GOCH. „Gemeinschaft, Vertrauen und Agieren auf Augenhöhe – längst ist die TheaterWerkstatt von Haus Freudenberg, unter der Leitung von Anna Zimmermann-Hacks, für alle Beteiligten zu einer Herzens­angelegenheit geworden. Als inklusives Projekt vor 16 Jahren gestartet, spielen Kategorien jeglicher Art inzwischen einfach keine Rolle mehr: „Wir sind nur noch Schauspieler“, unterstreicht Theaterpädagogin Zimmermann-Hacks, „wir wollen Jahr für Jahr unseren Anspruch halten und noch ein ,i-Tüpfelchen‘ draufsetzen.“ Das Ziel sei einfach, fünf wunderbare Aufführungen – noch eine mehr als im vergangenen Jahr – auf die Bühne zu bringen.

Für 2020 steht wieder Shakes­peare auf dem Spielplan: „Wie es euch gefällt“, ein Stück von 1599. Kevelaers Bürgermeis­ter Dominik Pichler, der seit 2018 zum Ensemble gehört, gibt eine kurz-knackige Einführung: „Das ist wie eine ,daily soap‘, vier Hochzeiten und kein Todesfall und natürlich sind da auch ein paar Bösewichte.“ Er spielt übrigens den verbannten Herzog. Die Sprache wurde ein wenig angepasst. „Es ist aber alles noch Shakespeare“, betont Anna Zimmermann-Hacks, „das Stück ist hochaktuell und wir haben es für die heutige Zeit aufgegriffen.“ Ein lustiges Stück, dessen Botschaft jedoch nicht im Humor untergehen werde, so die Regisseurin. Themen aus Politik und Gesellschaft sind in moderne Elemente eingebunden.

Live-Band „Lovely Cucumbers“

Dazu trägt natürlich auch die Live-Band bei, die in diesem Jahr den hübschen Namen „Lovely Cucumbers“ hat. Entstanden ist der aus dem Arbeitstitel der Band, die sich jedes Jahr neu findet: „Gurkentruppe.“ Danach klingt das, was Felix Pickers und seine Kollegin Vivian Zastrow als Vertreter der Musiker beim Pressegespräch als Kostprobe gaben, nun ganz und gar nicht. Der Song „Tanz“, komponiert von Liedermacher Stefan Stoppok, zeigt, wie getrieben der Mensch sein kann: „Die Angst vor der Blöße, die Angst vor dem Tod reicht für‘n Leben als verklemmter Idiot.“ Band und Schauspieler haben seit September getrennt geprobt. Das erste Zusammentreffen in der vergangenen Woche sei „total aufregend“ gewesen.

Gemeinschaft hinter den Kulissen

Aufgeregt ist auch der 14-jährige Jblaise, Spitzname „Blaise“. Er spielt eine Wache. 2018 war er das erste Mal dabei: „Das war so schön“, erinnert er sich. So wollte er auch in diesem Jahr auf der Bühne stehen. Silke Seidel ist schon ein „alter Hase“. Seit 14 Jahren macht sie bei der Theatergruppe mit. Was sie antreibt: „Einfach mal andere Sachen ausprobieren und Herausforderungen annehmen.“ Gregor Wellens war Lehrer und hat selber eine Theater-AG geleitet: „Es ist schön, jetzt einmal auf der anderen Seite zu stehen.“ Das sei eine Möglichkeit, mit Menschen ganz unterschiedlicher Art zusammenzutreffen. Ein Aspekt, der auch Marlene Büssers gefällt: „Die Gemeinschaft hinter den Kulissen ist unheimlich schön.“

Viele Helfer

Dazu gehören nicht nur Schauspieler und Musiker; vor und hinter der Bühne sind viele Helfer im Einsatz. Die Kostüme schneidern Bärbel Sommer und Lucie Köster. „Im nächsten Jahr zeigen wir etwas ganz Neues“, macht Anna Zimmermann-Hacks jetzt schon neugierig auf die nächste Produktion. Und obwohl die TheaterWerkstatt Teil ihrer Arbeit bei Haus Freudenberg ist, empfindet sie es nicht als solche: „Mit motivierten Menschen kann man gut arbeiten; wenn ich bei den Proben bin, bin ich beseelt.“

Termine und Tickets
Bühnenhaus Kevelaer:
Samstag, 29. Februar 19 Uhr
Sonntag, 1. März, 15 Uhr
Stadthalle Kleve
Samstag, 7. März, 19 Uhr
Lise-Meitner-Gymnasium Geldern
Samstag, 14. März, 19 Uhr
Sonntag, 15. März, 15 Uhr
Einlass jeweils eine Stunde vor Beginn der Aufführung.
Karten (acht Euro) gibt es ab Montag, 20. Januar, in Kevelaer (Service-Center Tourismus und Kultur, Peter-Plümpe-Platz), in Kleve (Café Samocca, Hagsche Straße 71 und Haus Freudenberg, Am Freudenberg 40) sowie in Geldern (Augenoptik Sommer, Bahnhofstraße 2a)