Erasmus
16 Schüler der Gesamtschule Kevelaer und Lehrerin Caroline Hendricks besuchten als Teilnehmer des EU-Programms „Erasmus+“ Spanien. NN-Foto: Thomas Langer

KEVELAER. Stierkämpfe gucken in Spanien und Würstchen essen in Deutschland: Das verbinden viele Menschen mit den beiden Ländern. Aber inwiefern stimmen solche Klischees? Davon konnten sich letzten Oktober 16 Schüler der Gesamtschule Kevelaer in Spanien überzeugen. Sie nehmen am EU-Programm „Erasmus+“ teil.

Im Rahmen dieses Programms arbeitet die Gesamtschule mit ihrer neuen Partnerschule IES Estuaria Huelva zusammen. Im Mittelpunkt solcher Erasmus-Schulpartnerschaften stehen die Begegnungen der Schüler und Lehrer. Die dazugehörigen Projektarbeiten sollen sich Themen wie demokratischer Bildung oder der Vermittlung interkultureller Kompetenzen und Toleranz in der Schule widmen.

Spanischlehrerin Caroline Hendricks hatte sich ursprünglich nur als Hospitantin beworben. „Ich wollte als Lehrerin Erfahrungen sammeln und an die Schüler weitergeben“, erklärt sie. Weil es mit dem Kollegium und der Schülerschaft gut funktioniert hat, entstand die Idee, gemeinsam einen Antrag für ein Erasmus-Projekt zu stellen.

Auch wenn die Schüler in Gastfamilien untergekommen sind, ist Englisch die Verkehrssprache. Das spiegelt sich nicht nur in der Bewerbung wider, die die Schüler für ihre Teilnahme schreiben mussten: Der Arbeitstitel des Projekts lautet „A teenager ́s vision of Germany and Spain, is it all about sausages and bullfighting?“ Wie sehen und erleben also die Jugendlichen andere Länder?

Darüber konnten sich die Schüler mit ihren Gastgebern und Gastgeberfamilien eine Woche lang austauschen. So wurden im Projekt gemeinsam erste Ideen zum Abbau von Vorurteilen entwickelt, die im Unterricht konkretisiert und während des Gegenbesuchs der spanischen Schüler im April weiter entfaltet werden sollen. „Wir wollen die Stereotypen hinterleuchten und jene über das eigene Land erfahren und reflektieren können“, sagt Hendricks. So soll Stereotypenbildung nach und nach abgebaut werden.

Besondere Erlebnisse

Erlebt haben die Schüler so einiges. Auf dem Programm stand unter anderem eine Führung durch eine Stierkampfarena in Sevilla. „Die meisten Spanier fanden den Stierkampf auch nicht gut“, sagt der 14-jährige Leon. Die 15-jährige Laura ergänzt ihn: „Es waren einzelne dabei, die das echt mochten, was manche dann wiederum nicht nachvollziehbar fanden. Es sind bei manchen auch Tränen geflossen.“

Daneben besuchten sie auch einen Naturpark und hatten Spaß beim Flamenco tanzen, auch wenn die vier Schritte nicht ganz leicht zu lernen waren. „Am Ende haben es eigentlich alle relativ gut hinbekommen“, sagt die 15-jährige Lara. Damit die Schüler ihre Erfahrungen nicht vergessen, hat jeder von der gastgebenden Schule ein „Guidebook“ bekommen. Dabei handelt es sich um eine Mischung aus Tagebuch, Programmplan und Aufgaben- beziehungsweise Fragenkatalog zu den Führungen. Platz für eigene Fotos gibt es auch.

Andere Länder, andere Sitten

Etwas Unerwartetes erlebte Lara in ihrer Gastfamilie: „Zum Frühstück habe ich jeden Morgen Kakao mit Plätzchen bekommen. Und in den Kakao wurden immer noch zwei Löffel Zucker getan.“ Leon zeigt sich begeistert: „Ich habe zum Frühstück immer typische spanische Brötchen bekommen, die waren sehr lecker.“ Wohlgefühlt haben sich aber alle in ihren Gastfamilien. In Kontakt stehen sie teils immer noch. Dass die spanischen Schüler ihre Lehrer mit Vornamen ansprechen, war eine weitere Überraschung für die deutschen Besucher.

Wieder daheim haben die Schüler ein Tourguide-Video über Kevelaer gedreht. Darin erklären sie, was es in der Stadt gibt, wie etwa typische Restaurants. Auch Kevelaers Status als Pilgerstadt thematisieren sie, inklusive Pilgergruppe.

„Sinn und Zweck des Videos ist es, dass die spanischen Schüler einen Eindruck von der Stadt bekommen, wie es hier aussieht. Und dass sie, wenn wir nachher die Stadtführung machen, gewisse Sachen wiedererkennen“, sagt Hendricks.

Mit einem anderen Video hat die Schule an den Erasmus-Days teilgenommen: Darin haben Schüler typische Klischees über Deutschland auf die Schippe genommen. Zu sehen ist es auf der Schulhomepage unter der Kategorie Internationales.

Folgen soll noch ein Flyer über Kevelaer. Er soll möglichst im Rathaus verteilt werden und eine Orientierung sein, was man in Kevelaer als Jugendlicher alles tun kann. Auch wenn das nächste Mal eine neue Gruppe Spanien besucht, soll das begonnene Projekt weitergeführt werden. Die Förderung des Projekts in Höhe von 64.000 Euro läuft vorerst für zwei Jahre. Beide Schulen teilen sich das Geld. Damit finanzieren sie den Austausch samt Fahrt und die Projektarbeit mit allen Programmkosten.

Solche Projekte will die Gesamtschule aber längerfristig und mit mehr Partnern aus verschiedenen Ländern anlegen. Viele Schulen haben drei Partner, die zeitgleich besucht werden. In solchen Fällen kommen aber weniger Schüler zu den einzelnen Partnern.