Nachbarschaftshilfe

WISSEL. Nicht nur an sich selbst zu denken ist in diesen Tagen wohl wichtiger denn je. Eine Gruppe von Wisselern lebt das zurzeit vor. Nachdem die Coronavirus-Pandemie immer weiter voranschritt, beschlossen sie, das Nachbarschaftsnetzwerk „Wissel hilft! Nachbarn helfen Nachbarn“ zu gründen. Sie wollen vor allem älteren Mitbürgern, die zur Risikogruppe gehören, oder Menschen in Quarantäne etwa Hilfe beim Einkaufen anbieten.

Die Idee dazu kam Andreas Umbach spontan am Sonntagnachmittag. Schnell fand er weitere Mitstreiter, die ihm bei seiner Idee unterstützten. Norbert Schlüß etwa hat die Organisation der Nachbarschaftshilfe übernommen. „Es gibt Helfer, die etwa vormittags oder noch im Homeoffice arbeiten müssen. Die können dann zu bestimmten Zeiten nicht. Das muss alles koordiniert werden“, sagt Schlüß. Da er Frührentner sei, habe er dafür die notwendige Zeit und sich angeboten.

Auf einen Aufruf in den sozialen Netzwerken meldeten sich schnell viele Freiwillige, die sich engagieren möchten. „Es wurden stündlich mehr. Innerhalb von 24 Stunden hatten sich schon 30 Bürger gemeldet“, sagt Schlüß. Darunter seien viele, die zurzeit nicht arbeiten gehen könnten und nun anderen Menschen helfen möchten.

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Um auf ihr Angebot aufmerksam zu machen, hat das sechsköpfige Koordinationsteam nicht nur die sozialen Netzwerke bemüht. „Wir haben bereits Flyer erstellt, die wir im Dorf aufhängen. Denn die wenigsten älteren Menschen, die zur Risikogruppe gehören, sind in den sozialen Netzwerken unterwegs“, sagt Schlüß. Bei Anfragen könne das Team sofort aktiv werden. „Im besten Fall haben wir natürlich nicht viele Einsätze. Aber in Zeiten der Corona-Krise scheint sich dieser Wunsch nicht zu erfüllen und darauf wollen wir vorbereitet sein. Wir wollen einfach helfen, damit sich gerade die Menschen aus der Risikogruppe nicht infizieren“, sagt Schlüß.

Hilfe auch für Menschen in Quarantäne

Neben dem Erledigen eines Einkaufes bietet die Gruppe auch an, Rezepte beim Arzt abzuholen, Medikamente in Apotheken zu besorgen oder Postangelegenheiten abzuwickeln – vor allem auch dann, wenn Familienmitglieder oder Wisseler Bürger solche Tätigkeiten aufgrund von Quarantäne-Auflagen selbst nicht mehr erledigen können.

Norbert Schlüß sowie das weitere Koordinationsteam mit Eugen Schreiner, Andreas Umbach, Manuel ter Bekke, Kai-Uwe Ekers und Angelique ter Bekke ist derweil auch stolz auf die Wisseler Dorfgemeinschaft. „Die großartige Resonanz zeigt uns, dass die Bereitschaft hilfsbedürftige Menschen im Dünendorf zu unterstützen, sehr, sehr groß ist. Der Zusammenhalt ist in Wissel mit seinem regen Vereinsleben, den unzähligen Nachbarschaften und den großen Familiennetzwerken schon immer riesig gewesen. Unter normalen Umständen kann man daher unterstellen, dass Hilfsbedürftigen in der Regel über die Familien- und Nachbarschaftsstrukturen schnelle Unterstützung gewährt wird“, sagt Schlüß.

Unter Telefon 0160/90621807 können sich sowohl Unterstützer als auch Wisseler Bürger, die das Angebot in Anspruch nehmen wollen, melden.

Initiative auch in Kalkar

Solche Nachbarschaftshilfen haben sich mittlerweile nicht nur in Wissel, sondern etwa auch in Kalkar gegründet. Auch dort wollen Freiwillige Besorgungen aller Art für Risikopatienten und Menschen in Quarantäne übernehmen. Betroffene aus Kalkar und allen Ortschaften können sich an Silvia Thon unter Telefon 02824/999025 wenden.