Rheinischer Mühlenverband feiert Jubiläum mit neuer Chronik
Geschichtsverein Bedburg-Hau veröffentlicht umfassende Dokumentation zur Geschichte und Zukunft des Mühlenwesens im Rheinland. Josef Jörissen dokumentiert die Entwicklung des Verbands und die Bedeutung der Mühlen zwischen Bonn und den Niederlanden.
BEDBURG-HAU. „25 Jahre Rheinischer Mühlenverband“ heißt die Chronik, die der Geschichtsverein Bedburg-Hau herausgegeben hat. Obgleich der Rheinische Mühlenverband (RMV) 180 Mitglieder und 80 Mühlen zwischen Bonn und den Niederlanden vertritt und seinen Sitz in der Mühlenstadt Wegberg hat, fand die Buchvorstellung im Rathaus der Gemeinde Bedburg-Hau statt. Grund dafür ist, dass Autor Josef Jörrissen im Vorstand des hiesigen Geschichtsvereins aktiv und zugleich „ein Mann der ersten Stunde“ im RMV ist.
So bezeichnete ihn RMV-Geschäftsführer Dr. Ferdinand Schmitz beim Pressetermin: „Josef Jörissen hat die Strukturen für den Verband geschaffen und engagiert sich bis heute in dessen Vorstand“, sagte Dr. Schmitz. „Mit dieser Akribie und Sorgfalt hat er auch die Geschichte des Verbandes festgehalten und damit ein Dokument geschaffen, das ein Zeitzeugnis ist.“ Auch der Bürgermeister von Bedburg-Hau, Stefan Reinders, würdigte Josef Jörissens Einsatz: „Es ist schön, dass es Menschen gibt, die Informationen davor bewahren, aus dem allgemeinen Gedächtnis zu verschwinden.“
Die Chronik erzählt auf 200 Seiten und mit 100 Fotos die Geschichte des Rheinischen Mühlenverbandes, vornehmlich das erste Vierteljahrundert zwischen 1993 und 2018. Das Layout übernahm Johannes Stinner vom Geschichtsverein, die Finanzierung wurde gefördert durch die Sparkasse Rhein-Maas, den Landschaftsverband Rheinland und den RMV. Erhältlich ist das Buch zum Preis von 15 Euro an der Rezeption der Gemeindeverwaltung Bedburg-Hau im Rathaus sowie in der Zentrale und im Archiv des RMV in der Schrofmühle in Wegberg.
Das Titelbild der Chronik zeigt die Alte Mühle in Kleve-Donsbrüggen: Dort wurde der Rheinische Mühlenverband am 17. Mai 1993 unter dem Vorsitz des damaligen Oberkreisdirektors Rudolf Kersting gegründet. Der Name war zunächst Niederrheinischer Mühlenverein, doch schon 2001 wurde er zum Rheinischer Mühlenverband umbenannt, um auch den Interessen der Mühlenfreunde aus der Eifel und dem Bergischen Land Rechnung zu tragen. Ziel des RMV ist es, sich für den Erhalt und die Erforschung der Wind- und Wassermühlen im Rheinland „als Kulturzeugnisse und Wirtschaftseinrichtungen“ einzusetzen.
Der RMV ist einer von 14 Landesverbänden der Deutschen Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung (DGM) und hat mit Unterstützung dieses Bundesverbandes bislang zwei bundesweite Auftaktveranstaltungen zum Deutschen Mühlentag durchgeführt: 1996 an der Alten Mühle in Donsbrüggen und 2009 an der Schrofmühle in Wegberg-Rickelrath. Über beide Großereignisse berichtet die Chronik umfassend, sie blickt aber auch in Zukunft: Denn am Pfingstmontag 2028 findet der bundesweite Auftakt des Deutschen Mühlentages in Rees statt, wenn die Rheinstadt den 800. Jahrestag ihrer Stadterhebung feiert.
Das Buch blickt auch zurück auf die beiden dreitägigen Jahrestagungen der DGM, 2001 in Kleve und 2015 in Wegberg. An diesen Events, bestehend aus Versammlungen und Exkursionen, nahmen Mühlenfreunde aus ganz Deutschland und den Niederlanden teil. Neben dem jährlich an Pfingstmontag ausgerichteten Deutschen Mühlentag, an dem sich im Verbandsgebiet bis zu 65 Mühlen beteiligen, hält der RMV das allgemeine Interesse auch durch Ausstellungen wach. In der Chronik hebt Josef Jörissen vor allem die Ausstellungen in der Historischen Mühle von Sanssouci in Potsdam und im Niederrheinischen Museum für Volkskunde und Kulturgeschichte in Kevelaer hervor, erinnert aber auch an Wanderausstellungen in Banken und Sparkassen sowie an die deutsch-niederländische Gemeinschaftsausstellung im Rathaus der Gemeinde Kranenburg.
Was die Beziehungen zu den Niederlanden anbelangt, so hat sich im Laufe der Jahre eine stets wachsende Intensität der Zusammenarbeit entwickelt, unter anderem bei der Ausbildung zum ehrenamtlichen Müller, wobei nicht nur auf niederländische Ausbildungsunterlagen zurückgegriffen wird, sondern auch niederländische Müller bei der Ausbildung mitwirken. Übrigens wurde die Müllerausbildung federführend in der Kalkarer Mühle unter der Leitung von Gerd Hage durchgeführt. Auch bei der Renovierung von Mühlen wird in den meisten Fällen die Hilfe von niederländischen Mühlenbaufirmen in Anspruch genommen, was ebenfalls im Rahmen der Chronik dokumentiert wird.
Von allen Publikationen des RMV sind „Der Niederrheinische Wassermühlenführer“ und „Die Rheinischen Windmühlen“ von Dr. Hans Vogt hervorzuheben. Dafür hat der frühere Vorsitzende des RMV sämtliche Mühlen im Verbandsgebiet dokumentiert, darunter auch jene, die längst nicht mehr existieren.
In seiner Nachfolge hat Vorstandsmitglied Josef Jörissen für das Niederrhein-Magazin der Niederrhein Akademie und für die RWTH Aachen über das Mühlenwesen im Rheinland berichtet, bevor er nunmehr die Chronik des Rheinischen Mühlenverbandes verfasst hat.
Genannt werden muss auch die Mühlenkarte, die der Rheinische Mühlenverband erstellt hat. Auf der Vorderseite ist die Topographie mit den Mühlenstandorten dargestellt, die Rückseite enthält eine Mühlen-Typologie sowie die Fotos der meisten Mühlen.
Vor mehreren Jahren wechselte nicht nur der Amtssitz des RMV von Kleve nach Wegberg, auch das Archiv zog vom Kreis Kleve nach Wegberg um. Der umgebaute Kornspeicher der Schrofmühle in Wegberg-Rickelrath speichert seither das geballte Wissen über die Mühlen im Verbandsgebiet und kann nach Voranmeldung von allen Interessenten genutzt werden.
Chronik-Autor Josef Jörissen mit Johannes Stinner (Geschichtsverein Bedburg-Hau), RMV-Geschäftsführer Dr. Ferdi Schmitz, Bürgermeister Stefan Reinders, Tobias Tenhaef (Geschichtsverein Bedburg-Hau) und Vanessa Winkels von der Sparkasse Rhein-Maas bei der Buchvorstellung in Bedburg-Hau. Foto: RMV/Michael Scholten