Gemeinsam für die Arbeitgebermarke Niederrhein

Positive Resonanz nach der ersten Durchblick-Konferenz für Ausbilder und Führungskräfte / Unternehmen am Niederrhein engagieren sich für die Region

NIEDERRHEIN. Am Anfang war da nur die Idee, den Unternehmen am Niederrhein einen Einblick zu den Themen „Ausbildung, Mitarbeiterrecruiting und werteorientierte Führung” zu geben. Aus dieser fixen Idee von Nicolai Müller, Familienunternehmer und Mitinhaber der Clever Führen GmbH, und Michael Jansen, Leiter der Abteilung Marketing und Ausbilder bei den Niederrhein Nachrichten wurde eine Konferenz ins Leben gerufen. Eine Konferenz, nach dessen Ende die teilnehmenden Unternehmer gemeinsam noch mehr die Region stärken möchten.

1,5 Millionen Menschen leben nach Angaben der NRW-Bank, zurzeit am Niederrhein, einer Region, die vor allem auch aufgrund ihres hohen Wirtschaftsfaktors für den Arbeitsmarkt von Interesse ist. Trotz dieser Fakten hatten Nicolai Müller und Michael Jansen das Gefühl, dass das Thema Arbeitgebermarke am Niederrhein noch nicht richtig angekommen ist: „Auszubildende suchen sich heutzutage den Arbeitgeber aus und nicht mehr andersherum – die Arbeitgebermarke ist darum wichtig für Existenzen in allen Bereichen”, erklärt Jansen. Die Arbeitgebermarke zeigt den Bewerbern, was das jeweilige Unternehmen attraktiv macht und warum es sich lohnt, genau dort zu arbeiten. Aber wie können Unternehmer diese Marke als Alleinstellungsmerkmal für ihr Unternehmen herausarbeiten und sich der neuen Generation anpassen? Diesen komplexen Themen widmete sich die erste Durchblick-Konferenz am vergangenen Freitag im See Park Janssen.

Steffi Burkhart über die Generation Y

Steffi Burkhart (r.) gab eine „Gebrauchsanweisung für die Generation Y“ und stellte sich den Fragen von Moderatorin Chadia Hamadé (l.). NN-Foto: Gerhard Seybert

Den Einstieg in die Konferenz machte Steffi Burkhart, die aus der Perspektive der Generation Y sprach und damit den Nerv der Zeit traf. Die Rednerin und Impulsgeberin erklärte den 180 anwesenden Unternehmern, „dass in ländlichen Regionen Arbeitgeber und Politik eng zusammenarbeiten müssen, um die nötige Infrastruktur aufzubauen, die zu einer gewissen Attraktivität führen”, so Burkhart. Ihre konkreten Beispiele und Tipps kamen bei den Teilnehmern durchweg gut an: „Ich fand ihren Vortrag sehr inspirierend – vielleicht auch, weil ich ein Teil dieser Generation bin”, erklärt Felix Vos, Geschäftsführer der Mera Tiernahrung GmbH. Dem konnte sich Dr. Britta Schulz, Bürgermeisterin von Kalkar, nur anschließen: „Auch wir in der Verwaltung müssen uns von alten Strukturen lösen und nicht mehr so hierarchisch und starr sein. Das Denken muss sich ändern”, so Schulz. Im Anschluss an diesen innovativen Einstieg, informierte Klaus Folgmann zum Thema „Generationen verbinden – unsere Einstellung ist entscheidend.”

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Podiumsdiskussion zur Arbeitgebermarke Niederrhein

Redner und Teilnehmer der Podiumsdiskussion folgten gespannt dem Vortrag von Steffi Burkhart. NN-Foto: Gerhard Seybert

Nach einer Kaffeepause, die auch zum Netzwerken genutzt wurde, leitete Chadia Hamadé, Moderatorin der Konferenz und aus dem WDR-Fernsehen bekannte Reporterin und Autorin, die Podiumsdiskussion ein. Neben den Organisatoren Nicolai Müller und Michael Jansen waren an der Diskussion noch Bernd Germes, Geschäftsführer der Futura Flower Canders & Germes GmbH, Dr. Christian Moll, Geschäftsführer der Chefs Culinar West GmbH und Jan Venten, Schüler aus Nettetal beteiligt. Auf Hamadés anfängliche Frage, auf was für Qualitäten es bei den Bewerbern/Arbeitnehmern denn ankomme, antwortete Müller: „Mir persönlich fallen da immer die vier M‘s ein: Man muss Menschen mögen.” Jan Venten, der im Jahr 2019 sein Abitur machen wird und bereits eine Schülerfirma gegründet hat, bemängelte die unzureichende Darstellung von Unternehmen im Internet: „Schüler haben keine Lust und Zeit mehr, sich durch 10.000 DIN A4-Seiten zu lesen. Das Interesse ist anders gelegt, kurze Videos sind da ansprechender.”Jansen betonte zudem, dass es schon lange nicht mehr nur um Fähigkeiten gehe: „Der Charakter und der Mensch und das, was aus dem Herzen kommt, sind wichtig.” Dem konnte sich Müller nur anschließen und hatte zu dem Thema eine Anekdote parat: „Ich hatte Mal einen Bewerber, der wirklich alles vorweisen konnte – beste Noten, mehrere Praktika und Auslandsaufenthalte, auf meine Frage, ob er denn auch arbeiten könne, stutzt er dann”, so Müller schmunzelnd. Genau deshalb gehe es in seinen Bewerbungsgesprächen auch darum, „was den Bewerber bewegt und was seine Interessen sind”, erläutert Moll. Letzten Endes gehe es darum, die Potenziale der Arbeitnehmer zu entdecken und zu fördern. Was aber, wenn diese noch gar nicht klar sind? „In der Schule lernen wir nicht, wie wir uns präsentieren und Potenziale werden nicht wirklich gefördert”, kritisiert Venten. Dabei seien es genau diese Faktoren, die für den Arbeitgeber den Unterschied ausmachen: „Für uns ist es wichtig, dass die Leidenschaft und Motivation bei dem Arbeitnehmer da ist”, erklärt Bernd Germes.

Constantin von Rundstedt: Talente – Fluch oder Segen

Bei der Podiumsdiskussion standen (v.l.n.r.) Nicolai Müller, Michael Jansen, Jan Venten, Bernd Germes und Dr. Christian Moll Rede und Antwort. NN-Foto: Gerhard Seybert

Dass es letzten Endes um jede Person als Individuum gehen müsse, verdeutlichte auch Constantin von Rundstedt mit seinem Vortrag „Talente: Fluch und Segen”. Von Rundstedt wies in seinem Vortrag auf die Arbeitsmoral der heutigen Generation hin: „Früher wurde gearbeitet, um zu leben. Dann kam die Generation der Workaholics, die lebten, um zu arbeiten und heute ist den Menschen die Work-Life-Balance wichtig.” Ziel müsse es deshalb, so von Rundstedt, auch sein, auf die individuellen Lebensabschnitte einzugehen: „Es ist kein Rückschritt, wenn man zeitweise auch Mal andere Aufgaben übernimmt aufgrund von aktuellen Lebensereignissen, wie einer Geburt oder der Pflege einer Person.” Ein Punkt, der vielleicht auch beim einen oder anderen Zuhörer für neue Erkenntnisse sorgte, so hofft zumindest Tim van Hees-Clanzett, Wirtschaftsförderer der Stadt Geldern: „Es freut mich, dass auch ziemlich viele ältere Unternehmer hier sitzen, bei denen es vielleicht bei einigen Punkten auch ‚Klick‘ gemacht hat.”

Kürung der besten Stellenanzeige

Rund 180 Teilnehmer hatten sich zur ersten Durchblick-Konferenz zusammen gefunden. NN-Foto: Gerhard Seybert

Im Anschluss an den letzten Vortrag kürte Andreas Rohfleisch, Anzeigenleiter und Prokurist bei den Niederrhein Nachrichten die drei besten Stellenanzeigen, die vom 3. Februar bis zum 3. März eingegangen sind, um so die Innovation von möglichen Stellenanzeigen hervorzuheben. Der dritte Platz ging an die Firma physio+schwarz mit einer Stellenanzeige im Comic-Stil. Über den zweiten Platz durfte sich das E-Center Kox freuen, die mit dem Slogan „Keine Lust auf Rumgurken” auf Stellensuche gegangen waren. Der erste Preis ging schlussendlich an Chefs culinar, die in ihrer Stellenanzeige ragten „doch keine Lust Astronom zu werden?” und stattdessen ihre Ausbildungsberufe vorstellten. Nach diesem positiven Auftakt waren sich die Organisatoren einig, dass es eine Wiederholung geben wird: „Der sehr positive Zuspruch auch nach der Durchblick Konferenz hat uns gezeigt, dass die Themen Führung, Ausbildung und der damit verbundene Fachkräftemangel den Nerv der Zeit treffen”, erklärt Nicolai Müller und Michael Jansen fügt hinzu, „es würde mich freuen, wenn die Unternehmen weiterhin aktiv den Dialog zueinander suchen, sich austauschen und gemeinsam mit uns den Niederrhein stärken.” Eine Möglichkeit dazu bekommen alle Unternehmer zum Beispiel bei der zweiten Durchblick-Konferenz im nächsten Jahr.