Schwein gehabt und Kühe gesehen

„Sommertour Landwirtschaft“ der Kreis-Wirtschaftsförderung Kleve geht in Wachtendonk und Kranenburg an den Start

 

KREIS KLEVE. Die Landwirtschaft ist eine tragende Säule der Wirtschaft im Kreis Kleve. 1.875 Betriebe sind nach Einordnung der Kreis-Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Landwirtschaft zuzuordenen, jeder 20. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte – 4.400 von etwa 91.000 – leben von und mit der Landwirtschaft. Laut Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW) wies der Kreis Kleve 2012 bei der Herstellung landwirtschaftlicher Güter die höchste Bruttowertschöpfung aller kreisfreien Städte und Kreise in Nordrhein-Westfalen auf: Der Wert aller produzierten landwirtschaftlichen Güter belief sich auf 284 Millionen Euro. „Diese Bedeutsamkeit wollen wir mit unserer diesjährigen Sommertour deutlich machen”, erklärt Kreis-Wirtschaftsförderer Hans-Josef Kuypers. Von Montag bis Freitag besucht die WfG in dieser Woche fünf Stationen, um das Augenmerk auf das landwirtschaftliche Segment im Kreis Kleve zu richten.

Karl-Heinz Leurs (3.v.l.) und sein Sohn Philipp (l.) waren die ersten Gastgeber der Sommertour Landwirtschaft. In Wachtendonk gaben sie Kreiswirtschaftsförderer Hans-Josef Kuypers (2.v.l.), Bürgermeister Udo Rosenkranz (4.v.r.), und weiteren Teilnehmern einen Einblick in ihre tägliche Arbeit.NN-Foto: Andrea Kempkens
Karl-Heinz Leurs (3.v.l.) und sein Sohn Philipp (l.) waren die ersten Gastgeber der Sommertour Landwirtschaft. In Wachtendonk gaben sie Kreiswirtschaftsförderer Hans-Josef Kuypers (2.v.l.), Bürgermeister Udo Rosenkranz (4.v.r.), und weiteren Teilnehmern einen Einblick in ihre tägliche Arbeit.NN-Foto: Andrea Kempkens

Erste Station war am Montag der Hof der Familie Leurs am Batzensteg in Wachtendonk. Vor 30 Jahren hat Karl-Heinz Leurs den Betrieb von seinem Vater übernommen und kann mit dem „Drinkerhof” auf einen Stammbaum blicken, der bis ins 17. Jahrhundert zurückführt. Die Ferkelaufzucht ist das Kerngeschäft. 300 Zuchtsauen sorgen für den Nachwuchs, rund 1.400 Ferkel verbringen hier ihre ersten Lebenswochen. „Im Alter von vier Wochen werden die Ferkel von den Muttersauen getrennt und kommen in den Ferkelaufzuchtstall”, erklärt Karl-Heinz Leurs. Mit zehn bis zwölf Wochen und einem Gewicht von 25 bis 30 Kilogramm werden die Ferkel an die Mastbetriebe in der Region verkauft. Der 24-jährige Philipp sorgt dafür, dass die Familientradition weitergeführt wird und ist im vergangenen Jahr mit in den Betrieb eingestiegen. Dazu hat er eine dreijährige Ausbildung zum Landwirt absolviert und zwei Jahre die Fachschule in Kleve besucht. Heute ist er – wie sein Vater – staatlich geprüfter Agrar-Betriebswirt.

Um die Zukunfts des Familienbetriebes langfristig zu sichern und die alleinige Abhängigkeit vom Ferkelpreis ein wenig abzufedern, hat sich die Familie Leurs im vergangenen Jahr zu einer Erweiterung ihrer Produktion entschieden. „Wir haben mit dem Gemüseanbau begonnen und bauen nun auch Kartoffeln, Kohl und andere Gemüsesorten an”, sagt Philipp Leurs. Karl-Heinz Leurs freut sich, mit der Sommertour einen Einblick in seine und die Arbeit vieler Landwirte im Kreis Kleve geben zu können. „Das mediale Echo über Landwirtschaft ist leider oft einseitig”, bedauert er.

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Kuhidyll auf dem Lande. Längst sind Kühe auf der Weide zu einer optischen Rarität geworden. Auf dem Spetenhof gehört das zum Alltag. „Wir möchten ehrliche Landwirtschaft betreiben, die nachhaltig und transparent ist“, sagt Rita Derksen. Dazu gehört nicht nur die Beachtung der Fruchtfolge – auch die Generationenfolge ist wichtig. Soeben haben die Eltern den Betrieb an ihre Kinder übergeben. NN-Foto: Heiner Frost
Kuhidyll auf dem Lande. Längst sind Kühe auf der Weide zu einer optischen Rarität geworden. Auf dem Spetenhof gehört das zum Alltag. „Wir möchten ehrliche Landwirtschaft betreiben, die nachhaltig und transparent ist“, sagt Rita Derksen. Dazu gehört nicht nur die Beachtung der Fruchtfolge – auch die Generationenfolge ist wichtig. Soeben haben die Eltern den Betrieb an ihre Kinder übergeben. NN-Foto: Heiner Frost

Im Nordkreis ist der Kranenburger „Spetenhof” für viele längst zum Begriff geworden. Der Hof ist aber nicht nur ein gelungenes Beispiel für Direktvermarktung – gerade eben wurd ein Generationenwechsel vollzogen. Rita Derksen: „Bis zum 29. Juni haben wir einen Generationswechsel vollzogen. Unsere Tochter Anne und unser Sohn haben die Hofmolkerei übernommen.” Neben der Familie sind am Spetenhof 15 Mitarbeiter beschäftigt. Längst ist die Produktionskapazität an ihre Grenze gekommen und Investitionen wären fällig. „Aber der Mindestlohn hat uns da schon ein bisschen zurückgeworfen”, sagen alle. Nein, das ist kein Klagelied – es ist die Beschreibung eines Zustandes, „mit dem wir umgehen müssen”. Vater Gerhard Derksen und Sohn Andreas sind sicht einig: „Man kann den Milchpreis nicht ständig erhöhen. Da gehen die Verbraucher irgendwann nicht mehr mit.” Also geht es am Spetenhof auch darum, Kosten zu senken. Demnächst wird der Spetenhof einen neuen Internetauftritt bekommen und nach den Sommerferien soll mehr geworben werden. „Marketing ist nicht das, was wir gelernt haben”, sagt Rita Derksen. Der Spetenhof punktet mit Transparenz. „Wir sind kein Bio-Betrieb, aber wir versuchen, nachhaltige und ehrliche Landwirtschaft zu betreiben”, sagt Gerhard Derksen. Das bedeutet unter anderem: Es wird kein gentechnisch behandeltes Futter eingesetzt. „Das ist uns sehr wichtig und das lassen wir uns auch bescheinigen.” Hinzu kommt, dass Wert darauf gelegt wird, nicht einfach Monokultur zu betreiben, sondern auf Fruchtfolge und Fruchtwechsel zu achten. Kranenburgs Bürgermeister Günter Steins sieht den Spetenhof als gelungenes Beispiel für Direktvermarktung. „Hier ist der Beweis, dass bäuerliche Landwirtschaft funktionieren kann.” Dass auch der Generationenwechsel funktionieren kann, wird auf dem Spetenhof ebenfalls deutlich. Rita Derksen: „Als wird 1986 den Hof von den Schwiegereltern übernommen haben, waren wir 25. Wenn man in jungen Jahren Verantwortung übertragen bekommt, ist das ein Signal. Das wollten wir fortführen. Mit Butter fing alles an. Dann kam Milch dazu. Mittlerweile werden am Spetenhof Trinkmilch, Buttermilch sowie Vanille- und Schokovla produziert und an circa 700 Privat- und 100 Geschäftskunden (Bauernläden, Einzelhandel, Kindergärten, Bäckereien, Cafés und Eiscafés) verkauft. Die Produkte werden sowohl am Hof verkauft als auch zu den Kunden geliefert. 75 Hektar Land gehören zum Spetenhof. 45 Hektar davon sind Ackerland zur Produktion des Futters, der Rest ist Grünland, denn am Spetenhof trifft man des gehörnte Personal noch auf der Weide an. „Die Milchproduktion wäre höher, wenn die Kühe im Stall stehen, aber draußen ist es für die Tiere gesünder”, ist Andreas Derkesen sicher. (Kempkens/Frost)