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Rollstühle werden in El Salvador stets benötigt. Foto: Flüchtlingshilfe Mittelamerika
25. Januar 2025 · Verena Schade · Kleve

Verein sucht neue Lagerhalle

Die Flüchtlingshilfe Mittelamerika engagiert sich seit über 40 Jahren für die Menschen in El Salvador

NIEDERRHEIN. Am 1. Juni 2024 trat Nayib Bukele in El Salvador seine zweite Amtszeit als Präsident an. Ein weiterer Schritt in Richtung Autoritarismus. Bereits im März 2022 hatte seine Regierung den Ausnahmezustand ausgerufen, der seitdem regelmäßig verlängert wird. „Wenngleich keine konkreten Ausführungsbestimmungen erlassen wurden, bleiben zahlreiche Grundrechte außer Kraft gesetzt“, warnt etwa das Auswärtige Amt. Unter der zunehmenden staatlichen Willkür leidet in erster Linie die salvadorianische Bevölkerung, von der über die Hälfte unterhalb der Armutsgrenze lebt. Besonders betroffen ist die Landbevölkerung. Mehr als 86.000 Menschen wurden festgenommen, zigtausende davon sind nachweislich unschuldig.

Die Flüchtlingshilfe Mittelamerika ist ein als gemeinnützig anerkannter Verein, der sich seit den 1980er Jahren in und für El Salvador engagiert. Dabei geht es um Hilfen in individuellen Notlagen, etwa nach Erdbeben oder Überschwemmungen, aber eben auch um strukturelle Veränderungen. Angesichts der drohenden Diktatur steht für den Verein und seine salvadorianischen Partnerorganisationen heute der Kampf für die Menschenrechte im Mittelpunkt. „Es ist nicht immer einfach, der Repression etwas entgegenzusetzen“, sagt Jürgen Tönnesen. Dennoch tut der Verein genau das – seit über 40 Jahren. Dementsprechend gut ist er vernetzt und die Mitstreiter wissen, dass der Verein, auch politisch, vieles bewirken konnte und dass das auch in Zukunft so sein wird. Aktuell hat die Flüchtlingshilfe (mit Sitz in Goch) aber vor Ort ein Problem und bittet um Hilfe. „Wir suchen – möglichst wieder kostenlos – eine neue Lagerhalle für die Hilfsgüter, die von Deutschland aus verschifft werden“, sagt Tönnesen. „Eine Doppelgarage reicht leider nicht“, müsste es schon deutlich geräumiger sein. Zudem sollten die Spenden, die von ausrangierten Krankenhausbetten bis zu Stofftieren für die Weihnachtsfunken-Aktion reichen, trocken lagern können. „Und wir benötigen einen Wasseranschluss, damit wir die Sachen gründlich reinigen können“, nennt Tönnesen eine weitere Voraussetzung. Das war es dann aber auch. „Wir sind sehr anspruchslos und nur dann mit mehreren Helfern da, wenn wir eine größere Lieferung bekommen oder die Sachen für die Container verpacken“, hofft der 68-Jährige, dass sich, bestenfalls im Kreis Kleve, eine entsprechende Lagermöglichkeit auftreiben lässt. Zuletzt durfte man unentgeltlich eine Halle in Kevelaer nutzen, doch die wird in Kürze abgerissen. Dabei werden die Hilfslieferungen immer wichtiger für die Menschen, die unter den Repressalien der salvadorianischen Regierung zu leiden haben. „Rollstühle und Krücken werden von unseren Partnerorganisationen vor Ort immer gebraucht und sie freuen sich auch immer über Autokindersitze“, nennt Tönnesen einige Beispiele. Die Rollstühle aus Deutschland werden von ehrenamtlichen Helfern bei Bedarf repariert und lindern die Not ganz erheblich. „Einen Rollstuhl können sich arme Leute dort nicht leisten“, erklärt er. Erst recht nicht spezieller Rollstühle für Kinder. Behinderte Menschen seien generell auf sich gestellt, „vom Staat gibt es für sie keine Unterstützung“. Benötigt werden die Rollstühle zunehmend auch von unzähligen Folteropfern, die nach der Haftentlassung so geschwächt und unterernährt sind, dass sie sich kaum noch auf den Beinen halten können. „Viele sterben im Gefängnis oder später an den Folgen“, weiß er um die menschenunwürdigen Bedingungen in den salvadorianischen Gefängnissen. Betroffen sind davon auch die Angehörigen. Familien werden auseinandergerissen. Es gibt Kinder, die plötzlich auf sich allein gestellt sind. „Die kommen dann bestenfalls bei Verwandten oder Nachbarn unter“, ist Tönnesen bewusst, dass es sowohl an existentiellen Dingen mangelt, als auch die Seele zerstört. „Wir unterstützen diese Familien nicht nur mit Lebensmittelpaketen, sondern finanzieren auch Psychologen und Sozialarbeiter, Fahrten zum Arzt oder dringend benötigte Medikamente“, erklärt Tönnesen, was die Flüchtlingshilfe alles leistet. Besonders am Herzen liegen ihm die Kinder, denn „die sind häufig nur das letzte Rad am Wagen“. Deswegen gehen die Weihnachtsfunken-Pakete mittlerweile nicht nur an Kinderzentren und Schulen, sondern auch an Familien, die durch Inhaftierung eines oder mehrerer Angehöriger viel Leid erfahren. „Auch das ist ein, wenn auch kleiner, Ausdruck von Solidarität“, sagt Tönnesen.

Wer die Flüchtlingshilfe Mittelamerika unterstützen möchte, mit Geld- oder Sachspenden, mit ehrenamtlicher Hilfe (zum Beispiel bei Reparaturen oder beim Verpacken) oder eine Lagerhalle zur Verfügung stellen kann, kann sich unter Telefon 0160/ 5541107 melden und findet weitere Infos unter www.fluehi-ma.org.

Rollstühle werden in El Salvador stets benötigt. Foto: Flüchtlingshilfe Mittelamerika

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