"Porträt von Regisseur Yannis van Soest, professionell fotografiert, NN-Foto von HF"
19. Juni 2026 · Heiner Frost · Kleve

Homo Dramaticus spielt „Als Gott starb“

Autorin Raschel Livetes-Ahad zur Premiere eingeladen

KLEVE. Ein Sonntagnachmittag beim Theater im Fluss. Die Gruppe „Homo Dramaticus“ – zwölf junge Menschen im Alter zwischen 14 und 24 – probt mit Regisseur Yannis van Soest ein neues Stück. Premiere ist am Freitag, 26. Juni, um 20 Uhr.

Ein halbes Jahr Vorbereitungszeit hatte die Truppe: Einmal in der Woche wird zwei Stunden lang geprobt. Hier und heute: ein Probennachmittag. Es geht jetzt ans Eingemachte. Das Stück „Als Gott starb“ stand am Ende eines Auswahlprozesses. Van Soest: „Es beginnt damit, dass ich recherchiere, was infrage kommen könnte. Dabei geht es dann neben möglichen Inhalten auch um die Besetzungsstärke. Am Ende hatte ich fünf verschiedene Vorschläge und es war ziemlich schnell klar, dass es dieses Stück sein würde.“

„Als Gott starb“ ist ein Stück von Raschel Livetes-Ahad. „Die Autorin ist 21. Sie schrieb das Stück, als sie noch zur Schule ging“, erzählt van Soest und er sagt auch: „Wir haben Raschel zu Premiere eingeladen. Natürlich wäre es fantastisch, wenn sie käme, aber wir haben bisher noch keine Antwort von ihr.“ Die Autorin wohnt in Erfurt. Sprich: Die Anreise will geplant sein.

Vom Umgang miteinander

Und jetzt Butter bei die Fische. Wovon handelt „Als Gott starb“? Van Soest: „Eine Gruppe Menschen trifft auf Gott, der am Ende dieser Begegnung tot ist. Die Gruppe gerät später aufgrund ihrer Lebensweise und Weltsicht unter Druck und als bald darauf mehrere Gruppenmitglieder sterben, stellt sich die Frage nach dem Warum.“ Oops. Eher keine Komödie, oder? Van Soest: Das ist ein Stück über diktatorische Gesellschaften. Es geht um Konflikte – hervorgerufen durch unterschiedliche Moralvorstellungen. Es geht dabei auch um innere Zerrissenheit und die Frage nach dem Umgang miteinander.“

Die Jugendlichen haben das Stück (siehe oben) selbst gewählt. Van Soest: „Theater ist ja weit mehr, als dass man sich ein Stück aussucht und es dann aufführt. Da findet im Vorfeld – also bei den Proben – mindestens so viel Interaktion statt, wie sie auch im Stück selbst auftaucht. Da geht es um alle, die dabei sind und es geht immer auch um das Hinterfragen, beziehungsweise das Ausloten und Finden der eigenen Position.“ Theater, denke ich, kann erst dann ein Publikum erreichen, sprich: verändern, wenn vorher die Schauspieler diesen Prozess durchlaufen und also durchlebt haben. Davon handelt die Glaubwürdigkeit einer Produktion.

Soziale Strukturen

Die Probenatmosphäre: konzentriert. Selbst in der Pause hat man den Eindruck, dass weitergedacht wird. Das eigene Leben als Verlängerung des Gespielten. Oder ist es umgekehrt? Theaterarbeit mit Jugendlichen, da ist van Soest sicher, geht weit über das Inszenieren hinaus. Da werden soziale Strukturen erforscht und aufgebaut. Oder sie werden infrage gestellt.

Bei „Als Gott starb“ spielen: Alex Döhmen, Anna Subburayalu, Denise Osterkamp, Ellen Döhmen, Emely Kolberg, Franziska Fleuren, Ina Erdmann, Kai Przibyczin, Lea Verfondern, Sebastian Sanai, Wencke Jockram und Ylva Niemeier. Die Aufführungen von „Als Gott starb“ finden statt am: Freitag, 26. Juni, 20 Uhr (Premiere); Samstag, 27. Juni, 20 Uhr; Samstag, 4, Juli, 20 Uhr und Sonntag 5. Juli, 19 Uhr. Kartenvorbestellungen (zwölf Euro, ermäßigt acht Euro) sind unter Telefon 02821/ 979379 möglich.

Regisseur Yannis van Soest. NN-Foto: HF

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