Trauer
Jeder Mensch geht anders mit der Trauer um – ein Patentrezept gibt es nicht. Foto: AdobeStock

NIEDERRHEIN. Wenn ein geliebter Mensch stirbt, steht der Alltag Kopf und der Stress des Organisatorischen unterdrückt die Trauer. Früher oder später kommt sie aber – dann ist es wichtig, richtig mit ihr umzugehen. Das macht jeder Mensch auf seine eigene Weise. 

Einen guten Einblick in die Trauerbewältigung hat Agnes Düllings. Mit ihrem Mann Johannes führt sie ein Bestattungsinstitut in Geldern. „Jeder geht anders damit um. Jeder muss seinen eigenen Weg finden“, sagt sie.

Verändert habe sich nach Düllings Meinung in den letzten Jahrzehnten einiges: „Ich habe den Eindruck, dass die Gesellschaft mehr sensibilisiert wird. Früher wurde nicht so oft über Trauer geredet.“ Auch für Fremde Kerzen anzuzünden sei vor 40 Jahren gefühlt nicht so ausgeprägt gewesen. Auch Trauerkarten seien eher simpel gehalten worden. „Heute machen die Leute sich Gedanken und schreiben etwas Nettes über den Verstorbenen oder tröstende Worte für die Angehörigen.“ Das tue den Leuten gut. „Es sind manchmal nur Kleinigkeiten. Es muss nicht immer das ganz Große sein.“

Viele Bewältigungsstrategien

Das Abschiednehmen ist ein wichtiger Baustein der Trauerbewältigung. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten. Die Kapelle oder der Verabschiedungsraum im Krankenhaus sind nur zwei davon. Was viele nicht wissen: Der Verstorbene kann noch einmal nach Hause gebracht werden, damit sich die Angehörigen verabschieden können. Überhaupt darf jemand, der zu Hause verstirbt, 36 Stunden dort bleiben.

Es gibt aber noch ganz andere Möglichkeiten, um mit der Trauer umzugehen – auch mit Hilfe anderer: Bewusst darüber reden und sich aussprechen wollen oder Trauergruppen und -cafes besuchen. Trauerbegleiter in Anspruch nehmen, die eigenen Gefühle in einem Tagebuch festhalten oder auch Hilfe im Alltag akzeptieren. In extremeren Fällen, wie bei psychischen Problemen, sind Therapeuten eine weitere Möglichkeit. Auch Rituale können bei der Bewältigung helfen, zum Beispiel an Gedenk-, Geburts- oder Hochzeitstagen zusammenzukommen.

„Ein Patentrezept gibt es nicht. Jeder Mensch ist anders und geht anders damit um. Das Umfeld ist ein anderes“, sagt Düllings und betont : „Man darf auch mal etwas für sich selbst tun, wenn es einem nicht so gut geht. Da braucht man kein schlechtes Gewissen zu haben.“ Ganz egal, ob man nur spazieren gehe oder ein paar Tage verreise.

Es gibt allerdings auch klare Anzeichen, wann fremde Hilfe dringend nötig ist. Zum Beispiel, wenn Trauernde oft auf sich bezogen vom Tod reden oder gar denken, selber tot besser dran zu sein. Erkennbar sind solche Anzeichen vor allem vom Umfeld der Betroffenen.

Normale Reaktionen

Völlig normal sei es laut Düllings aber, ein oder zwei Tage zu weinen. Dasselbe gelte für verschiedene Trauerphasen, wie Fassungslosigkeit, Wut und Lethargie, ehe es wieder bergauf gehe.

Während der Trauer sind aber auch physische Reaktionen möglich, wie Magen- und Kopfschmerzen oder auch Schlaflosigkeit. Die Trauer muss aber nicht zwangsläufig verschwinden, auch wenn man glaubt, sie überwunden zu haben und wieder in den Alltag zurückgefunden hat. „Die Trauer bleibt bei den meisten. Man hat immer Phasen, wo man wieder traurig ist“, sagt Düllings aus Erfahrung. „Man kommt zurecht, man lebt und ist fröhlich und irgendwo findet sich ein Loch, in das man wieder hineinfällt. Wichtig ist aber, dass man aus diesem Loch nach einiger Zeit wieder rauskrabbeln kann. So ist es bei vielen“, erklärt sie.

Eine andere Tragik

Einen gewissen Unterschied sieht Düllings allerdings darin, wen man verliert: „Die Trauer ist immer da, aber die Tragik ist eine andere.“ Wenn die Eltern irgendwann stürben, sei das der natürliche Gang der Dinge. „Wenn Menschen sterben, die älter sind, ist immer ein Stück Dankbarkeit da. Irgendwann müssen wir alle gehen und der Mensch hat vielleicht sein Leben gehabt.“ Auch dann dürfe man traurig sein. Der Tod Jüngerer sei aber doch etwas anderes. In jedem Fall: „Man darf auch mal schwach sein.“