… und dann geht’s ans Eingemachte

Dietmar Cornelissen bringt die Sache auf den Punkt: „Wir haben es mit Tieren zu tun. Da können wir nicht einfach wegbleiben oder Kurzarbeit machen.“ Cornelissen ist Chef im Klever Tiergarten. Da würde momentan ziemlich viel Andrang herrschen, wenn – ja wenn denn nicht der Betrieb für Besucher geschlossen bliebe.
So beginnt ein Text am Mittwoch, 15 April. Corona bringt es mit sich, dass Dinge sich ändern: im Tagesrhythmus. Stand Donnerstag, 16. April: Am Dienstag kommender Woche kann der Tiergarten Kleve (theoretisch) seine Pforten öffnen. Zurück zum Ursprung:

Einnahmen fehlen

Lasst Zahlen sprechen. Cornelissen: „Im vergangenen Jahr hatten wir im März 7.000 Besucher und damit verbundene Einnahmen von 33.000 Euro. Im April 2019 waren es 8.700 Besucher und 42.100 Euro.“ Einnahmen im April 2020 – bis jetzt: 0 Euro.
Trotzdem bleiben fixe Kosten: Rund 5.000 Euro werden monatlich allein für das Futter benötigt. Im Klever Tiergarten „wohnen“ rund 300 Tiere. Jetzt, im Frühjahr, sind es auch schon mal 400. Der Grund: Nachwuchs in Hülle und Fülle – vom Kamelfohlen bis zu den Lämmern.

NN-Foto: Rüdiger Dehnen

Besucherstärkste Monate

Cornelissen: „März und April gehören nicht zuletzt wegen der vielen Jungtiere zu den besucherstärksten Monaten. Außerdem wollen die Leute nach dem Winter wieder raus in die Natur. Das alles hängt natürlich immer auch vom Wetter ab.“ Das Osterwetter im Corona-Jahr: Prächtig. Es wäre wohl jede Menge los gewesen im Tiergarten. Einnahmen, aus denen Rücklagen hätten gebildet werden können. Apropos Rücklagen: „Wir könnten derzeit vielleicht vier bis fünf Monate durchhalten – dann geht‘s ans Eingemachte“, erklärt Cornelissen am Mittwoch. Einen Tag später: verhaltene Freude. „Wir können am Dienstag wieder öffnen“, sagt er. Das allerdings muss geplant werden. Wie hält man die Abstandsregeln ein? Cornelissen: „Wir können ja nicht vor jedem Gehege Striche aufmalen.“ Und was ist mit dem Streichelzoo? Wird es eine Höchstbesucherzahl geben? Das alles muss geklärt werden. Wahrscheinlich das kleinste Problem: Installation eines Spuckschutzes am Kassenhäuschen.
Dietmar Cornelissen am Mittwoch, 15. April: „Natürlich sind alle, die zum Kassenteam gehören, jetzt nicht im Einsatz.“ Alles 400-Euro-Kräfte. „Wie es da weitergeht – darüber muss der Vorstand entscheiden.“ Stand Donnerstag, 16. April: Sollte es am Dienstag wieder losgehen, wird das Kassenteam gebraucht. So viel ist sicher.

„Tach auch“. Das Lama grüßt. NN-Foto: Rüdiger Dehnen

Zehn Köpfe

Zehn Köpfe (7,5 Stellen) gehören ins „Pflegerteam“ des Klever Tiergartens. Wird denn derzeit – wie andernorts – in Schichten gearbeitet? Cornelissen: „Nein. Wir sind ja größtenteils draußen unterwegs und arbeiten mit großem Abstand: Einer links, einer rechts, einer auf dem Hof.“ Und auf die Hygiene-Regeln werden strikt beachtet. Abstand in den Pausen. Social Distancing. „Vielen unserer Tiere fehlen die Besucher. Das merken wir deutlich“, sagt Cornelissen. Die Tiere wissen nichts von sozialer Distanz. (Stand Mittwoch.)

Flaschenpost für Osterlämmer. Diietmar Cirnelissen und Kaylee Keurentjes-Bussing. NN-Foto: Rüdiger Dehnen

Mensch tröstet Tier

Also muss zwischendrin der Mensch das Tier trösten. O-Ton Dietmar Cornelissen: „Ab und an müssen wir dann die Tiere knuddeln.“ Wenn es am Dienstag wieder losgeht, werden die Tiere sich freuen.“ Auf jeden Fall die, an deren Gehege ein Schild anzeigt: Füttern erlaubt.
Apropos Füttern: Da wären noch die „Flaschenlämmer“. Die müssen entweder komplett oder zum Teil mit der Flasche gefüttert werden. Cornelissen: „Gründe können sein, dass das Muttertier zu wenig oder keine Milch hat oder im schlimmsten Fall verstorben ist.“ Die „Flaschenpost“ ist eine aufwändige Sache. Das kostet mehr Zeit als mit der Karre Futter bringen, ausstreuen und fertig. Kurzarbeit? Irgendwie schwer vorstellbar.

Die stolzen Eltern würden ja gern ihr Fohlen zeigen. Leider sind keine Besucher erlaubt. NN-Foto: Rüdiger Dehnen

Spenden willkommen

Eines gilt derzeit mehr noch als sonst: Spenden sind willkommen. Längst hat es ja Einnahmeausfälle im fünfstelligen Bereich gegeben. „Natürlich freuen wir uns über Spenden – ganz egal, ob es nun zehn Euro sind oder mehr“, sagt Cornelissen. Wer spenden möchte, ruft am besten im Tiergarten an oder schreibt eine Email und bekommt dann die Kontonummer.
Wie werden eigentlich die Kosten für den Tiergarten bestritten? Die eine Hälfte der Betriebskosten wird im Tiergarten über den Eintritt erwirtschaftet, die andere über Sponsoring, Spenden und einen Zuschuss seitens der Stadt Kleve. Allein für März und April könnten zwischen 60.000 und 80.000 Euro an Eintrittsgeldern verloren worden sein.
Außer den Futterkosten entstehen jährlich rund 10.000 Euro Tierarzt-, 265.000 Euro Personal- und 35.000 Euro Energie- beziehungsweise Wasserkosten.
Dietmar Cornelissen bleibt verhalten optimistisch und fügt hinzu: „Es gibt Betriebe, die derzeit wesentlich schlechter dastehen. Da geht es um Existenzen. So weit sind wir noch nicht.“ Bleibt zu hoffen, dass der „Relaunch“ am kommenden Dienstag gelingt. Fest steht: Zu sehen gibt es jede Menge knuddeliger Jungtiere. fest steht auch: Der Besuch in einem Tiergarten/Zoo hat bestenfalls therapeutische Wirkung.

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