STRAELEN. Auch wenn es derzeit ein alles bestimmendes Thema gibt, lösen sich andere Probleme nicht in Luft auf. Das gilt für kein anderes Thema so sehr wie für den Umweltschutz. Die 22-jährige Kristina Baum lebt in Köln, ist „Straelenerin im Herzen“, engagiert sich in Südafrika und hat letztlich die ganze Welt im Auge: Um langfristig für Umweltschutz zu werben, sucht sie aktuell nach Unterstützern für ihr Kinderbuch-Projekt, das sie im Internet über Crowdfunding (Finanzierung durch freiwillige Unterstützer) zu verwirklichen versucht.

Durch dieses Projekt soll Baums bereits fertiges Buch „Nur Müll im Meer“ professionell illustriert in Deutschland und Südafrika an Kindergärten, Vorschulen und Bibliotheken verteilt werden – in deutscher sowie in englischer Sprache. Im Buch geht es um die Geschichte des Fischs Sam, der zu seinem Geburtstag das erste Mal im Meer schwimmen darf. Statt Freunde, mit denen er spielen kann, findet er aber nur Müll vor. Mithilfe des Jungen Musa macht er sich daran, das Meer aufzuräumen, infolgedessen er schließlich die anderen Fische findet.

Mit den Themen grenzenlose Freundschaft und Umweltschutz, aber auch Mitgefühl, Toleranz und Hilfsbereitschaft zielt das Buch vor allem auf Zwei- bis Siebenjährige. „Es ist eine simple Geschichte, aber sie kam richtig gut bei den Kindern an. Ich konnte sie irgendwann selbst nicht mehr vorlesen, nach dem zehnten Mal am Tag“, sagt Baum mit einem Lachen.
Schon jetzt ist die Finanzierung des Projekts ein Erfolg: Mit aktuell rund 3.600 Euro konnte die erste Stufe erfüllt werden. Knacken die Spenden bis zum 31. Dezember noch das zweite Ziel (5.000 Euro), kann Baum wesentlich mehr Einrichtungen bedenken.

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Die Erkenntnis kommt plötzlich

Nach dem Abitur verschlug es Baum im Rahmen eines entwicklungspolitischen Freiwilligen-Dienstes nach Südafrika, wo sie mit Kindern arbeitete. Auch wenn sie von klein auf durch ihre Eltern mit dem Umweltschutz in Berührung kam, wurde ihr erst hier so richtig die Situation der Meere bewusst, die „wunderschöne Natur“ stand plötzlich im krassen Kontrast zum Müll. Wachgerüttelt hat sie auch eine Begegnung mit einem toten, gestrandeten Babywal in Südafrika. „Die Einwohner haben ihn aufgeschnitten und natürlich war Plastik in ihm. Es war das erste Mal, dass ich einen Wal aus der Nähe gesehen habe und dann war er tot wegen unseres Handelns.“

Während ihrer Zeit in Südafrika – mittlerweile ein zweites Zuhause für sie – erfuhr Baum mehr über die Hintergründe der Müllentsorgung der Einwohner und erkannte, dass ihnen die Optionen fehlten, wie auch das Wissen, welchen Schaden sie damit anrichteten. „Die meisten Menschen in Südafrika ernähren sich vom Meer“, erklärt sie. Baum informierte zunächst die Gemeinde mit Power-Point-Präsentationen über die Situation unter Wasser. Das stieß zwar auf Interesse, aber wirkliche Veränderungen brachte es nicht.

Ohne Angst

Schließlich kam sie durch ein Gespräch zu ihrer Buch-Idee für Kinder, die früh ansetzt und so nachhaltig wirken kann. Wie Baum sagt, seien die Kinder schließlich die Zukunft und die Generation, die am meisten unter der Verschmutzung zu leiden haben werde.

„Ich dachte, es ist vielleicht der beste Weg, die Kinder zu erreichen, dass sie sich so mit den Fischen identifizieren und Empathie empfinden“, sagt Baum. Auch bei ihrer weiteren Arbeit versuchte sie, den Kindern die Schönheit der Natur näherzubringen, indem sie Bilder von Kraken, Delphinen, Haien oder auch Korallen mitbrachte. „Die Kinder haben es geliebt. Gerade die Kraken kamen richtig gut an. Ich denke, man beschützt vor allem etwas, das man wirklich gerne hat.“ Später brachte Baum die Kinder mit Bildern in Kontakt, auf denen Plastikmüll im Meer zu sehen war. Die gehörten jedoch zu den harmloseren Bildern. Kristina Baum betont: „Ich möchte nicht mit Angst arbeiten, sondern das Fundament mit Hoffnung und Wissen legen.“

Trotz der Verzweiflung vieler Umweltschützer hält sie Horrorszenarien nicht für den besten Motivator. „Wenn man versucht, den Menschen Angst zu machen und zu zeigen, wie schrecklich alles wird, erzeugt das eher ein Trotzverhalten. Ich möchte versuchen, mit der Hoffnung zu arbeiten, dass es vielleicht doch noch schön wird. Ich möchte zeigen, dass es schöner ist, mit der Natur zu arbeiten als gegen sie und dass wir davon nur profitieren können.“

Kristina Baum: Sich selbst nicht zu viel Druck machen

Wie gut ihre Herangehensweise funktioniert, zeigte sich bei Strand-Säuberungsaktionen. In Anlehnung an die Geschichte um Sam wollten die Kinder den Müll aufräumen, damit er seine Freunde wiederfinden kann.

Bei all der Dringlichkeit ist Baum aber auch überzeugt: „Man darf sich nicht den Druck machen, zu perfekt zu sein.“ Aber genau das werde manchmal über die sozialen Medien vermittelt. Als Studentin kauft sie selbst regelmäßig im Supermarkt ein, wo alles oft mehrfach verpackt sei, im Unverpackt-Laden wiederum sei jedoch vieles teurer. Sie bedauert zwar, nicht immer so viel Handlungsspielraum zu haben, hält aber auch eine bewusste Herangehensweise für sinnvoll: Etwa, indem man auf sein Konsumverhalten schaue, das kaufe, was man brauche und nichts unnötig wegwerfe.

„Nur Müll im Meer“: Buch ab 18,50 Euro

Ab einer Spende von 18,50 Euro bekommt man das Buch samt einer Postkarte. „Man kann das Projekt aber auch mit freien Beträgen unterstützen“, sagt Baum. Zudem gibt es andere Stufen, so kann man etwa zwei oder auch fünf Bücher bekommen, alternativ gibt es Poster von Südafrika. Hierfür arbeitet Baum mit einem Fotografen zusammen. Über dieses Projekt hinaus gründete Baum zudem den Verein „Tinyteenyhands“: Dessen Ziel ist es, Kindern auf der ganzen Welt Umweltbildung zu vermitteln.

Kristina Baum ist überzeugt, dass nicht wenige Menschen davon ausgehen, ohnehin nichts mehr retten zu können. Sie erzählt von einem Vergleich, den ein Einheimischer einmal angestellte: Bemerke man nach hunderten Kilometer Autofahrt kurz vor dem Ziel, dass die Handbremse angezogen sei, würde man sie trotzdem kurz vor dem Ziel wieder lösen, ganz gleich, wie groß der Schaden bereits sei. „Auch wenn die Welt schon stark beschädigt ist, sollte man sofort handeln, wenn man es wahrnimmt“, sagt Baum.

Mehr Informationen zum Projekt gibt es unter www.startnext.com/only-trash-in-the-ocean. Wer lieber klassisch per Überweisung spenden möchte, kann die Daten erfragen unter Telefon 0157/89360688 oder per Mail an tinyteenyhands@gmail.com.