Wichtige Pflegemaßnahme
Warum Blühflächen in Kleve mitten im Sommer gemäht werden
KLEVE. In den kommenden Wochen werden die Wildblumenflächen vor dem Klever Rathaus durch die Umweltbetriebe der Stadt Kleve gemäht. Was im Sommer bei voller Blüte zunächst widersprüchlich erscheint, ist eine wichtige Pflegemaßnahme: Durch die Mahd werden die Flächen langfristig artenreicher und ökologisch wertvoller.
„Zunächst ist es irritierend, wenn eine blühende Fläche gemäht wird“, sagt Luc Boekholt, Grün- und Umweltplaner der Stadt Kleve. „Tatsächlich ist die Mahd jedoch ein wichtiger Bestandteil der Pflege. Sie sorgt dafür, dass sich die Blühflächen langfristig vielfältig entwickeln können und die vielen unterschiedlichen Pflanzen nicht von wenigen dominanten Arten verdrängt werden.“ Viele heimische Wildblumen sind an magere Standorte angepasst und profitieren von nährstoffarmen Bedingungen. Nach der Mahd wird das Schnittgut von den Flächen abgeräumt. Dem Boden werden dadurch Nährstoffe entzogen, sodass konkurrenzstarke Arten wie Beifuß, Luzerne und verschiedene Gräser weniger gefördert werden und andere wertvolle Wildpflanzen sich besser entwickeln können. Die Pflege fördert zudem einen zweiten Blühzyklus im Spätsommer. „Viele Pflanzen treiben nach dem Schnitt erneut aus und bilden weitere Blüten als Nahrungsquelle für Insekten“; erklärt Boekholt weiter. „Zahlreiche frühblühende Arten haben zum Zeitpunkt der Mahd ihre Samen bereits ausgebildet. Durch das Mähen und spätere Abräumen werden diese auf der Fläche verteilt und können sich im Boden etablieren.“
Bei der Durchführung der Mahd wird besonderer Wert auf einen naturverträglichen Ablauf gelegt. Das frisch gemähte Material verbleibt zunächst einige Tage auf der Fläche, damit Insekten und Kleintiere ausweichen und Samen ausreifen können. Außerdem bleibt vor dem Rathaus eine Vegetationshöhe von etwa 15 bis 20 Zentimetern stehen. Dies verbessert die Überlebenschancen von Insekten, Amphibien und anderen Kleintieren und ermöglicht den Pflanzen einen schnellen Wiederaustrieb.
Naturverträgliches Mähen ist allerdings immer ein Kompromiss. „Einen perfekten Zeitpunkt, der allen Arten gerecht wird, gibt es nicht. Um möglichst viele Pflanzen- und Tierarten zu berücksichtigen, setzt die Stadt Kleve auf unterschiedliche Mahdzeitpunkte: Einige Flächen werden bereits Ende Juni gemäht, andere erst Anfang August“, erläutert der Grün- und Umweltplaner. So bleiben stets blühende Bereiche als Rückzugs- und Nahrungsräume erhalten.