Der Kreis Kleve als starker Logistik-Standort

Wirtschaftsförderung sieht den Wachstumsmarkt Logistik als Motor für Region

NIEDERRHEIN. Der Kreis Kleve ist ein Logistik-Standort. Das beweist einmal mehr die Stadt Emmerich, wo die Fiege-Gruppe, ein europaweit führender Logistikanbieter, und das Emmericher Speditionsunternehmen Convent weitere Vergrößerungsmaßnahmen ihres Standortes umsetzen. 85 neue Arbeitsplätze werden so geschaffen. „Emmerich lebt Logistik“, fasste Hans-Josef Kuypers, Wirtschaftsförderer des Kreises Kleve, in einem Gespräch mit Wirtschaftsförderern und Geschäftsführern im Rahmen der Trans-Log-Fachmesse in Kalkar zusammen.

Experten und Wirtschaftsförderer aus dem Kreis Kleve sprachen über den Wachstumsmarkt Logistik für den Kreis Kleve. NN-Foto: SP

Die Stadt am Rhein sollte als Aushängeschild dazu dienen zu zeigen, wie die Region Logistik nutzen kann. „Wir profitieren von der Trimodalität“, sagte Emmerichs Bürgermeister Peter Hinze, der zurzeit auch interimsweise den Posten des Wirtschaftsförderers bekleidet. Die Trimodalität zeichne sich dadurch aus, dass im Kreis Kleve der LKW auf der Autobahn, das Flugzeug am Airport in Weeze und das Schiff über den Rhein als Transportmittel genutzt werden können. Insbesondere der Weg über den Rhein habe an Bedeutung gewonnen. „Das große Plus des Niederrheins ist der Hafen. Wer den Rhein nicht wählt, muss einen großen Bogen fahren“, sagt Dr. Franz Steltemeier, ehemals bei der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung Duisburg beschäftigt und Experte auf dem Gebiet.

Die große Bedeutung des Hafens spürt auch die Stadt Emmerich. „Er kommt langsam an seine Kapazitätsgrenze“, sagt Hinze. Welche hohe Bedeutung der Emmericher Hafen hat, machte Udo Jessner, Geschäftsführer der Emmericher Gesellschaft für kommunale Dienstleistungen, deren Tochter-Firma den Hafen betreibt, anhand von beeindruckenden Zahlen deutlich: „In der Vergangenheit ist die Anzahl der Container von 20.000 Teu (Maßeinheit für Container, Anm. d. Red.) auf 125.000 Teu angestiegen.“ Trotzdem stehe der Emmericher Hafen immer noch im Schatten des Duisburger Hafens, der als Aushängeschild in der Öffentlichkeit stehe. „Er agiert natürlich weltweit, wir nicht. Da wir unterschiedliche Aufgaben haben, darf man das auch nicht als Konkurrenz sehen, sondern als Ergänzung“, sagt Jessner. Dafür wünsche er sich aber noch mehr Wertschätzung in der Region, denn bislang arbeite der Hafen mehr mit der niederländischen Seite als mit der deutschen Seite zusammen.

Dass der Emmericher Hafen aber noch weiter an Bedeutung gewinnen wird, dessen war sich Steltemeier sicher. „Die Häfen in Antwerpen, Rotterdam oder Zeebrugge investieren gerade und der Niederrhein ist Teil dessen“, sagte Steltemeier. Der Kreis Kleve profitiere ohnehin durch seine Nähe einerseits zu den Niederlanden, andererseits zu den Ballungsräumen an Rhein und Ruhr, auf dessen Verbindungsachse der Kreis Kleve liege.

Der Wirtschaftsbereich Logistik – der drittgrößte Wirtschaftsbereich Deutschlands – wird auch deshalb im Kreis Kleve immer größer. Insgesamt werden im gesamten Kreis Kleve 8.500 sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer im Bereich Logistik beschäftigt. In den letzten 18 Monaten wurden Flächen in der Größenordnung von insgesamt 180 Hektar für verschiedene Logistik-Projekte sowie Produktionsunternehmen angefragt. „Das ist mehr, als man zwischen Kranenburg im Norden und Rheurdt, Straelen, Wachtendonk im Süden überhaupt anbieten kann“, so die Wirtschaftsförderung des Kreises Kleve. Damit wäre allerdings eine Realisierung von schätzungsweise 1.000 Arbeitsplätzen verbunden.

In Emmerich, Straelen und Goch sind derzeit Großflächen geplant, die an Unternehmen verkauft werden können. In Goch etwa entsteht ein 51 Hektar großes Gebiet zwischen der L77 und der B67. Die Nachfrage sei groß. „Ein Unternehmen benötigt bereits mindestens fünf Hektar. Das heißt, dass nur sieben bis acht Firmen ansässig werden könnten“, sagte Rüdiger Wenzel, Wirtschaftsförderer der Stadt Goch. Auch Emmerichs Bürgermeister Peter Hinze machte deutlich, dass noch mehr Gewerbeflächen benötigt werden, um den Kreis Kleve als Wirtschaftsstandort zu stärken.

Hans-Josef Kuypers, Wirtschaftsförderer des Kreises Kleve, hob in dem Zusammenhang auch die Wichtigkeit einer Fachmesse wie die Trans-Log in Kalkar hervor. Auch wenn sie in diesem Jahr etwas schwächer besucht war, wird sie, wie Messe- und Projektmanager Wolfgang von der Linde bekannt gab, auch im nächsten Jahr Logistik-Unternehmen nach Kalkar locken.