Bergbau präsent wie eh und je

Lehrstollen der Zeche Friedrich Heine macht die Arbeitswelt der Kumpel für Besucher erlebbar

KAMP-LINTFORT. Mit einem „Glück auf“ begrüßen Manfred Seeger und Dirk Hülsmann ihre Besucher im Lehrstollen der Zeche Friedrich Heine in Kamp-Lintfort. In ihrer Kluft sehen sie aus, als ob sie hier arbeiten. Doch längst haben sie ihren Arbeitsplatz gegen das Ehrenamt eingetauscht. Ende 2012 wurde dieses Steinkohlebergwerk endgültig stillgelegt, inzwischen ist die komplette Fläche zurückgebaut, hier ist das Gelände der Landesgartenschau 2020.

„Dieselkatze“ nennt der Bergmann dieses Zugfahrzeug. Es ist eine Einschienenhängebahn mit dieselhydraulischem Antrieb. Mit ihr konnten Personen und auch Materialien transportiert werden. Diese Bahn im Lehrstollen ist voll funktionstüchtig.                                                                                                                 NN-Foto: Theo Leie

Der weithin sichtbare Förderturm ist erhalten geblieben und der Lehrstollen, der in den 70er Jahren zur Ausbildung der meist sehr jungen Bergleute erbaut wurde, obwohl er ebenfalls seit 2008 „ausgedient“ hat. Die Fördergemeinschaft für Bergmannstradition Linker Niederrhein gründete sich 1987, zu ihr gehören inzwischen 600 Mitglieder. Ihr Ziel: Der Bergbau und seine Tradition dürfen nicht in Vergessenheit geraten. Daher übernahm die Gemeinschaft den Lehrstollen mitsamt aller Arbeitsgeräte und stellte im Außenbereich Exponate wie Gruben-Akkumulator-Lokomotive mit verschiedenen Personen-Transportwagen, Grubenwehr-Seilwinde, Grubenfahrrad, Bogenausbau, Türstockausbau, Betonpumpe, Teufgreifer und Teufkübel aus. Ehemalige Bergleute bieten Führungen an, erklären sehr anschaulich die Arbeitsgänge.

Dirk Hülsmann (l.) und Manfred Seeger (r.) im Streb
NN-Foto: Theo Leie

„Einmal Bergmann, immer Bergmann“, erklärt Dirk Hülsmann sein Engagement. Obwohl er inzwischen längst eine andere Arbeitsstelle hat, reist er immer noch von Auwel-Holt an, klettert in die Streben, zeigt, wie die Abbauhämmer funktionieren und wenn er von der Zeit erzählt, als er mit seinen Arbeitskollegen durch die Strebe kroch, wo es staubig und feucht war, durch die Bewetterung der Wind frische Luft in die Grube blies, spürt man, mit wie viel Herzblut er seine Arbeit verrichtet hat. Ebenso erging es Manfred Seeger aus Xanten, der große Freude daran hat, Besucher in den nur 60 Zentimeter mächtigen „Flöz Mausegatt“ zu schicken. „Kinder haben immer besonders großen Spaß daran, die kleinen Abbauhämmer zu bedienen oder mit den Bohrern Löcher ins Gestein zu machen. Besonders gerne lassen sie sich mit dem Verletzten-Transport-Gerät an der Einschienen-Hängebahn fahren“, berichtet Manfred Seeger und freut sich, dass die Fördergemeinschaft mit einem 15-Jährigen und einem 17-Jährigen zwei ganze junge Mitglieder gewinnen konnte, die sich ebenfalls bei den Arbeiten und Führungen einbringen. Denn es gibt immer noch viel zu tun: Jeden Dienstag und Donnerstag treffen sich die ehemaligen Kumpel zum „Dienst“. Sie haben bereits den bestehenden Lehrstollen um 30 Meter erweitert, um noch mehr aus ihrem einstigen Arbeitsleben zeigen zu können.

Auf dem Förderband liegt die Kohle in unterschiedlichen Größen.                                                      NN-Foto: Theo Leie

Bereits jetzt ist das Interesse an dem einzigen Lehrstollen am Niederrhein riesig. Zur Landesgartenschau erwarten die Bergleute noch viel mehr Besucher. „Wir haben probeweise an einem Sonntag, dem Radwandertag, geöffnet und 166 Interessenten gezählt, die unseren Führung beigewohnt haben“, freut sich Manfred Seeger. Gruppen bis zu 15 Personen können einen Termin vereinbaren unter amlehrstollen@gmx.de (Infos unter www.bergmannstradition.de) Vom 1. März bis zum 31. Oktober 2020 erfolgt die Terminvergabe über die Landesgartenschau GmbH (www.kamp-lintfort2020.de)