Rotterdam – klingt erstmal nach Industrie und Hafen. Aber die mit aktuell rund 655.000 Einwohnern (nach Amsterdam) zweitgrößte Stadt der Niederlande kann weit mehr. Vom schicken Hafenviertel über schräg-schrille, alternative Stadtteile bis zur modernen Shopping-Meile in der City: Rotterdam ist in jedem Fall eine Reise wert. Die wegen ihrer Wolkenkratzer-Silhouette auch „Manhattan an der Maas“ genannte Hauptstadt der Provinz Südholland ist bei weitem nicht „nur“ die führende Industrie- und Handelsstadt der Niederlande, sondern auch eines der kulturellen Zentren.

Kunst

It’s Never Too Late To Say Sorry: Im Mittelpunkt der Performance des dänisch-norwegischen Künstlerduos Michael Elmgreen und Ingar Dragset steht der Akt der Entschuldigung. Die Performance wurde 2011 für »Sculpture International Rotterdam« konzipiert und anschließend auch in München und New York präsentiert. (NN-Foto: vs)

Kunst-Fans aufgepasst: Wer nur ein Wochenende Zeit hat, wird nicht alle Museen besichtigen können – auch wenn man im Museumspark gleich mehrere interessante Häuser wie die vom Rotterdamer Architekten Kohlhaas entworfene Kunsthal (www.kunsthal.nl) und Het Nieuwe Instituut (hetnieuweinstituut.nl), das weltgrößte Architekturmuseum, ansteuern kann. Das Museum Boijmans van Beuningen zeigt europäische Kunst vom Mittelalter bis heute (www.boijmans.nl) und das Chabot (chabotmuseum.nl) Arbeiten des niederländischen Expressionisten Henk Chabot, einer Gallionsfigur der darstellenden Künste des 20. Jahrhunderts. Nur einen Steinwurf entfernt findet man das Wereldmuseum (www.wereldmuseum.nl), das historische Schätze aus der ganzen Welt zeigt, die in 160 Jahren von Forschern und Seefahrern gesammelt wurden. Die gute Nachricht: Auf Kunst trifft man in Rotterdam überall. Wer die Augen offen hält, wird (auch ohne Eintrittsgeld) auf seine Kosten kommen.

In der Nähe befindet sich ein weiteres Aushängeschild der Stadt, der Euromast Tower. Er wurde im Jahr 1960 anlässlich der Floriade erbaut und war ursprünglich knapp 101 Meter hoch. 1970 wurde er „aufgestockt“ und bietet heute von der großen Aussichtsplattform auf 112 Meter Höhe einen Blick auf die gesamte Stadt. Ganz Mutige schaffen es mit dem gläsernen Euroscoop auf 185 Meter.

-Anzeige-

Architektur

Die Kubushäuser im Stadtzentrum wurden zwischen 1978 und 1984 vom Architekten Piet Blom erbaut. (NN-Foto: vs)

Rotterdam ist für seine moderne Architektur bekannt. Im Zweiten Weltkrieg wurde die historische Altstadt fast vollständig zerstört. Im Zuge des Wiederaufbaus begann die Stadt, aus aus der Not eine Tugend zu machen und sich als Metropole der Moderne neu zu erfinden. Sehenswert sind die Kubushäuser im Stadtzentrum, die zwischen 1978 und 1984 vom Architekten Piet Blom erbaut wurden. Hier leben tatsächlich Familien, es gibt ein Museum (Eintritt: drei Euro) und auch ein Hostel.

Die Markthalle ist in jedem Fall sehenswert. (NN-Foto: vs)

Ganz in der Nähe befindet sich die 2014 eröffnete Markthalle, die unbedingt auf die Sightseeing-Liste gehört. In den „Außenwänden“ befinden sich Büros und Wohnungen, in der Halle selbst kann man an verschiedenen Ständen Lebensmittel oder einen Snack für zwischendurch kaufen.

Die Rotterdamer Künstler Arno Coenen und Iris Roskam zeichnen für die farbenfrohe Deckengestaltung verantwortlich: „Horn of Plenty“ nennen sie ihren gemalten Mix aus Obst, Gemüse, Kühen, Fischen und Blumen.

Auf diesem Boot befindet sich ein englischer Pub. Bei gutem Wetter kann es eng werden. (NN-Foto: vs)

Von der Markthalle aus ist es nicht weit bis zum „Witte Huis“, dem ersten Wolkenkratzer Europas. Das 43 Meter hohe Gebäude wurde im Jahr 1898 erbaut. Es ist eines der wenigen Gebäude im Stadtzentrum, das die Bombardements überstanden hat.

Die Erasmusbrücke ist nach dem berühmtesten Sohn der Stadt, Erasmus von Rotterdam, benannt. (NN-Foto: vs)

Von hier aus geht es am Wijnhaven entlang zur höchsten Brücke der Niederlande, der 1996 von dem Architekten Ben van Erkel errichteten Erasmusbrug (benannt nach dem berühmtesten Sohn der Stadt, dem 1467 geborenen Humanisten Erasmus von Rotterdam), die mit ihren asymmetrischen Stahlpfeilern auch „der Schwan“ genannt wird.

Am Fuß der Brücke starten mehrmals täglich Hafenrundfahrten (Erwachsene zahlen 15,25 Euro, Kinder zwischen vier und elf Jahren 8,95 Euro, www.spido.nl). Gerade an Wochenenden empfiehlt es sich wegen der großen Nachfrage, die Tickets vorab zu buchen.

Während der 75-minütigen Touren gibt es über Lautsprecher in mehreren Sprachen (auch auf Deutsch) Infos zum größten Hafen Europas und zu einigen Sehenswürdigkeiten.

 

Ebenfalls unterhalb der Brücke befindet sich seit 2021 das „Remastered“ (Tickets ab 24,50 Euro, remastered.nl), das den Besuchern mittels moderner Technik die alten niederländischen Meister nahe bringt. Auf einer Fläche von 1.500 Quadratmetern sorgen 60 Projektoren, 50 Lautsprecher, 15 Kilometer Kabel und die größte Indoor-LED-Leinwand Europas für ein multi-mediales Kunsterlebnis der ganz besonderen Art.

Secondhand und Streetart

Wer es alternativ mag, Second-Hand-Läden und kultige Kneipen vorzieht, sollte am Rathaus vorbei über den Hofplein Richtung Schieblock laufen. Hier gibt es einen Dach-Acker mit Blumen, Bienen, Gemüse und ganz viel Aussicht.

Im Sommer tummeln sich die Bienen (und Naturliebhaber) auf dem Hochhaus-Dach-Acker. (NN-Foto: vs)

Von dort aus geht es in das Sommerhof-Viertel und zur Noordplein, wo samstags ein Wochenmarkt mit Produkten aus der Region lockt. Hier reihen sich kleine Vintage-Läden und Pop-up-Stores aneinander und laden zum Stöbern ein.

Austern “to go” gibt es auf dem Wochenmarkt am Noordplein. (NN-Foto: vs)

Entlang des Flusses Rotte (an einem Damm an dem Fluss Rotte entstand 1228 das kleine Fischerdorf mit großem Potential) geht es dann zurück ins Stadtzentrum und über die Binnenrotte zurück zur Maas.

Auch auf der breiten Fußgängerzone bieten jede Menge Händler ihre Waren feil – inklusive Marktschreier und dichtem Gedränge.

Hafenviertel

Im Stadtteil Katendrecht im Hafenviertel gibt es heute viele coole Läden in ehemaligen Lagerhallen und Fabrikgebäuden. (NN-Foto: vs)

Auch südlich der Erasmusbrücke entstanden ganze Straßenzüge neu. Das „Hotel New York“ ist eines der wenigen Gebäude, die noch an das einstige Hafenviertel erinnern. Heute steht das frühere Hauptquartier der Holland-Amerika-Linie zwischen dem World Port Center von Sir Norman Foster und dem 151 Meter hohen Apartmenthaus Montevideo. In Verlängerung der Achse des Piers steht seit 2009 das Maastoren, das mit 164,75 Metern höchste Gebäude der Niederlande.

Wer hier unterwegs ist, sollte einen Abstecher in die Foodhallen Rotterdam einplanen. Hier gibt es verschiedene Imbisse und Restaurants von vegan bis karibisch und mit etwas Glück legt auch ein DJ auf. Über die Rijnhavenbrug gelangt man in den Stadtteil Katendrecht. Rund um den „Deliplein“ haben sich Cafés und Restaurants, Theater und kleine Läden angesiedelt. Die „Fenix Food Factory“ ist ein Zusammenschluss verschiedener Läden vom Gemüsehändler über eine Kafferösterei bis zur Craft-Beer-Brauerei, die einen alten Lagerhallen-Komplex mit Leben füllen.

Mit Stil aufs Wasser

Die ss Rotterdam ist mit einer Länge von 228 Metern und einer Höhe von 13 Decks das größte jemals in den Niederlanden gebaute Passagierschiff. (NN-Foto: vs)

Die ss Rotterdam (die beiden Buchstaben stehen für steaming ship), das mit einer Länge von 228 Metern und einer Höhe von 13 Decks größte jemals in den Niederlanden gebaute Passagierschiff, wurde im Liniendienst zwischen Rotterdam und New York eingesetzt und dient heute als Museums- und Hotel-Schiff. Sie verließ Rotterdam am 3. September 1959 zur Jungfernfahrt nach New York. Unter den Passagieren befand sich damals auch Kronprinzessin Beatrix. 1971 wurde die Linie wegen des zunehmenden Luftverkehrs eingestellt.

Tagsüber kann das Schiff besichtigt werden. Nette “Shiphosts” beantworten Fragen – die Führung unternimmt man auf eigene Faust mit Hilfe eines Audioguides. (NN-Foto: vs)

Bis in die 1990er Jahre fuhr die Rotterdam auf Kreuzfahrten rund um den Globus. Zu den häufigsten Zielen zählten die Karibik und Alaska. Nach einer letzten Galafahrt wurde die Rotterdam am 30. September 1997 an eine amerikanische Reederei verkauft.

An der Bar traf sich einst die High Society. (NN-Foto: vs)

Im Sommer 2008 kehrte das Dampfschiff zurück und ging in Rotterdam endgültig vor Anker. 2013 kauften die WestCord Hotels (westcordhotels.de) das Schiff und betreiben es seitdem als Museum, Hotel und Eventschiff. Die Hotelzimmer greifen die Historie auf – mit Einrichtungen, die sich am Original oder den exotischen Kreuzfahrten orientieren.

Die Skyline von Rotterdam vom Schiffsdeck aus. (NN-Foto: vs)

An lauen Sommertagen ist die Bar auf dem Promenadendeck sicher nicht zu toppen.

Tagsüber kann man das Schiff besichtigen. Ausgerüstet mit Audio-Guides geht es auf eine Nostalgie-Reise, inklusive Ballsaal und Theater (hier wurden früher Filme auf großer Leinwand gezeigt). Die kundigen „Shiphosts“ freuen sich, wenn sie den Besuchern etwas aus den Glanzjahren des Luxusliners erzählen können. Sie wissen etwa, wie Petticoat-tauglich die Stühle gewesen sind oder welche Mengen an Wein und Kaviar für die achttägige Überfahrt nach Amerika eingerechnet werden mussten.

In die Maschinenräume geht es nur in Begleitung eines Führers. Wer sich für Technik interessiert, ist hier sicher sehr gut aufgehoben. (NN-Foto: vs)

Ein Rundgang durch die Maschinenräume ist ein besonderes Erlebnis – die Kessel, Turbinen und Generatoren sind zwar schon lange nicht mehr in Betrieb, aber während der geführten Tour sieht und erfährt man eine Menge und kann anschließend fast erahnen, wie hektisch und schweißtreibend es hier zugegangen sein muss (ssrotterdam.de).

Fazit: Rotterdam ist absolut sehenswert! Nach einem Wochenende in der Hauptstadt Südhollands steht in jedem Fall fest, dass man nochmal wiederkommen möchte, weil man längst nicht alles gesehen hat, was die Stadt zu bieten hat.