Andy Brings
Andy Brings (hinten Mitte) besuchte mit seiner Mutter Hildegard Brings im Friedrich-Spee-Gymnasium den Zusatzkurs Sozialwissenschaften von Lehrer Stefan van Wickern.

Geldern. Gerade am Scheideweg vor und nach dem Abschluss fragen sich viele Schüler: Was jetzt? Das kennt auch der Musiker und Filmemacher Andy Brings. Er sprach im Friedrich-Spee-Gymnasium in Geldern mit Schülern des Zusatzkurses Sozialwissenschaften über sein Leben und gab den angehenden Abiturienten Rat für ihre Zukunft.

Den Rahmen für seinen Besuch bei den Schülern bildete die rockumentary „Full Circle – Last Exit Rock ‘n‘ Roll“ über das Leben des Musikers. Lehrer Stefan van Wickern hatte seinen Schülern den Film gezeigt und anschließend mit ihnen besprochen. Mit der Ankündigung von Brings‘ Kommen präsentierte er ihnen gleich dazu eine richtige Überraschung.

Seit jeher steht für den Musiker aus Mühlheim an der Ruhr die Musik an erster Stelle. „Seit ich denken kann, war Musik alles für mich“, sagt Brings. „Mit dem Plattenspieler habe ich immer schon am liebsten gespielt“, fügt er lachend hinzu und nickt dabei in Richtung seiner Mutter Hildegard Brings, die er zu diesem Anlass mitgebracht hat. An Musik sog er alles auf, was er in die Finger bekommen konnte. Egal ob auf Platte oder im Fernsehen.

Wenn es um die Frage geht, ob früher denn alles besser war, ist seine Einstellung deutlich: „Ich beneide Menschen in eurem Alter“, sagt Brings. „Ohne Taschengeld ging früher nichts“, erinnert er sich. Die Platten mussten ja alle gekauft werden, Streaming zum Beispiel macht es da heute wesentlich einfacher. Auch sein Briefkontakt zu amerikanischen Musikern in seiner Jugend wäre mit heutigen Mitteln leichter gewesen.

Andere Zeit, ähnliche Sorgen

Sein Abitur hat Brings 1992 auf einem Wirtschaftsgymnasium gemacht. 15 Jahre drückte er die Schulbank, machte oft blau und wiederholte Klassen. In der dreizehnten Klasse folgte die Kehrtwende. Er brach eine Deutschklausur ab und ließ sich in die zwölfte Klasse zurückversetzen, um es noch einmal besser zu machen. „Meine Motivation in die Schule zu kommen, war eine Wette mit meinem Sitznachbarn“, erzählt Brings. Wer als erster einen Tag verpasste, sollte für den anderen den Chauffeur spielen, jeden Morgen abholen, zur Schule bringen und noch einiges mehr. Die Motivation hat gefruchtet, das Abitur schließlich geschafft.

Im letzten Schuljahr stieg Brings bei der deutschen Thrash-Metal-Band „Sodom“ ein. „Ich wusste nicht, was ich sonst hätte machen sollen“, erzählt er. „Heute gibt es Jobs, an die war damals nicht zu denken. Man muss nicht sofort wissen, was man will. Aber wenn man es weiß, dann hat man die Pflicht, alles dafür zu tun.“ Kehrtwenden seien natürlich in Ordnung, man müsse sich selbst gegenüber nur immer ehrlich sein.

Go your own way

Unterstützung bekam Brings nicht immer: „Alte Kollegen sagten mir: Aus dir wird nichts.“ Ein Grund, die rockumentary zu drehen, war es, andere Leute zu inspirieren und ihnen etwas mit auf den Weg zu geben.

Van Wickern sieht Parallelen zwischen Brings‘ Werdegang und dem der heutigen Jugend. „Man kann daraus lernen und etwas für sein eigenes Leben daraus ziehen“, ist er sich sicher.

Aber nicht nur um Brings geht es im Film, auch um einige seiner alten Helden: „Es geht da-rum, dass sich Kreise schließen. Wir zeigen Leute, die ihren Weg gegangen sind.“ Es sei ein Film, den er mit 18 Jahren selber gerne gesehen hätte. Vor allem in Anbetracht der manchmal harten Vergangenheit, an die er sich noch immer gut erinnert.

So soll der Film auch denen helfen, die an der Schwelle zur Entscheidung stehen und vielleicht von außen mit Gegenwind zu kämpfen haben. „Je mehr ich mit Leuten spreche, desto mehr Bestätigung bekomme ich, dass es wichtig ist zu erkennen: Wer bin ich, was will ich und nicht was von euch erwartet wird.“ Es gehe darum, das Richtige für einen selbst zu finden, den eigenen Weg zu gehen. „Entweder man fühlt es oder man fühlt es nicht. Man kann auch mal in eine falsche Richtung gehen“, erklärt Brings. „Man muss seine eigene Wahrheit finden, dieser und sich selbst treu bleiben.“

Durchhalten ist die Devise

Nach seinem Rauswurf bei „Sodom“ hat Brings kurz Lehramt studiert, es aber bald abgebrochen. Zu dieser Zeit ging es ihm schlecht, der Verlust trieb ihn: „Ein Jahr bin ich ganz tief unten im Loch gewesen“, erzählt er. „Dann musste ich mich komplett neu erfinden. Das hat Jahre gedauert.“ Heute weiß er, dass man Wohl und Weh nicht von einer einzigen Sache abhängig machen sollte. „Ich muss das schaffen“, sagte er sich damals. Das Ungesunde dabei sei gewesen, es ohne Rücksicht schaffen zu wollen, es allen zu zeigen. „Das Ungesunde war mein täglicher Begleiter. Das musste weg“, erläutert er.

Diese früheren Probleme fasste er schließlich auch beim Dreh an. Unter anderem mit seinem früheren Bandkollegen Thomas Such, deren Verhältnis lange Zeit schlecht war, konnte er die alten Probleme aufarbeiten. „Man musste älter werden. Für mich war es eine hochemotionale Reise. Es gab ein paar Sachen, da habe ich den Deckel draufmachen können.“ Durch die harten Zeiten ist er zu einer Erkenntnis gelangt: „Es ist am Dunkelsten, bevor es hell wird.“ Also nur nicht aufgeben, auch wenn man mal am Boden ist.