NIEDERRHEIN/KERKEN. Seit Ende letzten Jahres gehört der Beruf des Uhrmachers zum immateriellen Weltkulturerbe. Zwar steht vor allem die Schweiz im Fokus dieser Tradition, aber auch in Deutschland gibt es sie noch, die Uhrmacher. Einer von ihnen ist der 82-jährige Manfred Ehrlich von Optiker und Juwelier Ehrlich in Kerken. Trotz Rente kümmert sich der Optiker- und Uhrmachermeister im traditionsreichen Familienunternehmen nebenbei noch immer mit viel Freude um Großuhren, wie Wand- und Standuhren.

Die Adelung durch den Weltkulturerbe-Status freut Ehrlich, ist sie doch eine Wertschätzung seines Handwerks, die dessen Bedeutung noch weiter untermauert. Darüber hinaus bleibt sein Blick aber nüchtern, eine große Wiederbelebung oder Veränderung zugunsten des Handwerks sieht er nicht. „Aber man weiß nie“, räumt er ein.

 „Die Zeit braucht man immer“

Er ist sich dem Lauf der Dinge bewusst, der Verschiebung hin zu moderner Technik. Momentan bedeutet das: Die Smartphones verdrängen die Armbanduhren. Diesen Prozess habe es schon immer gegeben, erklärt er. Schauten die Bürger damals noch auf die eine Turmuhr im Ort, gab es später Taschenuhren, mechanische Armbanduhren, dann genauere Quarzuhren und vor ein paar Jahren kamen eben Smartphones dazu. „Die Zeit braucht man immer, nur das Ablesen hat sich gewandelt“, sagt Ehrlich.

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Die Zeiten ändern sich außerdem schnell, in der Zeit von Ehrlichs Lehre war die Lage noch eine andere. „Damals hatten alle einen Wecker und mechanische Armbanduhren.“ Letztere seien vor allem bei der Kommunion ein übliches Geschenk gewesen.Heute sieht Ehrlich in den Uhren, vor allem den eher in der Schweiz verbreiteten mechanischen Uhren, verstärkt eine Liebhaberei, ähnlich Oldtimern. Früher in Deutschland – und heute noch in der Schweiz, wo die Menschen mehr Geld hätten – sei die Uhr das, was sonst oft das Auto darstelle: ein Statussymbol. „Bei uns sind das jetzt eher die Handys.“

Aber so rückläufig die alten Uhren vielleicht sein mögen, so sehr freuen sich ihre Besitzer, dass es noch Experten gibt. So drücken die Kunden Ehrlich gegenüber durchaus ihre Erleichterung aus, noch einen Fachmann gefunden zu haben. Diejenigen mit kleineren Uhren, um die sich die zweite Meisterin des Hauses kümmert, kämen meist aus dem näheren Umkreis, aber Besitzer von Großuhren durchaus auch von weiter her. Das Uhrengeschäft allein jedoch würde sich laut Ehrlich für das Familienunternehmen in Nieukerk nicht lohnen, aber im Verbund mit den anderen Angeboten ist es anders.

Ausbildung
zum Uhrmacher

Wie die Uhren, so sind auch die Ausbildung zum Uhrmacher und daran interessierte junge Menschen immer seltener geworden. Aber auch sie existieren noch, denn die Ausbildung ist für manche Persönlichkeiten noch immer spannend. Für Ehrlich zum Beispiel macht der Job vor allem aus, etwa bei einer Reparatur das Ergebnis der Arbeit in den Händen zu halten, zu sehen, was man erreicht hat. Dementsprechend empfehlen würde er den Beruf Feinmechanikern, die gerne tüfteln. Denn am Werktisch bei Reparatur und Wartung verbringen Uhrmacher einen großen Teil ihrer Zeit. Das aber bezogen auf die ganze Bandbreite: mechanische Armbanduhren, Chronographen und Chronometer bis hin zu Schalt- und Quarzuhren mit Schaltkreisen. Lernen kann man den Beruf zum einen klassisch in einem Handwerks- oder Industriebetrieb mit begleitender Berufsschule, oder Vollzeit in einer Uhrmacherschule, zum Beispiel in Recklinghausen.

Allerdings hängt der Verdienst auch davon ab, wo man arbeitet. „Lernt man das Handwerk und arbeitet in der Schweiz in einer Fabrik, die teure Uhren herstellt, kann man davon leben. Nur nicht mehr in einem Ort wie Nieukerk. Man ist eben ein Spezialist, aber man bekommt nicht mehr so viele Stellen wie früher.“