Volksbank Niederrhein wächst trotz Rezession auf Rekordniveau
Die Bank sieht Vorstandschef Lohmann gut aufgestellt / Deutschland stecke aber in der Wirtschaftskrise
KREIS WESEL. Wenn Guido Lohmann, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Niederrhein, das Jahr 2025 in einem Satz für das Geldinstitut mit Hauptsitz in Alpen zusammenfassen müsste, würde er wie folgt lauten: „Stabilität und Stärke in bewegten Zeiten.“ Denn die Volksbank Niederrhein habe es im vergangenen Jahr geschafft, trotz der schlechten wirtschaftlichen Rahmendaten, ihr Geschäftsvolumen um sechs Prozent auf eine neue Rekordhöhe von erstmals mehr als fünf Milliarden Euro zu steigern. Das sei dem „herausragenden Engagement unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“ zu verdanken, betonte Lohmann bei der diesjährigen Bilanzpressekonferenz der Volksbank Niederrhein.
Besonders bemerkenswert sei, dass die Bank bei den Spareinlagen mit deutlich mehr als sieben Prozent weit über dem bundesweiten Branchentrend von 2,5 Prozent habe zulegen können und den Kreditbestand damit um mehr als fünf Prozent ausgeweitet habe. „Das zeigt das Vertrauen in unsere Bank“, sagte Lohmann. Das Kreditwachstum verteile sich in etwa zu gleichen Teilen auf die private Baufinanzierung und auf das Firmen- und Gewerbekundengeschäft. „Wir haben keine sogenannten Klumpenrisiken, sondern sind über alle Branchen breit gestreut investiert“, erläuterte Lohmann die Risikopolitik der Bank. Dazu sei auch der Provisionsüberschuss um gut sieben Prozent gegenüber 2024 ausgebaut worden. Alles in allem verzeichnete die Volksbank Niederrhein unter dem Strich für das Geschäftsjahr 2025 gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung ihres Bilanzgewinnes um 5,9 Prozent auf 3,89 Millionen Euro.
Von den positiven Zahlen profitieren auch die Mitglieder der Volksbank Niederrhein, denn diese sollen auf Vorschlag des Vorstands und des Aufsichtsrates zuzüglich der üblichen vier Prozent noch eine Sonderdividende von einem Prozent auf ihre Genossenschaftsanteile erhalten. Die Vertreterversammlung am 22. Juni wird auf Basis des erfolgreichen Geschäftsjahres über diesen Vorschlag abstimmen. „Mit einer Dividende von fünf Prozent wollen wir im Sinne unserer genossenschaftlichen Grundüberzeugung unsere Mitglieder, deren Zahl wir erstmals auf über 26.000 steigern konnten, angemessen an unserem Erfolg beteiligen“, begründete Lohmann.
Nicht ganz so positiv bewertete der Vorstandschef allerdings die gesamtwirtschaftliche Lage besonders in Deutschland. Die längste rezessive Phase in der Wirtschaft seit rund 80 Jahren erfordere mehr denn je entschiedenes Handeln. „Wir brauchen schnellstens eine echte Wirtschaftswende und die Bereitschaft, Wohlstand wieder erarbeiten statt nur verteilen zu wollen“, sagte Lohmann. Dazu gehöre auch die Arbeitsmoral der deutschen Bundesbürger. Eine Teilzeitarbeit für Eltern oder pflegende Angehörige sei nachvollziehbar, gerade für junge Leute in einigen Fällen allerdings nicht.
Der Wirtschaftsstandort Deutschland habe in den vergangenen Jahren ohnehin massiv gelitten. Der „einstige Exportweltmeister Deutschland“ sei stark abgestiegen und etwa hinter die heutige Großmacht China gefallen. Die deutsche Autoindustrie stehe vor großen Problemen. „Hier gibt es dramatische Einbrüche“, sagte Lohmann und ergänzte: „Da sehe ich auch kein Licht am Horizont.“ Auch die deutsche Chemieindustrie habe „mega Probleme“ und kämpfe mit hohen Energiepreisen, die sie einfach nicht mehr konkurrenzfähig machen würden. „Da gibt es viel Unruhe und Unsicherheit in der Branche“, sagte Lohmann.
Das alles schlage sich auch etwa in der Zahl der Insolvenzen („Die Großinsolvenzen sind stark angestiegen. Mit 23.900 Pleiten hatten wir 2025 den höchsten Stand seit 20 Jahren“) und in der Arbeitslosenquote nieder, die bundesweit bei 7,8 Prozent liege – also ebenfalls so hoch, wie schon lange nicht mehr. Die deutsche Wirtschaft sei zudem 2025 nur um 0,2 Prozent gewachsen. „Das ist quasi nichts und bedeutet im Endeffekt eine Rezession im dritten Jahr in Folge“, betonte Lohmann. Das prognostizierte Wirtschaftswachstum von 0,8 Prozent für 2026 sei außerdem in Wahrheit keines. „Davon machen 0,3 Prozent die fehlenden Feier- und damit mehr Arbeits- und Produktionstage aus. 0,4 Prozent sind auf das Sondervermögen zurückzuführen – also auf ein kreditverschuldetes Wachstum. Die Grundlagen für ein echtes Wirtschaftswachstum sehen wir nicht. Es ist lediglich ein gekauftes Wachstum“, bilanzierte Lohmann.
Aufgrund der unsicheren Lage und des schwachen bis nicht vorhandenem Wirtschaftswachstum sei der private Konsum stark zurückgegangen. Auch Firmen würden aktuell kaum kräftig ins eigene Unternehmen investierten. Das Einzige, was im Moment wachse, sei der öffentliche Dienst, von dem aber ja kein Wirtschaftswachstum ausgehe. Daher bleibe aktuell lediglich die ernüchternde Erkenntnis: „Nur der Staat investiert.“
Eine Prognose sei trotz einer Inflation von weiterhin um die zwei Prozent und eher stabilen langfristigen Zinsen schwer zu verfassen. Lohmann geht zwar davon aus, dass die Volksbank Niederrhein weiterhin stark bleiben werde, der Privatkonsum werde allerdings auch 2026 kaum Wachstumsimpulse setzen. Damit würde auch die Wohnungsnot besonders in großen Städten weiterhin zunehmen und die Mieten in der Folge weiterhin steigen. Einziger Lichtpunkt sei die Reaktivierung der KfW-Förderung für das Effizienzhaus 55 (EH55), wodurch einige bereits genehmigte Bauvorhaben nun vielleicht doch umgesetzt werden würden.
Trotzdem seien die aktuellen Zeiten – gerade auch aufgrund der aktuellen Weltpolitik – sehr unsicher. Denn alle möglichen Szenarien würden noch nicht mögliche Verwerfungen, die durch eventuelle geopolitische Konflikte oder Eskalationen entstehen könnten, beinhalten. Weltweite Krisenherde und das „unfassbar egozentrische Vorgehen des US-Präsidenten Donald Trump“ sieht Lohmann als eine permanent große Gefahr für die wirtschaftliche und politische Stabilität in Europa und auf der Welt. Zudem würden der stetig wachsende Pessimismus und das zunehmende fehlende Vertrauen in die Demokratie extremen Parteien wie der AfD Zuwächse beschaffen, „obwohl die inhaltlich ganz schnell komplett zerlegt werden könnten“, wie Lohmann betonte. Denn deren Wahlversprechen seien in der Realität gar nicht umzusetzen. Gleiches gelte in vielen Punkten mittlerweile auch für die Vorhaben der Partei Die Linke.
Guido Lohmann bleibt bis 2031 an Bord
Guido Lohmann, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Niederrhein, hat seinen Dienstvertrag auf Wunsch des Aufsichtsrates vorzeitig bis zum 30. März 2031 verlängert. „Ich habe noch Lust drauf und möchte eine klare, verlässliche Perspektive geben“, betonte Lohmann. Im April 2031 soll dann allerdings ein Externer seinen Posten übernehmen. Vorstandsmitglied Dieter Hackstein wird bereits im Sommer 2028 in den Ruhestand gehen. Für ihn ist bereits Jan Terlinden in den Vorstand aufgerückt. Er wird Hacksteins Posten 2028 dann übernehmen.
Der aktuelle Neubau der Geschäftsstelle an der Lindenallee in Alpen ist aktuell „voll im Budget- und Zeitplan“. Bis Juni dieses Jahres soll der erste Bauabschnitt fertig sein. Die Neueröffnung ist für Anfang oder Mitte Juli geplant. Dann soll der zweite Bauabschnitt – der über 30 Jahre alte Mitteltrakt – folgen. Eine Fertigstellung sei für das Frühjahr 2028 geplant.
Sabrina PetersDer aktuelle Vorstand der Volksbank Niederrhein: Dieter Hackstein, Jan Terlinden und Vorstandschef Guido Lohmann (v.l.) NN-Foto: SP
Redakteurin in Xanten, Kalkar, Rheinberg und Alpen sowie Büderich und Ginderich