Seniorenresidenz
Im Garten und auf den Balkonen trafen sich die Bewohner der Seniorenresidenz in Kranenburg, um gemeinsam mit Brigitte Walter zu singen. NN-Foto: Rüdiger Dehnen

KRANENBURG. Blau-weißer Himmel, Sonnenschein und strahlende Gesichter: Für etwa anderthalb Stunden konnten Bewohner der Seniorenresidenz in Kranenburg ihre Sorgen vergessen. Gemeinsam mit Brigitte Walter sangen sie im Garten der Seniorenresidenz Lieder aus ihrer Kindheit. Einmal wöchentlich besucht die Dozentin und Therapeutin dazu die Pflegeeinrichtung. Was früher selbstverständlich war, ist in Zeiten des Coronavirus allerdings zu einer echten Kostbarkeit geworden.

In den vergangenen Wochen durfte nämlich auch Walter die Seniorenresidenz nicht besuchen. „Ich habe da natürlich vollstes Verständnis für, denn oberste Priorität hat natürlich, dass es den Bewohnern gut geht“, sagte Walter. Bedrückend sei für sie die Situation aber dennoch gewesen. Seit 13 Jahren musiziere sie schließlich schon in der Pflegeeinrichtung mit den Bewohnern. Sie wisse daher, wie wichtig dieses Angebot für die Bewohner sei. „Am schlimmsten ist aber immer noch, dass man kein Datum hat, an dem man weiß, wann es weiter gehen kann“, sagte Walter.

Besuchssperre stoppte gemeinsames musizieren

Seniorenresidenz

Die Dozentin und Therapeutin Brigitte Walter sang mit den Bewohnern Lieder aus ihrer Kindheit. Dabei begleitete sie die Gruppe am Kreyboard. NN-Foto: Rüdiger Dehnen

Die Dozentin und Therapeutin kann seit dem Ausbruch der Coronavirus-Pandemie in Deutschland und der damit verbundenen Besuchssperre in Altenpflegeeinrichtungen ihrer Arbeit nicht mehr wie gewohnt nachgehen. Die Seniorenresidenz in Kranenburg fand nun jedoch eine Möglichkeit, wie sie das Musik-Angebot trotz des Coronavirus doch wieder aufnehmen konnte. Statt in einem Gemeinschaftsraum sangen die Bewohner zusammen mit Walter Lieder aus den 1920er bis 1940er Jahren im Garten der Seniorenresidenz. „Das ist zurzeit unser großer Vorteil, dass wir diesen Garten haben. Hier können alle ausreichend Abstand halten und sind zudem noch an der frischen Luft“, sagte Einrichtungsleiterin Barbara Onckels. Das gemeinsame Singen konnten Walter sogar auch im Freien mit einem Keyboard musikalisch begleiten.

Die Bewohner waren jedenfalls froh, dass sie nach mehreren Wochen endlich wieder etwas Abwechslung genießen durften. „Es unterhält uns, die Zeit geht schneller um und wir können wieder etwas gemeinsam unternehmen“, sagte Bewohnerin Hildegard Tönisen. Ihre Mitbewohnerin Elisabeth Peters fand besonders schön, dass alle mitmachen konnten. In den vergangenen Wochen fielen schließlich sämtliche Angebote aus oder wurden lediglich in kleinen Gruppen unter besonderen Vorkehrungen durchgeführt.

Angebot aufrechterhalten

Das gemeinsame Singen mit Brigitte Walter soll in den nächsten Wochen jedoch weiter aufrechterhalten werden – allerdings lediglich im Garten bei gutem Wetter. „Wir merken aber, wie gut es unseren Bewohnern tut. Die letzten Wochen waren nicht einfach für sie. Auch wenn man merkt, dass sie noch eine Generation sind, die sehr genügsam mit so einer Situation umgeht, merkte man dem oder einanderen manchmal doch an, dass es ihn bedrückte. Da half nur gutes Zureden“, sagt Onckels. Beschäftigungstherapeutische Angebote seien deshalb in diesen Zeiten wichtiger denn je für die Bewohner der Pflegeeinrichtung in Kranenburg.