Schloss Moyland
Mit einem Schutzanzug und Maske säubert Aldara Linares (r.) eine Skulptur. Im Hintergrund bearbeitet auch Esyllt Hoftijzer ein Kunstwerk. NN-Foto: SP

BEDBURG-Hau. Vorsichtig bearbeitet Aldara Linares mit einem Wattestäbchen und destilliertem Wasser eine schwarze Skulptur. Sie behandelt kleine, weiße Schimmelflecken, die kaum als solche zu erkennen sind. „Wir müssen sehr vorsichtig sein“, sagt die Spanierin, die zu ihrer Sicherheit einen weißen Schutzanzug und eine Atemschutzmaske trägt. Etwa zwei Stunden brauche sie, ehe sie die kleinen Schimmelflecken behutsam entfernt habe. Dann geht es weiter zum nächsten Kunstwerk aus der Sammlung des Museums Schloss Moyland. Das Unternehmen „Art Salvage“ aus den Niederlanden ist beauftragt, bis zum Jahreswechsel 7000 Kunstwerke aus den unterirdischen Depots des Museums zu säubern. 368 davon sind mit Schimmel befallen. Etwa eine halbe Million Euro kostet die größte Reinigungsaktion der Region.

Schloss Moyland

Mit einem Schutzanzug und Maske säubert Aldara Linares (r.) eine Skulptur. Im Hintergrund bearbeitet auch Esyllt Hoftijzer ein Kunstwerk. NN-Foto: SP

Am Montag haben sechs junge Frauen sowie Restaurator Kryzstof Naß mit den Arbeiten begonnen. Schon jetzt sei zu erkennen, das jedes Kunstwerk ganz unterschiedliche Ansprüche habe. „Manche müssen nur von Staub und etwas Dreck befreit werden, manche weisen aber auch Schimmel auf – mal mehr und mal weniger schlimm“, sagt Naß. Bei der Entfernung spiele auch das Material des Kunstwerkes eine entscheidende Rolle.

Erfassung in Datenbank

In mehreren Rollcontainern sind die 7000 Kunstwerke sortiert, welche das Team in Einzelarbeit in den nächsten Monaten bearbeiten wird. Die Ausstellungshalle ist dafür zu einer Werkstatt umgebaut worden. Jedes Objekt wird zudem in einer Datenbank mit einem Vermerk zu den Besonderheiten erfasst. So schlägt das Museum Schloss Moyland gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. „Danach haben wir wieder einen sehr guten Überblick über den Zustand der Werke, die während dieser Arbeiten ja sehr gut betrachtet werden“, sagt Julia Niggemann, Verwaltungsdirektion des Museum Schloss Moyland.

Bereits 2018 seien die Planungen zu dieser Reinigungsaktion gestartet. „Wir haben jemanden gesucht, der Erfahrung in der Restauration so vieler Werke hat. Da gibt es nicht viele Unternehmen in Europa“, sagt Niggemann. Nach einer Ausschreibung erhielt „Art Salvage“ den Zuschlag. Ein so großes Projekt habe das Unternehmen zwar auch noch nicht bewerkstelligt, wie Naß berichtet; „Art Salvage“ konnte aber mit mehreren Restaurationsarbeiten in verschiedenen Archiven und Museen überzeugen.

Neue Klimatechnik

Zeitgleich zu den Reinigungsarbeiten werden auch die Depots, in denen die Kunstwerke auf dem Gelände des Museums Schloss Moyland in Bedburg-Hau untergebracht sind, auf den neuesten Stand gebracht. Sie erhalten neue Regale und eine neue Klimatechnik, was sich positiv auf die Kunstwerke auswirken soll. „In den letzten Jahren wurden sie schlecht gelagert, wodurch sich Schimmel festsetzen konnte. Dies wollen wir unter anderem mit der neuen Klimatechnik verhindern“, sagt Niggemann. Eine solch große Reinigungsaktion solle damit ein vorerst einmaliges Unterfangen bleiben. Regelmäßige Pflege und ein guter Standort solle dies künftig überflüssig machen.