Die unberührte Natur Brasiliens mit dem Van erkunden

Tobias Hückelhofen lebt seit vielen Jahren in Südamerika / Mit seiner Frau Ariane startet er nun eine Abenteuerreise

GELDERN/BRASILIEN. Es ist die weite, unberührte Natur, die Tobias Hückelhofen an Südamerika fasziniert. „In Europa gibt es nichts Vergleichbares“, sagt der gebürtiger Gelderner, der 2012 zunächst nach Argentinien und später nach Brasilien auswanderte. Die „Schönheit Brasiliens“, wie er selbst sagt, hat er bereits in vielen Wandertouren erkundet. Sein bisher wohl größtes Abenteuer steht aber nun bevor: Gemeinsam mit seiner Frau Ariane Marques (32) – einer gebürtigen Brasilianerin – startet er im August eine mehrere monatige Reise durch den Westen Brasiliens mit einem zum Wohnmobil umgebauten Van. Dabei wollen die beiden einen Dokumentarfilm über die Mobilität in Brasilien drehen. Auf einem Internetblog werden sie zudem von ihren Erlebnissen berichten.

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Tobias Hückelhofen und seine Frau Ariane Marques bei ihrem Heimatbesuch in Geldern. Auf dem Laptop ist die Route ihrer geplanten Reise durch Brasilien zu sehen. NN-Foto: SP

In den vergangenen Jahren hat Hückelhofen bereits viel hinter sich gelassen: Sein duales BWL-Studium führte ihn zunächst 2010 nach Argentinien, obwohl sein eigentliches Ziel ursprünglich einmal Puerto Rico war, wohin es seinen Onkel einmal verschlagen hatte. „In meinem dualen Studium war ein Auslandssemester Pflicht. Allerdings habe ich für Puerto Rico damals kein Visum erhalten. Innerhalb von zwei Wochen musste ich mir ein neues Ziel suchen. Ein Mit-Kommilitone hat dann Argentinien vorgeschlagen. Er sagte, in Buenos Aires würde man vor Ort sofort ein Visum bekommen. Ich hatte dann die Wahl zwischen Alicante in Spanien und Buenos Aires in Argentinien. Spanien war mir zu nah, also ist es Argentinien geworden“, erzählt der heute 33-Jährige. In Südamerika unternahm er dann in seiner Freizeit seine erste Camping-Tour. „Vier Tage war ich allein in einem Nationalpark. Die ursprüngliche und unangetastete Natur hat mich sofort fasziniert“, sagt Hückelhofen. 

Er kündigte schließlich in Deutschland seinen Job, wanderte 2012 endgültig nach Südamerika aus und fing bei einem Chemiekonzern, der ihm 2016 anbot, nach Sao Paulo in Brasilien zu wechseln. In einer der bevölkerungsreichsten Städte der Welt führte er ein hektisches Leben. „Bis dahin war ich auf dem typischen Karrierepfad. Das Leben in Sao Paulo war teuer. Um die Miete und das Leben dort finanzieren zu können, habe ich sehr viele Stunden täglich gearbeitet. Ich steckte in einem Hamsterrad fest“, sagt Hückelhofen heute. Jede freie Minute, jeden Feiertag und jedes Wochenende verbrachte er schließlich damit, der Hektik in Sao Paulo zu entkommen und die südamerikanische Natur zu erkunden. Dabei habe er gemerkt, dass es das ist, was er machen möchte und ihn sein beruflich durchstrukturiertes Leben in Sao Paulo nicht glücklich mache. 

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Abenteuertourismus

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Die unberührte Natur zieht beide magisch an. Foto: privat

„Also habe ich 2020 gekündigt und mich selbstständig gemacht. Mit Ariana habe ich im Februar vergangenen Jahres das Portal ,Peabiru‘ für nachhaltigen Abenteuertourismus gegründet. Wir stellen eine Plattform zur Verfügung, die es wanderlustigen Seelen und Abenteurern erlaubt, Gleichdenkende zu finden und ihre Reisen unvergesslich zu machen“, sagt Hückelhofen. Auf dem Portal, das bisher nur in portugiesischer Sprache zur Verfügung steht und sich primär an Einheimische richtet, präsentieren sich mehrere Guides, die Touristen fernab des Massentourismus die Natur Brasiliens näherbringen möchten. Dabei hat das Paar viele eigene Erfahrungen in ihre Idee einfließen lassen. „Wir haben oft teuer bezahlte Touren erlebt, bei denen uns desinteressiert der Weg gezeigt wurde. Ebenso wurden uns viele schöne Orte nicht gezeigt, weil wir rumgesessen haben oder die Gruppe ein anderes Tempo hatte als wir“, sagt Hückelhofen. Bei „Peabiru“ sollen wanderfreudige Touristen und Guides durch authentische Abenteuer miteinander bekanntgemacht werden, die unabhängig von den großen Reiseportalen in den Großstädten agieren. 

„Wir möchten die lokalen und unabhängigen Touristenführer in den Fokus stellen und ihnen helfen“, sagt Hückelhofen. Ein kundiger Guide sei bei einer Reise durch Brasilien schließlich mehr als hilfreich. „In Brasilien hat man viele, weite Wege. Bei einer Wandertour kann es sein, dass man in einem Bus sitzt und erstmal 40 Kilometer nichts kommt außer Natur“, weiß der 33-Jährige. Diese Natur auf eigene Faust zu erkunden, sei demnach schwierig.

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Tobias Hückelhofen und seine Frau Maria Marques bei einer ihrer vergangenen Reisen durch Südamerika. Foto: privat

Start in Sao Paulo

Tobias Hückelhofen und seine Frau Ariane Marques haben ihre Route, die im August in Sao Paulo starten soll, bereits geplant. Bis März nächsten Jahres wollen sie den Westen Brasiliens und das Amazonas-Gebiet erkunden und dabei Land und Leute kennenlernen, diese verewigen und auf ihrem Blog vorstellen. Marques hat dazu ebenfalls ihren Job in der Automobilbranche aufgegeben. „Sie hat sich vor einem Jahr ein ‚Sabbatical‘, also eine einjährige berufliche Auszeit genommen. Das fiel jetzt genau in die Corona-Zeit. Sie hat ihre freie Zeit in unser Projekt gesteckt“, sagt Hückelhofen. Gemeinsam haben sie sich ihre Selbstständigkeit aufgebaut, um die Reise finanzieren zu können. Ihre Wohnung in Sao Paolo ist bereits zwischenvermietet. „Wir haben aktuell keinen festen Wohnsitz mehr“, sagt Hückelhofen. Zurzeit sind sie noch auf einem mehrwöchigen Heimatbesuch in Deutschland. Ihr ganzes Hab und Gut befindet sich in drei Koffern. Wer mehrere Monate in einem Van durch Brasilien reisen möchte, muss eben minimalistisch leben. „Wir brauchen vor allem praktische Kleidung“, weiß Hückelhofen. Von allem anderen haben die beiden sich inzwischen getrennt.

Ihr Van ist mittlerweile umgebaut und beinhaltet neben einem Schlafplatz auch eine Koch- und Duschgelegenheit – beides ist wichtig für ihren Roadtrip. „Wir werden nicht überall Campinganlagen mit guten Duschmöglichkeiten haben. Kulinarisch wollen wir zwar vor Ort vieles ausprobieren, aber wir werden uns auch mal selbst verpflegen müssen“, erklärt Hückelhofen. Viel Platz für Proviant sei im Van allerdings nicht. Dafür ist die Liste der Städte, die sie erkunden möchten, lang. „Wir werden nur maximal drei bis vier Tage an einem Ort sein. Dabei planen wir etwa immer 30 Tage im Voraus – unter anderem auch mit einer App, die Campingplätze auflistet. Aber wir werden auch wild campen, was in Brasilien erlaubt ist“, sagt der 33-Jährige.

Mobilität in Brasilien

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Das Leben in Brasilien ist vielfältig und manchmal auch puristisch. Vor allem diese Seiten möchte das Paar auf ihrer Reise dokumentieren. Foto: Tobias Hückelhofen

Auf ihrer Reise wollen die beiden zudem einen Dokumentarfilm über die Mobilität in Brasilien drehen. „Ariane hat in der Automobilbranche gearbeitet. So ist die Idee dazu entstanden. Bei dem Projekt geht es um die Mobilität im Inland von Brasilien, außerhalb der großen Städte. Während in Sao Paolo eine pure Autostadt ist, nutzen die Menschen im puristischen Brasilien oftmals noch andere Fortbewegungsmittel – etwa Wasserbüffel – oder haben zwei Autos – eins für die Stadt und eins für ihren Ort, wo es keine festen Wege gibt. Viel diskutiert wird auch die Elektromobilität – wenn die nächste Tankstelle 600 Kilometer weit weg ist, ist das allerdings schwierig. Auf unserer Reise werden wir Städte in allen 26 brasilianischen Bundesstaaten besuchen und ein Bild davon zeichnen, wie sich die Menschen und Güter bewegen. Wir beleuchten die Rolle verschiedener Verkehrsmittel, die Existenz von öffentlichem Transport und den Zustand der Infrastruktur. Mit Hilfe von unseren Beobachtungen, Filmaufnahmen und Interviews werden wir eine detailgenaue Studie erstellen“, sagt Hückelhofen. Neben einer schon feststehenden Youtube-Serie soll daraus auch ein Dokumentarfilm entstehen.

Die Zukunft ist völlig offen

Wie es nach der Rundreise für beide weitergeht, ist noch völlig offen. „Bei Ariane kann es sein, dass sie zurück in ihren Beruf geht. Ich kann es mir aktuell nicht vorstellen. Ich möchte die Selbstständigkeit weiterverfolgen und unabhängig reisen können“, sagt Hückelhofen. Ihm sei das Finanzielle nicht wichtig. Stattdessen möchte er lieber wertvolle Erfahrungen sammeln – dies könnte irgendwann jedoch auch gemeinsam in Europa der Fall sein.

Weitere Infos zum Abenteuer in Brasilien gibt es online unter www.peabiru.de.