KRANENBURG/REES. Sie werden nicht leiser. Im Gegenteil: Die Landwirte im Kreis Kleve wollen sich auch im neuen Jahr Gehör verschaffen. Dazu hat die Initiative „Land schafft Verbindung“ anlässlich der gerade in Berlin laufenden „Grünen Woche“ zu bundesweiten Aktionen aufgerufen. In Nordrhein-Westfalen wurde als Form des Dialogs mit der Politik und der Gesellschaft die Aktion „NRW blüht auf“ gewählt. Unter anderem verteilten Landwirte an mehreren Supermärkten in Kranenburg und Rees insektenfreundliche Blühmischungen an die Bürger.

Die Botschaft der Landwirte war dabei deutlich: Die Landwirtschaft und die Verbraucher müssen für den Naturschutz zusammenhalten. „Wenn nur wir Landwirte etwas machen, bringt das nichts. Wir sind nicht allein für den Rückgang der Insekten verantwortlich. Der Verbraucher muss genauso etwas tun“, sagte Arno Bienen-Scholt, Landwirt aus Kranenburg. Gemeinsam mit weiteren Landwirten verteilte er deshalb die insektenfreundlichen Blühmischungen in der Hoffnung, dass Bürger sie in ihren Gärten einpflanzen und so wieder mehr Insekten einen Lebensraum geben.

Blühstreifen statt Steingärten

Gemeinsam mit weiteren Landwirten verteilte Bienen-Scholt deshalb die insektenfreundlichen Blühmischungen in der Hoffnung, dass Bürger sie in ihren Gärten einpflanzen und so wieder mehr Insekten einen Lebensraum geben. „Wir Landwirte leisten dazu auch unseren Beitrag. Aber wir allein sind eben nicht genug. Die Verbraucher und Politiker müssen ebenso ran“, sagte Bienen-Scholt. Dazu müssten unter anderem die vielen Steingärten in den deutschen Vorgärten verschwinden. „Es reicht nicht, wenn nur wir Blühstreifen anlegen. Der Verbraucher muss ebenfalls etwas dazu beitragen“, fügte Christoph Beenen, Landwirt aus Rees, hinzu.

„Das Thema ist wichtig, aber es wird schnell wieder vergessen“

NRW blüht auf
Auch in Rees unterstützten Landwirte die Aktion „NRW blüht auf“. NN-Foto: Theo Leie

Über die insektenfreundlichen Blühmischungen wollten die Landwirte das Gespräch mit den Verbrauchern suchen. „Wir haben eine sehr gute Resonanz auf die Aktion erhalten. Viele Bürger waren begeistert von der Aktion. Das hat Spaß gemacht“, resümierte Beenen. Eine Frage sei besonders häufig gestellt worden: „Was können wir für Euch Gutes tun?“ Die Antwort darauf sei einfach, sagt Beenen: „In erster Linie sollten Bürger regional und saisonal einkaufen, um die Bauern vor Ort zu unterstützen. Außerdem sollten Bürger auch Bio praktizieren, also Bio-Produkte kaufen, und nicht nur davon sprechen.“

Beenen konnte jedoch beobachten, dass die Aktion „NRW blüht auf“ einige Passanten doch zum Nachdenken anregte. „Einige Bürger teilten uns nach ihrem Supermarkt-Besuch mit, dass sie jetzt doch mehr darauf geachtet haben, was sie kaufen, woher die Produkte stammen und wie umweltfreundlich sie verpackt sind“, sagte Beenen.

Politik in der Pflicht

Auch Paul Wilmsen-Himmes aus Kranenburg stellte sich dem Dialog mit den Bauern. „Ich finde das, was die Landwirte hier machen, gut. Das Thema ist wichtig, aber ich glaube leider, dass es viele sehr schnell wieder vergessen“, meinte Wilmsen-Himmes. Er selbst versuche im Alltag so gut es geht auf die Umwelt zu achten. Immer gelinge es ihm das aber nicht, wie er zugab. „Im Supermarkt ist es beispielsweise schwierig bei einigen Produkten komplett auf Plastik zu verzichten – zum Beispiel bei Süßigkeiten. Da ich sie trotzdem konsumieren möchte, nehme ich an dieser Stelle das Plastik in Kauf“, sagte der Kranenburger. Er sehe in diesem Punkt vor allem große Unternehmen und die Politik in der Pflicht, diesen Umstand zu ändern.

Von der Politik fühlen sich auch die Kranenburger Landwirte im Stich gelassen. „Wir bekommen Jahr für Jahr höhere Auflagen. Dennoch sind wir der Sündenbock für alles, egal ob es um Insektensterben, Umweltschutz oder den Klimawandel geht. Dass die vielen SUVs auf der Straße auch für den weltweiten CO2-Anstieg verantwortlich sind, wird außer Acht gelassen. Es wird immer nur auf die Landwirtschaft geschimpft“, sagte Arno Bienen-Scholt.

Halbwahrheiten und Vorurteile

Dabei würde die Politik auch mit Halbwahrheiten und vielen Vorurteilen gegenüber der Landwirtschaft argumentieren. „Das beste Beispiel dafür ist die Nitrat-Belastung im Grundwasser. In Kranenburg werden diese Werte überall deutlich unterschritten“, sagte Stephan van de Sand, ebenfalls Landwirt in Kranenburg, während Bienen-Scholt ergänzte: „Natürlich gibt es auch unter uns Landwirten schwarze Scharfe. Aber bei uns sind die Werte top.“

In Zukunft wollen die Landwirte weiter laut für ihr Recht demonstrieren und dabei vor allem den Bürger mit Aktionen wie „NRW blüht auf“ mitnehmen. „Die Politik kann uns dann nicht länger ignorieren – vor allem nicht, wenn es zu einer Bürgerbefragung kommt“, meinte Bienen-Scholt.