Kalkar: Britta Schulz stellt sich zur Wiederwahl

Die 60-Jährige möchte im Amt bleiben und Kalkar weiter voranbringen

KALKAR. Der Entschluss stand für sie schon länger fest, am Donnerstagnachmittag verkündete sie ihn nun auch offiziell im Rahmen einer Pressekonferenz: Kalkars Bürgermeisterin Britta Schulz stellt sich bei den Kommunalwahlen im Herbst 2020 zur Wiederwahl. „Ich mach es einfach gerne“, sagt die 60-Jährige.

Kalkars Bürgermeisterin Britta Schulz hofft auf eine zweite Amtszeit. NN-Foto: SP

Im Gespräch machte Schulz deutlich, dass sie das Amt in den vergangenen vier Jahren seit ihrer überraschenden Wahl zur Bürgermeisterin 2015 liebgewonnen hat. „Es war nicht das Ziel meines Lebens, aber es hat mir nie leidgetan, dass es so gekommen ist, wie es gekommen ist. Ich habe in den vergangenen Jahren viele Leute kennengelernt und Erfahrungen machen dürfen, die ich sonst wahrscheinlich nie gemacht hätte“, sagt Schulz deutlich. Die Wählergemeinschaft „Forum Kalkar“ stellte sie 2015 als Kandidatin für das Bürgermeisteramt auf. Trotz geringer Erfahrung in Politik und Verwaltung konnte sie sich damals gegen vier Mitbewerber – darunter der damalige Kalkarer Bürgermeister Gerhard Fonk – durchsetzen.

„Ich hatte viel Respekt“

„Vor meinem ersten Arbeitstag habe ich mich gefühlt wie ein Schulkind vor seinem ersten Schultag. Ich hatte viel Respekt vor dem, was auf mich zu kam“, sagt Schulz, „ich habe mir in den ersten zwei Jahren auch die ein oder andere blutige Nase geholt.“ Mit viel Unterstützung aus ihrer Verwaltung habe sie diese Zeit aber gut meistern können.

Dass sie vorher keine Verwaltungsfrau gewesen sei und damit wenig Vorerfahrung für den Job der Bürgermeisterin mitgebracht habe, sei für sie aus heutiger Sicht kein Problem gewesen. „Es hat mich manchmal schon geärgert, dass ich nicht in allem sofort Bescheid weiß, sondern mich in manchen Bereichen noch an der Oberfläche befinde. Aber ich muss auch nicht in allem ein Fachmann sein. Das kann man als Bürgermeisterin gar nicht. Dafür haben wir in den einzelnen Fachbereichen unsere Experten, die uns wiederum informieren“, sagt Schulz. Was sie habe lernen müssen, war, dass es sehr lange dauere, Dinge anzustoßen. „Kalkar hat auch keinen Haushalt, der zu großen Sprüngen einlädt. Trotzdem müssen wir aber an die Zukunft denken und uns gut aufstellen“, sagt Schulz.

Stolz auf Burgerengagement

Stolz mache sie vor allem das Bürgerengagement in der Nicolaistadt. Ohne das sei zum Beispiel die Realisierung des Bürgerbusses nicht möglich gewesen. „Dazu hat sich vor Kurzem die Interessengemeinschaft Naturnahes Kalkar gebildet, die im nächsten Jahr 30.000 Hibisken am Marktplatz pflanzen möchte“, sagt Schulz. Natürlich sei sie für dieses Bürgerengagement in Kalkar nicht alleine verantwortliche, „aber ich glaube, dass ich daran auch einen kleinen Anteil habe“.

Ein „ganz positives Gefühl“ habe sie auch bei den Bürgersprechstunden. „Die werden toll angenommen. Mir war und ist es auch wichtig, mit Bürgern ins Gespräch zu kommen und auch zu bleiben“, sagt Schulz. Mit ihrer Video-Zusammenfassungen der Ratssitzungen auf der Facebook-Seite der Stadt Kalkar habe sie außerdem Transparenz in die Arbeit der Verwaltung und Politik schaffen wollen.

Als Verwaltungschefin sei es ihr zudem von Beginn an wichtig gewesen, die Hierarchien herabzusetzen. „Verwaltung ist wie ein Unternehmen. Es ist immer besser, wenn viele Leute Verantwortung tragen und selbstständig arbeiten können. Dazu gehört mein Vertrauen den Mitarbeitern – genauso wie sie auch mir vertrauen“, sagt Schulz. Zudem stehe ihre Bürotür immer offen, wenn ihre Mitarbeiter mit einem Anliegen zu ihr kommen wollen.

„Der politische Teil war schwieriger“

In den vergangenen vier Jahren habe sie sich letztendlich jedoch weniger an den Umgang mit der Verwaltung gewöhnen müssen, als an den Umgang mit der Politik. „Der politische Teil war schwieriger. Ich habe das am Anfang wahrscheinlich auch zu idealistisch gesehen“, sagt Schulz und erinnert sich dabei an viele schwierige und nervenaufreibende Diskussionen mit den Parteien im Rat in der Vergangenheit. „Ich musste dabei auch lernen, dass ich mich manchmal zurückhalten und das ertragen muss“, sagt Schulz. Mittlerweile könne sie damit besser umgehen als noch zu Beginn ihrer Amtszeit. „Ich habe ein dickes Fell bekommen“, sagt Schulz.

Nichtsdestotrotz hoffe sie, dass der Wahlkampf im nächsten Jahr ruhiger vonstattengehe als der 2015. „Ich habe damals unter dem Wahlkampf sehr gelitten. Ich war damals manchmal froh, dass Sonntag war und keine Zeitung erschien. Aber ich bin daran gewachsen. Dass mir die Leute ihr Vertrauen gegeben haben, war phänomenal, weil es auch eigentlich gar keinen Grund dafür gab. Ich hoffe, dass ich es aber zurückzahlen konnte“, sagt Schulz.

Die Fraktionen und die Verwaltung hatte Britta Schulz bereits vor dem Pressetermin über ihre Entscheidung informiert. Ob sie – wie 2015 – wieder für die Bürgergemeinschaft „Forum Kalkar“ kandidiert, weiß sie noch nicht. „Dafür ist es noch zu früh“, sagt Schulz. Der Zuspruch sei aber bereits da gewesen.