Mit der Königin auf Wohnungssuche

Imker Marco Janßen aus Bedburg-Hau ist in diesen Tagen häufig unterwegs, um Bienenschwärme einzufangen

Im Schwarmfangkasten werden die eingefangenen Bienen transportiert. (NN-Foto: Rüdiger Dehnen)

BEDBURG-HAU. Eine Bauernregel sagt: Wenn im Mai die Bienen schwärmen, so soll man vor Freude lärmen. Soll heißen: Im Frühjahr wird es eng im Bienenstock, weil der Nachwuchs in den Startlöchern steht. Kräftige Bienenvölker nutzen dann den Überfluss an Nektar und Pollen, um sich zu teilen. Mit der Königin im Schlepptau folgen sie ihrem Schwarmtrieb und gründen neue Völker. Hier kommen die Imker ins Spiel, denn bei der Suche nach einem geeigneten Zuhause landen die Tiere oftmals in Kaminen, im Rolladenkasten, in Hohlräumen an Hauswänden oder im Garten. Und da sind sie nicht immer willkommen.

Marco Janßen aus Bedburg-Hau kennt sich mit Bienen aus. (NN-Foto: Rüdiger Dehnen)

„Ohne Imker gäbe es vielerorts schon keine Honigbienen mehr“, weiß Marco Janßen. Vor zwölf Jahren hat der Tischler aus Bedburg-Hau die Imkerei für sich entdeckt. Heute kümmert sich der 47-Jährige um 14 Völker und widmet seinem Hobby einen großen Teil seiner Freizeit. Er weiß, dass es in unseren Wäldern schon seit Jahrzehnten keine wild lebenden Honigbienen mehr gibt. „In vielen Regionen reicht das Nahrungsangebot nicht aus, zwar blüht Momentan vielerorts der Raps, doch wenn die Felder verblüht sind, bleibt für die Bienen eine Wüste“, sagt Marco Janßen. Wenn ein Bienenschwarm nicht eingefangen wird, sucht er sich innerhalb von drei Tagen eine neue Behausung. Diese findet er heute, in Ermangelung an alten Bäumen mit geeigneten Hohlräumen, vor allem in Häusern. Dort hat er gleich mehrere Probleme. Erstens findet er oft bis zum Herbst nicht genügend Nahrung, um über den Winter zu kommen. Dies liegt vor allem am mangelhaften Blütenangebot in unserer Landschaft, hierzu reicht schon ein Blick in die Vorgärten (Steinwüsten). Zweitens sind alle Honigbienen von der Varroamilbe befallen. Wenn sie nicht von einem Imker gegen diese aus Asien stammende Milbe behandelt werden können, gehen sie häufig schon vor dem Winter zu Grunde. „Hinzu kommt der Einsatz von Pestiziden und der Klimawandel mit seinen extremen Wetterlagen,“ erklärt Marco Janßen.

Imker stellen eigenen Honig her. (NN-Foto: Rüdiger Dehnen)

In diesen Tagen klingelt Janßens Telefon häufig. „Im Mai und Juni sind die meisten Schwärme unterwegs“, sagt der Imker, der ausgerüstet mit einem Zerstäuber, einer Gänsefeder als Bienenbesen und einer Holzbox loszieht, um den Schwarm einzufangen. „Im Idealfall sprühe ich die Schwarmtraube von allen Seiten mit Wasser an, dann schüttel oder fege ich sie vorsichtig in den Schwarmfangkasten“, beschreibt er. Komplizierter wird es, wenn sich der Schwarm zum Beispiel hoch oben in einem Baum oder mitten in einer Hecke niedergelassen hat. „Manchmal ruft mich auch die Stadt an, wenn ein Schwarm Probleme bereitet“, sagt Janßen. Der Hobby-Imker fängt im Ernstfall nicht nur Bienen, sondern siedelt auch Wespen, Hornissen, Hummeln und Bienen um.

Dass die Imkerei in den letzten Jahren immer beliebter geworden ist, freut den 47-Jährigen. „Als ich dem Imkerverein Kleve-Kellen beigetreten bin, konnte man die Zahl der Mitglieder an zwei Händen abzählen. Heute haben wir 63 Mitglieder, und betreuen rund 360 Bienenvölker. Zu den Mitgliedern gehören auch die Hochschule Rhein Waal, die Kreisberufsschule und der Klever Tiergarten. “ Bienenschwärme sind ideal für Menschen, die mit der Imkerei anfangen wollen, weiß Marco Janßen. Vor der Schwarmzeit wird im Verein abgefragt, wer noch einen Schwarm benötigt. Für Marco Janßen ist die Imkerei ein erfüllendes Hobby. „Man verbringt viel Zeit draußen in der Natur und lernt immer noch etwas dazu“, nennt er zwei für ihn wichtige Aspekte.

Drei bis vier Stunden pro Woche

Etwa drei bis vier Stunden investiert er pro Woche in sein Hobby – und ganze Tage, wenn es an die Honigernte und -verarbeitung geht. „Es ist in jedem Fall ein gutes Gefühl, wenn man seinen eigenen Honig erntet“, sagt Marco Janßen, der seinen Honig auch an der Haustüre anbietet und sich dafür eingesetzt hat, dass Bedburg-Hau zur „Bienenfreundlichen Gemeinde“ wurde. „Es gibt noch reichlich Platz für weitere Blühstreifen und Blumenwiesen“, weiß der Naturfreund. „Bienenschwärme sind in der Regel friedlich“, sagt er. Man solle das Einfangen eines Schwarms aber auf keinen Fall selber ausprobieren und die Tiere mit den nötigen Respekt behandeln, warnt er. Wie oft er gestochen wurde, kann er gar nicht mehr sagen. „Bei den ersten 100 Stichen war es vielleicht noch heftiger, aber als Imker gewöhnt man sich daran, dass man auch mal gestochen wird“, nimmt er es mittlerweile gelassen.

Kontakt
Wer eine Schwarmtraube sieht, kann sie unter Telefon 0173/ 3126262 melden. Weitere Infos und Kontakt zum Verein gibt es unter Imkerverein-Kellen.jimdofree.com oder per Mail an imkerverein-kellen@gmx.de.