Guido Winkmann

KREIS KLEVE. Guido Winkmann (46), geboren in Kranenburg-Nütterden, wohnhaft in Kerken, ist sicher: Viele Dinge im Kreis Kleve könnten besser laufen. Seine Unzufriedenheit und die Erklärung des amtierenden Landrats Wolfgang Spreen, bei der Kommunalwahl im September nicht wieder anzutreten, ließen in Winkmann den Entschluss zu seiner eigenen Kandidatur reifen. Mehr als 500 Unterstützungsunterschriften hat er gesammelt, 290 sind vorgeschrieben. „Ich bin von dem Zuspruch überwältigt. Besonders freut mich, dass ich aus allen 16 Städten und Gemeinden Unterstützerunterschriften erhalte“, so Winkmann. In den nächsten Tagen müssen die Einzelblätter durch die jeweils örtlich zuständigen Gemeinden überprüft und gestempelt werden. Danach werden die Unterlagen dem Wahlausschuss des Kreises Kleve übergeben.

Auf dem Wahlzettel wird bei der Kommunalwahl am 13. September neben seinem Namen allerdings kein Parteinamen stehen. Winkmann tritt unabhängig und auf eigene Rechnung an. Das ist dem Kriminalhauptkommissar mit Führungsfunktion beim Landeskriminalamt (LKA) wichtig. Es scheint, als fürchte er, sich als Mitglied auch mal der Parteiräson beugen zu müssen und sich dabei zu verbiegen. Zu seiner ersten Pressekonferenz begleitet ihn Bernhard Kuhnt, ein Freund und Polizeikollege. Kuhnt, einem größeren Fernsehpublikum durch mehrere Fernsehrollen als Ermittler bekannt, übernimmt den „Werbeblock“ für den Kandidaten. Er beschreibt Winkmann als „sehr akribischen Menschen mit großem Gerechtigkeitssinn für den Pflichterfüllung ganz weit oben steht: Er ist ein 100-Prozent-Mann, eine Powermaschine.“ Kuhnt gehört zum rund 15köpfigen Team-Winkmann, das sich aus Freunden und Fachleuten (zum Beispiel aus dem Bereich Social Media) zusammensetzt. „Heute muss man im Wahlkampf überall seine Duftmarke hinterlassen“, sagt Kuhnt.

Karriere bei der Polizei

Seine Duftmarke hat Winkmann bereits bei seinem Arbeitgeber hinterlassen und bei der Polizei eine beachtliche Karriere hingelegt. So war der Diplom-Verwaltungswirt beim LKA unter anderem mit der Einführung des Europäischen Haftbefehls in der Polizei NRW befasst, arbeitete als Lehrender im Landesamt für Aus- und Fortbildung der Polizei NRW und befasste sich zudem mit der deutsch-niederländischen Zusammenarbeit. Seit 2018 bekleidet er eine Führungsfunktion in der Task Force „Bekämpfung Finanzierungsquellen organisierter Kriminalität und Terrorismus“. Winkmann erstellte ein Modell zur Bekämpfung des organisierten Sozialleistungsmissbrauchs. Da arbeitet er interdisziplinär mit Schul-, Jugend- und Ausländerämtern sowie der Bundesagentur für Arbeit zusammen. Auch der Sozialleistungsmissbrauch und die Kontrolle von Problemimmobilien gehören zu seinen Aufgabenbereich. Dabei lernte er, wie Kommunen arbeiten. „Ohne die Kombination aus kommunalen und polizeilichen Kenntnissen hätte ich mich nie als Landrat beworben“, sagt Winkmann. „Ein Landrat soll wissen, wie das operative Geschäft läuft.“

Bürger auch persönlich betreuen

Seine eigene Unzufriedenheit brachte ihn, wie erwähnt, zur Kandidatur. Demzufolge sieht er in einigen Bereichen Verbesserungsbedarf. „Der Landrat und die Bürgermeister (und ihre Behörden) müssen sich als Dienstleister verstehen. Wir brauchen eine Mischform aus Digitalisierung und Nahbarkeit, sprich persönlicher Betreuung.“ Als Beispiel nennt er die Einreichung von Bauanträgen. Da müsse nicht jeder Bürger einzeln zum Amt kommen. Die Behörde könnte zum Bürger kommen und beispielsweise in einer Kommune an einem Tag gleich mehrere Bauanträge einsammeln. Winkmann würde nach seiner Wahl Prozessabläufe in der Kreisverwaltung optimieren. Gerne mit Unterstützung eines Externen.

Kreis muss sich den Hut aufsetzen

Winkmann will „vor die Lage“ kommen und schon im Vorfeld Abläufe etablieren. Als Beispiel nennt er die angedachten flächendeckenden Impfungen gegen das Corona-Virus sobald geeigneter Impfstoff vorhanden ist. Winkmann ist ein Verfechter des vorausschauenden Denken und Handelns. Aus seiner Sicht gibt es viele Themen, bei denen sich der Kreis Kleve „den Hut aufsetzen und vorangehen muss“. Einer der Kernpunkte seines Wahlprogramms lautet: „Für alle 16 – mit allen 16″ (gemeint sind die Kommunen im Kreis Kleve). Die Leistungen der Kreisverwaltung müssten dort, wo es sinnvoll ist, dezentral zur Verfügung gestellt werden, inbesondere im Südkreis und in Rees. Eine echte Herzensangelegenheit ist ihm die Kommunikation mit der Jugend. „Jugend trifft Landrat – face to face“, nennt er sein Projekt. Ob er die Jugend schon im Wahlkampf treffen kann, ist aufgrund der Corona-Beschränkungen noch unklar.

Nervenstarker Einzelkämpfer

Sollte sich das Werben um Wählerstimmen hauptsächlich kontaktlos gestalten, ist Guido Winkmann gerüstet. Spots für verschiedene Medien sind fertig. Medial ist er bis Ende Juni zudem im Fernsehen präsent, wenn er als Schiedsrichter Spiele der Fußball-Bundesliga pfeifft. So wie kürzlich die Begegnung VFL Wolfsburg gegen Eintracht Frankfurt in der Ersten Bundesliga.Als „Schiri“ ist er gewohnt, im Stadion gleich mehrere zehntausend Menschen gegen sich zu haben, denen seine Entscheidung nicht passt. Dafür benötigt er starke Nerven und Stressresilenz. Beides zu besitzen auch für einen Landrat des Kreises Kleve von Vorteil, der von keiner Partei gestützt wird. Als Einzelkämpfer muss er sich für Vorhaben immer wieder Mehrheiten suchen.