„Meine Entscheidung zum Leben als Ordensschwester habe ich nie bereut“
XANTEN. Im Mai hat Schwester Maria Bernadette ihren 86. Geburtstag gefeiert. Noch immer ist sie zur Stelle, wenn Hilfe nötig ist. Als Seelsorgerin, vor Ort oder bei Hausbesuchen und als Sakristanin im Dom. Beim Bepflanzen der Blumenkästen, die in der Sonne leuchten ebenso wie bei der Vorbereitung der Gottesdienste im Xantener Dom. Das Hochamt am Sonntag, 5. Juli, wird ein ganz besonderes: Dann feiert sie gemeinsam mit Weihbischof Rolf Lohmann und der ganzen Gemeinde im Gottesdienst ab 11.30 Uhr ihr 60-jähriges Ordensjubiläum.
Den kräftigen Händedruck, mit dem die zierliche Ordensfrau Besucher begrüßt, hätte man ihr im ersten Moment vielleicht nicht zugetraut. Doch diese Hände haben ein Leben lang immer wieder zugepackt. Es sind auch Hände, die andere halten. Hände, die Trost und Mut spenden können. „Ich bin mit meinen vier Brüdern auf einem landwirtschaftlichen Hof in Diestedde bei Wadersloh aufgewachsen. Da musste ich anpacken, ob in der Küche oder im Stall, und auch mal selbst mit dem Trecker aufs Feld fahren. Das war eine schöne Zeit“, erinnert sie sich.
Mit dem Trecker fährt sie heute nicht mehr, aber mit ihrem Auto ist sie am Niederrhein unterwegs, um Freunde, Weggefährten und Bekannte zu besuchen. „Autobahn fahre ich aber nicht mehr, ich bleibe auf den Landstraßen“, betont sie. Auch in diesen Tagen steht wieder eine kurze Strecke an – Schwester Maria Bernadette will nach Kevelaer. Um Kerzen zu kaufen. Und um Maria nahe zu sein, an dem kleinen Gnadenbild innezuhalten und zu beten.
Zur Wallfahrt hat die Ordensfrau, die den Schwestern der Heiligen Maria Magdalena Postel angehört, eine besondere Verbindung. Denn nach vielen Jahren in der Krankenpflege – der Orden widmet sich unter anderem der Senioren- und Gesundheitshilfe in besonderem Maße – wurde Maria Bernadette 1997 nach St. Ida in Herzfeld versetzt. Zwölf Jahre lang hatte sie zu dieser Zeit eine Intensivstation geleitet. „In Herzfeld war gerade ein neuer Pastor, der die Wallfahrt wiederbeleben wollte und den Orden um eine Schwester bat, die ihn als Sakristanin unterstützte.“ Sie willigte ein – und lernte so Rolf Lohmann kennen, der inzwischen Weihbischof ist und im Nachbarhaus in Xanten lebt.
Wenn sie von den folgenden 16 Jahren in Herzfeld erzählt, merkt man der Ordensfrau an, wie sehr sie die Erinnerungen noch immer erfüllen. Das Gefühl, etwas zu bewegen, eingebettet in eine Gemeinschaft aus zahlreichen Vereinen und Verbänden. „Da haben alle angepackt und wir gehörten einfach dazu. Auch wenn ich mich hier in Xanten sehr wohl fühle, in Herzfeld ist mein Herz geblieben“, sagt sie. Als Lohmann 2011 Wallfahrtsrektor in Kevelaer wurde, blieb sie zunächst in Herzfeld. Doch wenige Jahre später, Maria Bernadette war inzwischen 73 Jahre alt, wurde es nochmals Zeit für eine neue Aufgabe. Klaus Wittke, damals Propst in Xanten, hatte beim Orden Unterstützung für die Aufgaben im Dom erbeten. Die Schwester war zur Stelle – und stand schon wenige Wochen später in der karnevalistischen Bütt. „Ich bin wirklich schnell hier am Niederrhein aufgenommen worden“, sagt sie lachend. „Jeden Tag erlebe ich Begegnungen mit jungen und alten Menschen. Ich spüre Dankbarkeit, wenn man ihnen zuhört, mit ihnen betet oder sie in den Arm nimmt. Gerne feiere ich mit, wenn ein Kind getauft wird, aber ich begleite auch kranke und sterbende Menschen auf ihrem Weg.“
Das ist ihre Berufung. Seit ihrem Eintritt in den Orden vor 60 Jahren folgt sie ihr mit voller Überzeugung. „Als Jugendliche wollte ich eine große Familie gründen. Aber ich habe gemerkt, dass auch das Ordensleben etwas für mich sein könnte. Das, was ich in all den Jahren seit meinem Eintritt gemacht habe, hätte ich mit einer eigenen Familie nicht leisten können. Meine Entscheidung zum Leben als Ordensschwester habe ich nie bereut.“ Heute allerdings vermisst sie das Zusammenleben mit anderen Schwestern im Konvent. Auch die Schwestern der Heiligen Maria Magdalena Postel leiden unter Nachwuchsmangel. „Es gibt in Xanten noch Schwestern anderer Orden, mit denen ich zusammen beten und Gottesdienste feiern kann. Das tut gut“, sagt sie leise.
Und sie merkt, dass nach einem Leben voller Arbeit mit 86 Jahren die Kräfte schwinden. Trotz des kräftigen Händedrucks und des gewinnenden Lachens, mit dem sie aus ihrem Leben erzählt. „Es gab in den vergangenen Jahren schon Momente, in denen ich überlegt habe, aus dem aktiven Dienst auszuscheiden“, sagt sie. Aber dann standen besondere Feiertage und außergewöhnliche Feste an und sie habe sich immer vorgenommen: „Das machst Du noch mit!“ Schwester Maria Bernadette lächelt: „Jetzt bin ich 86 und noch immer dabei.“
Das 60-jährige Ordensjubiläum wird mit einem festlichen Gottesdienst im Xantener Dom gefeiert, geleitet von Weihbischof Lohmann. Sicherlich werden viele Gratulanten kommen, um ihr die Hände zu schütteln. „Ich weiß gar nicht, was geplant ist“, sagt sie schmunzelnd, „aber ich lasse es einfach auf mich zukommen.“