrum, die Stärkung des Ehrenamts, die Einbindung junger Menschen. „Alles wichtige Themen“, findet der Zyfflicher, der sich selbst als „Überzeugungstäter“ sieht. Ganz bewusst trete er als parteiloser Kandidat an. „Es gilt, über Partei­grenzen hinweg und gemeinsam mit den Bürgern den besten Ideen zum Erfolg zu verhelfen. Es ist letztlich nicht entscheidend, von wem die Idee stammt“, sagt er. Jedes Rädchen im Getriebe sei wichtig. „Die Leute wollen nicht, dass von oben herab entschieden wird.“

Unterstützer hat er mit den Klever Grünen gefunden. „Wir haben eine sehr hohe Schnittmenge“, erklärt Janßen, wie es dazu kam. Gern würde er einen „normalen“ Wahlkampf führen und mit vielen Menschen ins Gespräch kommen. „Das ist das Wichtigste: Was bewegt die Bürger, was wünschen sie sich für ihre Stadt?“ Im kleineren Rahmen habe er durchaus interessante Diskussionen geführt, insbesondere im Rahmen der Bürger-Experten-Gesprächsreihe, und viel positives Feedback erhalten. „Ich habe ein ganz gutes Gefühl“, sagt Rolf Janßen.