Abitur im Zeichen von Corona

Nils Müller aus Kleve und Milla Kerkhof aus Emmerich-Hüthum erzählen, wie sie sich zu Hause auf die Prüfungen vorbereiten

Abitur Corona Milla Kerkhof Emmerich
Milla Kerkhof lernt zu Hause am Schreibtisch. Foto: privat
Abitur Müller
Nils Müller aus Kleve.
Foto: privat

KREIS KLEVE. Zwölf Jahre haben sie auf darauf hingearbeitet: Das Abitur, die damit verbundenen Prüfungen, aber eben auch die Feiern sollten für tausende von Schülern in Nordrhein-Westfalen der Höhepunkt der Schullaufbahn sein. Nun aber sind die Schulen geschlossen, die angehenden Abiturienten müssen zu Hause für die Prüfungen lernen. So auch Nils Müller vom Konrad-Adenauer-Gymnasium in Kleve und Milla Kerkhof vom Willibrord-Gymnasium in Emmerich. Im NN-Interview erzählen sie, wie sie sich seitdem in Eigenregie vorbereiten und wie sie ihren vorgezogenen letzten Schultag erlebt haben.

Herr Müller, Frau Kerkhof, die ersten beiden Wochen seit der Schulschließung sind vorbei. Wie funktioniert der Unterricht zu Hause bislang?
Nils Müller: Das klappt eigentlich ganz gut, nur manchmal fällt es einem schwer, sich zu motivieren.
Milla Kerkhof: Bei mir läuft es ganz gut. Wir arbeiten klassisch mit E-Mail-Verteilern. Die Lehrer sind sehr engagiert, uns zu unterstützen, und versorgen uns regelmäßig mit Aufgaben und Arbeitsmaterialien. Unsere Mathematik-Lehrerin beispielsweise bereitet die Inhalte sehr gut vor und ergänzt sie mit handschriftlichen Notizen, so dass sie jeder nachvollziehen kann.

Wie lernen Sie?
Müller: Da ich den ganzen Tag Zeit habe, verteile ich mir das ohne festen Ablauf.
Kerkhof: Wie gelernt wird, das regelt jeder individuell. Ich lerne jeden Tag, starte gegen 10 Uhr und lerne dann durch. Manchmal verschiebe ich es aber auch in den Nachmittag. Das läuft aber alles spontan und hängt nicht zuletzt von den Fächern ab. Bei manchen kann man viel üben, zum Beispiel bei Mathematik. In den anderen Fächern wie Deutsch hat man eher die Möglichkeit, Mitschriften zu lesen.

„Per E-Mail erhalten wir Arbeitsmaterialien
und können auch Fragen stellen“

Woher bekommen Sie Unterrichtsmaterial?
Müller: Materialen erhalten wir über die Internetseite der Schule und per E-Mail. Bei Fragen ist es auch kein Problem, die Lehrer zu kontaktieren.
Kerkhof: Über den Verteiler erhalten wir die Aufgaben, und wir können auf diesem Weg auch Fragen stellen. Die werden dann gebündelt beantwortet, so dass man auch Antworten auf Fragen erhält, die sich noch nicht gestellt hatten. Mir ist es jedenfalls so schon ergangen.

Wer lernt, muss auch mal eine Pause einlegen.
Müller: Es gibt ja nicht viel zu tun. Spazieren gehen und mit Freunden telefonieren.
Kerkhof: Natürlich gibt es Tage, beispielsweise wenn die Sonne scheint, an denen ich lieber etwas anderes machen würde. Dann lenke ich mich auch mal ab, zum Beispiel durch Sport, indem ich ein Buch lese oder Zeit mit der Familie verbringe. Aber insgesamt hat man derzeit ja nicht so viele Möglichkeiten.

Wie ging es Ihnen, als Sie erfuhren, dass Ihre Schullaufbahn vorzeitig beendet ist?
Müller: Ich persönlich fand es nicht so schlimm, da wir in vielen Abifächern mit den Themen schon sehr weit waren und in einigen Fächern nur noch wiederholt haben. Es ist jedoch schade, dass die Mottowoche durch die Schulschließung weggefallen ist und wir unseren letzten Schultag nicht feiern konnten.
Kerkhof: Als wir erfuhren, dass die Schule geschlossen wird, war ich erst mal sehr traurig. An diesem Tag (am Freitag, 13. März, gab die NRW-Regierung die Schließung aller Schulen ab dem folgenden Montag bekannt; d. Red.) war die letzte Stunde ausgefallen, und wir konnte früher nach Hause gehen. Wir haben uns noch mit den Worten verabschiedet: Bis Montag! Ich hatte aber schon irgendwie ein komisches Gefühl, da wir ja zumindest wussten, dass im Laufe des Tages etwas entschieden werden sollte. Dass es zu Schulschließungen kommt, damit hatte ich nicht gerechnet. Als dann klar war, dass wir unseren letzten Schultag hatte, ohne es zu wissen, war ich echt niedergeschlagen. Und man konnte in den ersten E-Mails, die wir ab Montag erhielten, auch unseren Lehrern anmerken, dass sie traurig waren.

„Wir haben zwar mehr Zeit zum Lernen, ich
hätte es aber lieber zügig hinter mich gebracht“

Was sagen Sie dazu, dass die Abiturprüfungen später stattfinden sollen?
Müller: Ehrlich gesagt finde ich das nicht so gut, da, selbst wenn die Schulen nach den Osterferien noch geschlossen bleiben, man die Abiturprüfungen unter allen Sicherheitsvorkehrungen hätte durchführen können. Es sind genug Lehrer und Räumlichkeiten vorhanden, um kleine Gruppen von Schülern zu beaufsichtigen, welche einen gewissen Sicherheitsabstand einhalten. Das Gute ist, das wir jetzt mehr Zeit zum Lernen haben.
Kerkhof: Als ich zum ersten Mal von der Verschiebung der Prüfungstermine gehört habe, war mein erster Gedanke: Nein, nicht noch länger! Natürlich haben wir so mehr Zeit zum Lernen, aber mir wäre es lieber, es zügig hinter mich zu bringen.

Es stand ja auch die Überlegung im Raum, die Prüfungen komplett ausfallen zu lassen.
Müller: Ich bin ich froh, dass die Prüfungen nicht gestrichen wurden. Ein sogenanntes Durchschnittsabitur oder eine Verschiebung auf nächstes Jahr wäre für mich keine Alternative gewesen.
Kerkhof: Ich bin auch froh, dass die Prüfungen nicht komplett abgesagt worden sind. Für mich wäre es furchtbar gewesen, die Schule ohne Abiturprüfungen beenden zu müssen. Es wäre für mich kein richtiges Abitur gewesen. Und ich hätte mich gefragt, was ich machen soll, wenn ich mich ohne schriftliches Abi an einer Uni bewerben will. Ganz abgesehen davon, dass mir die Erfahrung der Prüfungssituationen gefehlt hätte.

„Man kann nicht absehen, was
die Zukunft noch so mit sich bringt“

Zum Abitur gehört auch der Abi-Ball.
Müller: Soweit ich weiß, soll alles wie geplant stattfinden. Aber in diesen Zeiten kann man leider nicht sehr gut absehen, was die Zukunft noch so mit sich bringt.
Kerkhof: Wir werfen jetzt schon einen verängstigten Blick in die Zukunft, wie es ablaufen könnte. Am 20. Juni soll vormittags die Zeugnisausgabe sein, abends dann der Abi-Ball stattfinden. Bislang ist er noch nicht abgesagt, und ich hoffe sehr, dass es auch dabei bleibt – und uns am Ende nicht auch noch das genommen wird.

Herr Müller, fühlen Sie sich für das anstehende Abitur gut vorbereitet?
Müller: Ja, wir bekommen Unterstützung und Aufgaben von den Lehrern. Bei Fragen ist es auch kein Problem, sich an die Lehrer zu wenden, und auf der Seite des Schulministeriums sind die Abituraufgaben der vergangenen Jahre inklusive Lösungen zu finden. Diese Aufgaben können wir sehr gut zum Lernen verwenden.