66 Teilnehmerinnen waren der Einladung nach Kevelaer zum Deutsch-niederländischen Zukunftstag gefolgt. NN-Fotos: Gerhard Seybert
28. Oktober 2026 Von NN-Online · Niederrhein

Starke Frauen. Starke Höfe.

Deutsch-niederländischer Zukunftstag machte die Rolle von Frauen in der Landwirtschaft sichtbar

NIEDERRHEIN. Wie vielfältig, engagiert und zukunftsorientiert Frauen die Landwirtschaft gestalten, hat zuletzt der deutsch-niederländische Zukunftstag „Starke Frauen. Starke Höfe.“ gezeigt. Insgesamt 66 Teilnehmerinnen folgten der Einladung des Rheinischen LandFrauenverbandes in den Achterhoek-Südwest nach Kevelaer.

Die Veranstaltung fand anlässlich des Internationalen Jahres der Frauen in der Landwirtschaft der Vereinten Nationen statt und bot Raum für persönliche Geschichten, fachliche Impulse und wertvolle Begegnungen über Ländergrenzen hinweg.

Im Mittelpunkt stand eine klare Botschaft: Frauen sind eine tragende Säule der Landwirtschaft. Ob als Betriebsleiterin, mitarbeitende Familienangehörige, Unternehmerin oder im Hintergrund des landwirtschaftlichen Betriebes – ihre Leistungen sind unverzichtbar und verdienen mehr Sichtbarkeit und Anerkennung.

Einblicke in einen Familienbetrieb

Den Auftakt des Zukunftstages bildete eine Besichtigung des Milchviehbetriebes der Lorey Holstein in Kevelaer-Kervenheim. Betriebsleiterin Sylvia van den Boom gewährte den Teilnehmerinnen Einblicke in den Familienbetrieb, dessen Geschichte bis in das Jahr 1892 zurückreicht.

Besonderes Interesse weckten die Zukunftspläne für einen modernen Milchviehstall mit zeitgemäßer Melktechnik. Die Betriebsbesichtigung verdeutlichte eindrucksvoll, wie sich ein traditionsreicher Familienbetrieb durch kontinuierliche Weiterentwicklung, unternehmerischen Mut und Investitionen für kommende Generationen aufstellt. Zugleich wurde sichtbar, welchen wichtigen Beitrag Frauen zur Führung und Zukunftsgestaltung landwirtschaftlicher Betriebe leisten.

Frauen in der Landwirtschaft stärken

Im Anschluss an die Betriebsbesichtigung ging es in die Bauernkate Achterhoek-Südwest. Jutta Kuhles, Präsidentin des Rheinischen LandFrauenverbandes, unterstrich die Bedeutung des Internationalen Jahres der Frauen in der Landwirtschaft und forderte mehr Sichtbarkeit – auch in der Agrarstatistik. Silke Gorißen, Ministerin für Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, und der niederländische Landwirtschaftsminister Jaimi van Essen würdigten das Engagement der Frauen in Videobotschaften. Heleen Groot hob die Innovationskraft der Frauen und den grenzüberschreitenden Austausch hervor. Erich Gussen, Präsident des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes, betonte die Bedeutung einer gemeinsamen Interessenvertretung.

Besonderer Dank galt Jutta Kuhles für ihren unermüdlichen Einsatz. Mit Beharrlichkeit und Leidenschaft gibt sie den Anliegen von Frauen in der Landwirtschaft eine Stimme und bringt wichtige Zukunftsthemen voran.

Auch Heleen Groot – Direktorin für europäische, internationale und agrarökonomische Politik und stellvertretende Generaldirektorin für den Bereich Landwirtschaft im Ministerium für Landwirtschaft, Fischerei, Lebensmittelsicherheit und Natur der Niederlande – unterstrich in ihrem Grußwort die Bedeutung von Frauen in einer noch immer stark männlich geprägten Branche. Sie hob insbesondere die Innovationskraft und Kreativität von Frauen hervor und ermutigte die Teilnehmerinnen, sich stärker zu vernetzen und ihre Erfahrungen auszutauschen. Viele Herausforderungen seien auf beiden Seiten der deutsch-niederländischen Grenze ähnlich. Umso wichtiger sei es, gemeinsam nach Lösungen zu suchen und voneinander zu lernen.

Erich Gussen machte deutlich, dass sich der Verband für die Belange der Frauen in der Landwirtschaft einsetze. Er unterstrich damit die Bedeutung einer gemeinsamen Interessenvertretung und die Notwendigkeit, die Leistungen von Frauen stärker anzuerkennen.

Die Grußworte machten deutlich, was den gesamten Zukunftstag prägte: Starke Frauen brauchen nicht nur starke Nerven, sondern vor allem starke Netzwerke, gegenseitige Wertschätzung und die Möglichkeit, ihre Zukunft aktiv mitzugestalten.

Drei Höfe, drei Wege

Julia Velmans berichtete von ihrer Arbeit im elterlichen Milchvieh- und Ackerbaubetrieb und den Herausforderungen einer zukunftsorientierten Hofübergabe. Laura Buschhaus gab Einblicke in das Leben und Arbeiten auf einem Mehrgenerationenhof und die Vereinbarkeit von Familie, außerlandwirtschaftlichem Beruf und landwirtschaftlichem Betrieb. Anne Straetmanns erzählte von der Entwicklung der familieneigenen Direktvermarktung mit Hofbäckerei, Käserei und Hofladen – und davon, wie aus einer Idee über viele Jahre ein erfolgreiches Standbein entstehen kann.

In der lebendigen Gesprächsrunde wurde deutlich, dass ein gutes Leben auf dem Hof weit mehr bedeutet als wirtschaftlichen Erfolg. Wertschätzung, Zusammenhalt, gegenseitiger Respekt, persönliche Freiräume und eine offene Kommunikation zwischen den Generationen sind ebenso entscheidend. Auch finanzielle Eigenständigkeit, Altersvorsorge und die Möglichkeit, eigene Stärken und Ideen einzubringen, spielen eine wichtige Rolle.

Mut, neue Wege zu gehen

Wie viel durch unternehmerischen Mut und Kreativität entstehen kann, zeigte auch die niederländische Landwirtin Susanne Ruesink. Sie berichtete von ihrem vielseitigen Familienbetrieb und ihren Ideen, Landwirtschaft, Gastronomie, Kunst und Begegnungen miteinander zu verbinden. Ihr Beispiel machte deutlich, dass die Zukunft landwirtschaftlicher Betriebe nicht nur von Tradition, sondern ebenso von Offenheit für Veränderungen und dem Mut zu neuen Konzepten lebt.

Dabei ging es nicht allein um wirtschaftliche Chancen, sondern auch darum, Landwirtschaft für Verbraucher erlebbar zu machen und die Wertschätzung für regionale Lebensmittel zu stärken.

Erkenntnisse aus dem World-Café

Am Nachmittag beleuchteten Jutta Kuhles und Annemieke Tromp anhand von Zahlen und Studien die Situation von Frauen in der deutschen und niederländischen Landwirtschaft. Dabei zeigte sich eine zentrale Lücke: Viele Frauen tragen wesentlich zum Betriebserfolg bei, ohne in offiziellen Statistiken als Betriebsleiterinnen sichtbar zu sein. Auch bei sozialer Absicherung, Hofnachfolge und betrieblicher Mitbestimmung bestehen Herausforderungen.

Im anschließenden World-Café tauschten sich die Teilnehmerinnen über Hofübergabe, Direktvermarktung, Innovation und finanzielle Absicherung aus. Die Gespräche verbanden persönliche Erfahrungen mit grundsätzlichen Fragen: Wer wird bei wichtigen Entscheidungen einbezogen? Wie können Frauen ihre eigenen Ideen umsetzen und wirtschaftlich unabhängig bleiben? Und wie wird ihre Arbeit – auf dem Hof ebenso wie in der Familie – angemessen anerkannt?

Als zentrale Quintessenz des Austausches kristallisierte sich heraus, dass Sichtbarkeit allein nicht genügt. Frauen müssen frühzeitig und gleichberechtigt an Entscheidungen über Betrieb, Investitionen und Hofnachfolge beteiligt werden. Finanzielle Eigenständigkeit und eine verlässliche Altersvorsorge dürfen nicht dem Zufall überlassen bleiben. Zugleich braucht es Wertschätzung und faire Absprachen innerhalb der Familien.

Der deutsch-niederländische Austausch machte deutlich, dass diese Fragen über Ländergrenzen hinweg relevant sind und konkrete Veränderungen im Alltag wie in den Strukturen der Landwirtschaft erfordern.

Klare Forderungen für die Zukunft

Der Zukunftstag bot Raum für Begegnungen und neue Kontakte. Vor allem aber zeigte er, wo Frauen in der Landwirtschaft der Schuh drückt: Ihre Arbeit ist für viele Betriebe unverzichtbar, doch Anerkennung, finanzielle Sicherheit und Mitsprache halten damit nicht immer Schritt.

Daraus folgt ein klarer Auftrag an Familien, Betriebe, Verbände und Politik: Frauen müssen in allen relevanten Bereichen systematisch sichtbar, mitgedacht und gleichberechtigt berücksichtigt werden – in der täglichen Arbeit, in Statistiken, bei finanziellen und betrieblichen Entscheidungen, in der Altersvorsorge und vor allem zu Hause. Dazu gehören transparente Absprachen, echte Mitgestaltungsmöglichkeiten und eine eigenständige soziale und finanzielle Absicherung.

Die Veranstaltung war eine Initiative des Rheinischen LandFrauenverbandes mit Unterstützung des Rheinischen Landwirtschaftsverbandes und in Kooperation mit dem niederländischen Ministerium für Landwirtschaft, Fischerei, Ernährungssicherheit und Natur. Gefördert wurde der Zukunftstag als Kleinprojekt zur regionalen Entwicklung durch die Leader-Region Leistende Landschaft mit Mitteln des Bundes und des Landes Nordrhein-Westfalen.

Auf dem Podium: (v.l.) Maja Mogwitz, Laura Buschhaus, Julia Velmans und Anne Straetmans. NN-Fotos: Gerhard Seybert

Auf dem Podium: (v.l.) Maja Mogwitz, Laura Buschhaus, Julia Velmans und Anne Straetmans. NN-Fotos: Gerhard Seybert Foto: Gerhard Seybert - 47608 Geldern

66 Teilnehmerinnen waren der Einladung nach Kevelaer zum Deutsch-niederländischen Zukunftstag gefolgt. NN-Fotos: Gerhard Seybert

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