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Prinz Tim der Rockende und seine Garde sind gewappnet für den Höhepunkt der jecken Session. NN-Foto: Rüdiger Dehnen
25. Februar 2025 · Verena Schade · Kleve

„Es macht superviel Spaß!“

Das Motto des 50. Prinzen der Stadt Kleve: Rot & Weiß in Ewigkeit, Kleve rockt die Narrenzeit!

KLEVE. „Der Klever Prinz ist aber eine richtige Rampensau.“ Sagt die Kollegin und klingt fast ein bisschen neidisch. „Im normalen Leben bin ich das eigentlich überhaupt nicht“, räumt der darauf angesprochene „Rockende“ ein, nimmt es aber mal als Kompliment. „Das ist ja jetzt meine Aufgabe und da geben wir natürlich Vollgas und machen Stimmung“, fügt er hinzu und freut sich: „Bisher sind wir sehr gut angekommen bei den Leuten. Es macht aber auch superviel Spaß!“

Seine Aufregung kaum verbergen kann an diesem Nachmittag Tiergartenleiter Martin Polotzek, der Tim mitsamt seiner Garde zu einem Rundgang eingeladen hat. „Das gab es bisher auch noch nicht“, weiß Adju Thomas, der über 270 Termine im Blick behält und jetzt, kurz vor dem Höhepunkt der Session, dennoch vergleichsweise tiefenentspannt ist. Gleich geht es noch ins Pflegeheim, danach in die Forensik. „Da dürfen aber keine Bilder gemacht werden“, sagt Thomas. Auch solche Dinge hat er auf seinem Einsatzplan vermerkt – und achtet darauf, dass alles korrekt abläuft. Jetzt geht es aber erstmal mit einem dreifach donnernden Helau rein in den Tiergarten. Martin erklärt kurz, welche Tiere heute in den Genuss des hohen Besuchs kommen sollen: „Erst geht es zu den Erdmännchen, dann zu den Faultieren und zu den Straußen und zum Schluss zu unseren Eseln.“ „Die sind schon hier“, ruft einer der Gardisten. Alle lachen. Es kann losgehen. Unterwegs ein kurzer Plausch mit Lutz, dem Standartenträger. „Und, wie läuft‘s so?“ „Richtig gut“, sagt Lutz und lobt die Stimmung und das Wir-Gefühl in der Garde. „Bislang war es noch entspannt, aber jetzt kommen die anstrengenden Tage“, schleppt er wacker die Fahne. Diesen Job macht er zum ersten Mal – er war aber schon einmal als Gardist unterwegs, in der Session 2011/2012 mit Tommy, dem Bärigen. „Der ist gleich hinter uns“, sagt Lutz, von Haus aus ein Viethens Bulle. Okay, er weiß, wie feiern geht.

Angekommen am Erdmännchengehege sieht man... nichts! „Die sind normalerweise ganz wild auf das Futter“, sagt Martin und ermutigt Tim den Rockenden, eine Runde Mehlwürmer zu spendieren. Der greift daraufhin beherzt in die Futterschale und wirft wacker die rüseligen Leckerlis. „Schon mal für Rosenmontag üben“, scherzt er und wartet gespannt auf die Reaktion der kleinen Raubtiere. Immer noch nichts zu sehen! Das muss auch der Kollege vom WDR-Fernsehen einsehen, der in Position steht, um Material für seinen Beitrag zu drehen. Da, Beyonce lugt aus einem der Erdlöcher hervor, schnappt sich zügig ein paar Tierchen – und verschwindet dann wieder. Vielleicht sogar mit einem leichten Kopfschütteln. Man weiß es nicht...

Weit aufgeschlossener der rot-weißen Besucherschar gegenüber zeigen sich die Lisztaffen und die beiden Faultiere. Carlo macht sich in Zeitlupe kopfüber an einem dicken Ast hangelnd auf den Weg. „Rosenmontag ist er da“, lacht Martin. „Ab Aschermittwoch sind wir auch in dem Tempo unterwegs“, kontert Tim. Faultier-Witze machen die Runde und eine wichtige Information lässt die Prinzengarde vor Neid erblassen. „Die müssen nur einmal die Woche aufs Klo“, weiß Martin, der auch Tierarzt ist. Das wäre doch durchaus praktisch, wenn man an den tollen Tagen von einem Termin zum nächsten eilt...

Eingeschüchtert von der Besucherschar lässt sich Straußendame Helga auch mit Futter nicht in Richtung Prinz bewegen. „Die mag kein rot“, folgert Martin. „Wer trägt denn hier rot“, kommt es aus der Menge. Schallendes Gelächter. Ja, die Stimmung ist wirklich gut. Fürs Fernsehen marschiert man noch einmal an der Kamera vorbei. „Die schönsten Momente sind die, wenn man den alten Menschen oder den Kindern ein Lächeln ins Gesicht zaubert“, sagt Tim im Interview. Überhaupt sei für ihn mit dem Prinzenjahr ein Traum in Erfüllung gegangen. „Das kann ich jedem, der für den Karneval brennt, nur empfehlen“, sagt der Rockende, der in Sachen Karneval übrigens ein Spätberufener ist. Über die Feuerwehr und Arbeitskollegen kam er zu den Schwanenfunkern, in der Session 2010/2011 begleitete er Prinz Michael den Flammenden als Standartenträger und schwenkte dabei, so munkelt man, voller Begeisterung so manche Deko zu Bruch. Dennoch durfte er die Standarte ein weiteres Mal als Gardist tragen: in der Session 2017/2018 für Prinz Maarten den Lachenden. Der ist übrigens jetzt auch als Gardist dabei.

„Traut ihr euch ins Gehege“, fragt Martin und steuert auf die Esel zu. „Er geht rein, ich werd‘ noch gebraucht“, sagt Adju Thomas und schiebt Tim nach vorn. „Faul rumstehen und nichts tun – das mache ich nach Karneval auch“, sagt Tim und lässt sich die weißen Handschuhe vollsabbern. Spätestens jetzt macht sich die beachtliche Anzahl an Tanzmädels bemerkbar und drängt ins Gehege, um die flauschigen Poitou-Esel zu streicheln. Aufstellung nehmen fürs Gruppenbild, noch ein paar Grasbonbons verteilen und schon geht es wieder in Richtung Ausgang. Vorne sagt jemand: „Nicht so nah an denen vorbei, die spucken“. „Nee, das sind doch Alpakas“, antwortet ein anderer. „Die spucken auch“, ruft Martin, der vorneweg läuft. Und flugs geht es im Eiltempo an den langhalsigen Tieren vorbei, die sich, so wie die Esel, überhaupt nicht beeindrucken lassen. Martin bekommt noch einen Orden, die Schwanenfünkchen stehen schmachtend am Streichelzoo. Aber Ziegen und Schafe müssen warten – der Tag ist noch lange nicht zu Ende.

Dieselbe Truppe, andere Szene: Im Seniorenheim an der Tiergartenstraße wird Kraneval gefeiert. „Für unsere Bewohner ist der Besuch des Prinzen ein echtes Highlight“, sagt Mitarbeiterin Sigrid. Bevor die Garde einzieht, wird Rock‘n‘Roll getanzt. „Ich mag die Musik einfach“, sagt Tim. Elvis Presley, Bill Haley und Konsorten haben es dem Klever angetan. „Tanzen kann ich aber nicht“, sagt er. Zumindest keinen Rock‘n‘Roll. Dafür aber Discofox, ausdauernd und mit großer Begeisterung. Schlager mag er nämlich auch. Wolle Petry, Helene Fischer, um mal einige zu nennen. Karnevals- und Ballermann-Hits stehen eigentlich nicht auf seiner Liste. „Aber mit der richtigen Stimmung geht das für mich auch“, räumt er ein und verweist auf „Wackelkontakt“ von Oimara. „Wenn das im Bus läuft, dann geht es richtig ab“, sagt Tim und geht schunkeln. „Das sind sehr emotionale Momente, wenn man sieht, wie sich die Leute freuen“, sagt er. Seit September 2020 weiß Tim, dass er Prinz wird. Durch Corona hat sich „seine“ Session allerdings ein Jahr nach hinten verschoben. Noch mehr Vorfreude. In dieser Woche stehen bis zum Rosenmontagszug noch um die 100 Auftritte an: Altenheime, Kindergärten, Wagenbaufeten, die letzten Sitzungen, Sponsorenbesuche und vieles mehr. Einige Termine gilt es noch zu bewerben. „Kommt alle zum Rathaussturm, am liebsten im Stil der 1950er Jahre verkleidet“, sagt Tim und verweist auf den kommenden Samstag, wenn er Bürgermeister Wolfgang Gebing den Schlüssel abluchsen will. Abends ist dann noch Prinzenkostümball im Festzelt. Gelegenheiten, den 50. Klever Prinzen live zu erleben, gibt es in den nächsten Tagen noch reichlich. Ach ja, kleine Randnotiz: Der im Rahmen der Proklamation vom KRK formulierte Aufruf, eine Stelle als Prinzessin sei zu besetzen, hat sich erledigt. Der Prinz ist vergeben, Beziehungsstatus: liiert. In perfekter Harmonie steuert man nun also in der Schwanenstadt auf den Höhepunkt der Session zu, getreu dem Motto: Rot & Weiß in Ewigkeit, Kleve rockt die Narrenzeit!

In der guten Stube im Seniorenheim wird gerockt – auch wenn‘s eng ist. NN-Foto: Rüdiger Dehnen

In der guten Stube im Seniorenheim wird gerockt – auch wenn‘s eng ist. NN-Foto: Rüdiger Dehnen

Harmonisch läuft‘s auch mit den anderen Tollitäten aus der Umgebung, etwa mit Prinz Christian dem Großartigen und seinem Funkenmariechen Sabrina, die am Sonntag auch beim Prinzenfrühschoppen waren. NN-Foto: Rüdiger Dehnen

Harmonisch läuft‘s auch mit den anderen Tollitäten aus der Umgebung, etwa mit Prinz Christian dem Großartigen und seinem Funkenmariechen Sabrina, die am Sonntag auch beim Prinzenfrühschoppen waren. NN-Foto: Rüdiger Dehnen

Die Gardemädchen sind ganz begeistert von den flauschigen Eseln im Klever Tiergarten. NN-Foto: Rüdiger Dehnen

Die Gardemädchen sind ganz begeistert von den flauschigen Eseln im Klever Tiergarten. NN-Foto: Rüdiger Dehnen

Tiergartenleiter Martin Polotzek bekommt zum Dank einen Prinzenorden. NN-Foto: Rüdiger Dehnen

Tiergartenleiter Martin Polotzek bekommt zum Dank einen Prinzenorden. NN-Foto: Rüdiger Dehnen

Nur Erdmännchendame Beyonce lässt sich kurz blicken. Ihr ist der Trubel wohl zu unheimlich. NN-Foto: Rüdiger Dehnen

Nur Erdmännchendame Beyonce lässt sich kurz blicken. Ihr ist der Trubel wohl zu unheimlich. NN-Foto: Rüdiger Dehnen

So viel Zeit muss sein. Prinz Tim spendiert den Poitou-Eseln ein paar Leckerlis. NN-Foto: Rüdiger Dehnen

So viel Zeit muss sein. Prinz Tim spendiert den Poitou-Eseln ein paar Leckerlis. NN-Foto: Rüdiger Dehnen

Prinz Tim der Rockende und seine Garde sind gewappnet für den Höhepunkt der jecken Session. NN-Foto: Rüdiger Dehnen

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