NIEDERRHEIN. Zu trauern ist niemals leicht. Wenn der Tod eines geliebten Menschen aber das bisherige Leben auf den Kopf stellt, neue Alltagsprobleme die Trauerbewältigung behindern, man vielleicht niemanden mehr hat oder Freunde nicht belasten möchte, kann eine Trauerbegleitung der richtige Ansatz sein. Ein solch niedrigschwelliges, konfessionsübergreifendes Angebot bietet die Ambulante Hospizgruppe Niederrhein (AHN) mit Sitz in Kevelaer an.
Manch einer macht die Erfahrung, dass das anfängliche Verständnis Dritter für die Trauer nach einigen Wochen der Meinung weicht, dass es „dann auch mal gut sein muss“, wie Tina Melches von der AHN sagt. Das sei aber längst nicht immer der Fall. Auch wenn es oft heiße, man müsse nach vorne schauen: „Menschen in dieser Situation müssen erst einmal gar nichts.“ Die Mitglieder der AHN betonen: Trauer ist sehr individuell und lässt sich nicht in ein enges Schema zwängen.
Vor allem aber: „Trauernde suchen Halt und Orientierung“, sagt der Vorsitzende Günter Ernst. Wann eine Trauerbegleitung sinnvoll oder sogar wichtig ist, hängt stark von der eigenen Persönlichkeit ab. „Dass ich vielleicht die ersten zwei Monate nicht auf jede Party gehe, ist völlig normal.“ Sinnvoll sei sie laut Melches etwa dann, wenn man sich über eine lange Zeit stark verändere, etwa ein sehr aktiver Mensch, der sich immer weiter isoliere. Oder wenn man an einem Punkt angelangt, an dem man sich wünscht, mit der Verarbeitung weiter zu sein als man ist. Dennoch, ergänzt Koordinatorin Anita Marks, sollte man auch nicht die eigenen Selbstheilungskräfte unterschätzen.

Einzeln oder im Treff

Die Trauerbegleitung bietet Gelegenheit, Ansprechpartner und Gleichgesinnte zu finden. Vielen fällt es in einem solchen Rahmen leichter, die eigenen Gefühle zuzulassen. Selbst, wenn die Familie und Bekannten ein offenes Ohr haben, kann das eine große Hilfe sein, wie die stellvertretende Vorsitzende Karin Bonse öfter von Teilnehmern gehört hat. „Sie können mit ihnen manchmal nicht so über ihren Verlust sprechen wie im Kreise der Menschen, die Ähnliches erlebt haben.“
Die AHN bietet entweder Einzelbegleitungen an oder lädt zu den monatlichen Trauertreff an jedem ersten Sonntag im Monat ein. „Es ist ein geschützter Raum“, sagt Bonse, die Gespräche seien vertraulich. Ziel ist es, die Trauernden „vom Wir zum Ich“ zu begleiten. Wer herausfinden möchte, welcher Ansatz der richtige ist, kann auch vorher zu einem ersten Gespräch vorbeischauen.
Der monatliche Trauertreff wird von geschulten Ehrenamtlern begleitet und vorbereitet. Hier können die Teilnehmer durch den Austausch untereinander von den Erfahrungen der anderen profitieren. Im Fokus des ersten Teils des Trauertreffs steht immer ein anderes Thema beziehungsweise ein Impulstext, zu dem die Teilnehmer ihre Gedanken äußern können.
Ambulante Hospizgruppe Niederrhein
Zum Trauertreff gehört auch eine gestaltete Mitte, wie hier zum Thema „Brücken“. Foto: privat

Ein Thema wie zum Beispiel „Schlüssel“ regt auf abstrakte Weise dazu an, wieder zu sich selbst und neuen Mut zu finden sowie Unsicherheiten zu überwinden. „Bei der Trauer geht es oft darum, dass man sich Dinge nicht mehr zutraut“, sagt Anita Marks. Den entspannten, runden Abschluss bilden schließlich die Tischgespräche. Dazu sollte man noch wissen: Auch eine stille Teilnahme ist erlaubt, niemand muss reden. Wer teilnehmen möchte, kann zwar auch spontan vorbeischauen, eine Anmeldung bei Koordinatorin Mareike Ohse unter Telefon 0170/3853451 oder per Mail an kevelaer@igsl-hospiz.de hilft jedoch bei der Organisation.

Allerdings ist dieser Ansatz nicht für jeden die beste Lösung, zum Beispiel wenn man sich in einer Gruppe nicht wohlfühlt oder die Trauer noch sehr tief sitzt und man großen Redebedarf hat. In solchen Fällen bietet sich die Einzeltrauerbegleitung an. Diese verfolgt keinen festen inhaltlichen Ablaufplan: Die ausgebildeten, ehrenamtlichen Trauerbegleiter haben ein offenes Ohr, lassen sich ganz auf die Bedürfnisse des Trauernden ein und besprechen bestimmte Lebensthemen. Die Begleitung ist für circa ein Jahr ausgelegt. „Es sind monatliche Treffen. Anfangs trifft man sich häufiger, dann werden die Abstände größer“, erläutert Marks.

Ehrenamtler gesucht

So wichtig solche Angebote auch sind, ermöglicht werden können sie nur durch die Unterstützung von Ehrenamtlern. Deshalb, aber auch aufgrund des steigenden Zulaufs freut sich die AHN weiterhin über alle, die die ausgebildeten Trauerbegleiter im Treff unterstützen möchten. Dadurch, dass man anderen durch eine schwere Zeit hilft, ist die Arbeit auch für die Ehrenamtler selbst eine sinnstiftende Erfahrung und sorgt für neue Perspektiven. „Die Arbeit macht etwas mit einem“, weiß Bonse aus erster Hand. Vorerfahrung ist nicht nötig, nur Empathie, Kommunikations-, Reflektions- und Teamfähigkeit werden gebraucht. Eine kleine Testphase und ein Gespräch verschaffen Klarheit. Am Tag nach jedem Trauertreff kommen die Begleiter noch einmal zusammen, um gemeinsam zu reflektieren, sich auszutauschen und den weiteren Verlauf zu planen.
Weil die Trauerbegleitung trotz ihrer Bedeutung nicht gefördert wird, ist die AHN ebenfalls auf finanzielle Hilfen angewiesen, um das Angebot aufrechterhalten zu können und die Ehrenamtler auszubilden. Wer helfen möchte, kann das über eine Spende oder eine passive Mitgliedschaft tun. Infos und Kontakte gibt es unter www.hospizgruppe-niederrhein.de.